Bürgerempfang der Stadt Reutlingen am 6. Januar 2011

- Es gilt das ge­spro­che­ne Wort -

Ansprache Oberbürgermeisterin Barbara Bosch


Sehr ge­ehr­te Damen und Her­ren,

ich be­grü­ße Sie alle sehr herz­lich zum in­zwi­schen tra­di­tio­nel­len Bür­ger­emp­fang der Stadt Reut­lin­gen am 6. Ja­nu­ar hier im Rat­haus. Seit dem Ende des drit­ten Jahr­hun­derts wird an die­sem Tag das Tauf­fest Chris­ti ge­fei­ert, er ist dann spä­ter neben Weih­nach­ten als Fest­tag bei­be­hal­ten wor­den. Der höchs­te der Weih­nachts­fei­er­ta­ge, der „Öbers­te“, wie wir in Reut­lin­gen sagen, hat ge­ra­de in un­se­rer Stadt noch eine ganz pro­fa­ne Be­deu­tung. Er ist der Aus­gangs­punkt für die Fest­le­gung des Mut­schel­ta­ges, immer am Don­ners­tag da­nach. Letz­tes Jahr lag der Mut­schel­tag un­mit­tel­bar nach dem Bür­ger­emp­fang, in die­sem Jahr haben wir den größt­mög­li­chen Ab­stand bis zum nächs­ten Don­ners­tag.

An Neu­jahr und beim Mut­scheln wünscht man sich vor allem eines: Glück. Glück und Glas – wie leicht bricht das, sagt der Volks­mund. Wil­helm Busch ist da ganz prag­ma­tisch: „For­tu­na lä­chelt, doch sie mag nur un­gern voll be­glü­cken:
Schenkt sie uns einen Som­mer­tag, schenkt sie uns auch Mü­cken.“

Auch auf der städ­ti­schen Gruß­kar­te zu Weih­nach­ten und Neu­jahr war vom Glück­lich­sein die Rede. Pas­send zu un­se­rer Fi­nanz­la­ge des­halb noch ein wei­ser Rat vom grie­chi­schen Phi­lo­so­phen Epi­kur:

„Wenn du einen Mensch glück­lich ma­chen willst, dann füge nichts von sei­nen Reich­tü­mern hinzu, son­dern nimm ihm ei­ni­ge von sei­nen Wün­schen.“

Doch zu­rück zum Datum.

Heut­zu­ta­ge er­kennt man, auch ohne auf das Ka­len­der­blatt zu schau­en, an der Gleich­zei­tig­keit ver­schie­de­ner Merk­ma­le, dass Sil­ves­ter naht. Die Bun­des­kanz­le­rin hält eine An­spra­che an ihr Volk, im Fern­se­hen stol­pert ein äl­te­rer Herr im alt­mo­di­schen Smo­king mehr­mals über ein Tier­fell, die Reut­lin­ger haben tags­über in den Le­bens­mit­tel­ge­schäf­ten ein­ge­kauft, wie wenn die Würt­tem­ber­ger noch ein­mal an­grei­fen wür­den, wofür auch die Be­waff­nung über­wie­gend männ­li­cher Per­so­nen mit Ra­ke­ten und an­de­rer ang­st­ein­flös­sen­der Uten­si­li­en spre­chen könn­te. Für die Schlaf­müt­zen wird spä­tes­tens am nächs­ten Tag klar, dass Sil­ves­ter be­reits war, wenn der ganze Unrat dann her­um­liegt.

Auch wir läu­ten akus­tisch un­se­ren Bür­ger­emp­fang ein, mit dem Blä­ser­quar­tett der Würt­tem­ber­gi­schen Phil­har­mo­nie Reut­lin­gen, dem ich für den ge­lun­ge­nen Auf­takt mit einer Suite danke. Sie wer­den mit Trom­pe­ten und Po­sau­nen von Je­ri­cho die Fei­er­stun­de be­schlie­ßen. Meine Damen und Her­ren, haben Sie keine Sorge, dass davon das Rats­ge­bäu­de ein­stür­zen könn­te. Die um­fas­sen­de en­er­ge­ti­sche Sa­nie­rung, die erste über­haupt seit dem Bau des Rat­hau­ses in den 60er Jah­ren, ist ter­min­ge­recht im De­zem­ber ab­ge­schlos­sen wor­den. Nun sind wir nicht nur tech­nisch wie­der auf einem zeit­ge­mä­ßen Stand, son­dern spa­ren sehr viel CO2-​Emis­sio­nen ein – dass ist gut für die Um­welt, und spart Geld. Ich weiß nicht, wie es Ihnen er­geht – ich bin froh über un­se­re Ent­schei­dung im Ge­mein­de­rat, auf die alte Aus­stat­tung ein­schließ­lich des Mo­bi­li­ars nicht zu ver­zich­ten, es dafür her­rich­ten zu las­sen. Der gro­ßen Sit­zungs­saal hat die Würde sei­ner Ent­ste­hungs­zeit be­hal­ten, die At­mo­sphä­re lebt von der wun­der­ba­ren Ma­se­rung des Hol­zes und einer ver­bes­ser­ten Be­lich­tung.

Das Rats­ge­bäu­de ist al­ler­dings nur eines von vie­len Bei­spie­len, bei wel­chem wir ganz kon­kret durch en­er­ge­ti­sche Sa­nie­run­gen etwas für den Kli­ma­schutz tun, zum Teil ge­för­dert durch das Kon­junk­tur­pro­gramm des Bun­des. 12 Schu­len be­fin­den sich ak­tu­ell in die­sem Pro­gramm, und von die­sen Maß­nah­men pro­fi­tie­ren nicht nur Schü­ler und Leh­rer durch ver­bes­ser­te Räume, son­dern wir alle durch den Bei­trag fürs Klima.

Die Ge­samt­bi­lanz der Reut­lin­ger Kli­ma­schutz­maß­nah­men der letz­ten Jahre ist be­mer­kens­wert. Der im No­vem­ber vor­ge­leg­te Kli­ma­schutz­be­richt hat dies ein­drück­lich unter Be­weis ge­stellt. Reut­lin­gen ist hier vor­bild­lich un­ter­wegs, wozu auch die städ­ti­schen Töch­ter GWG und Fai­rEner­gie maß­geb­lich bei­tra­gen. So ist bei der Wer­ner­schen Mühle in Bet­zin­gen die Wie­der­her­stel­lung eines his­to­ri­schen Tech­nik­denk­mals ge­lun­gen mit der Er­zeu­gung von re­ge­ne­ra­ti­ven En­er­gien durch Was­ser­kraft ver­knüpft wor­den. Die Fai­rEner­gie be­tei­ligt sich auch am Offshore-​Wind­park in der Ost­see. Und Reut­lin­gen ist im letz­ten Jahr auf einen be­mer­kens­wer­ten drit­ten Platz in der Solar-​Bun­des­li­ga deut­scher Groß­städ­te nach vorne ge­rückt.

Prima Klima herrsch­te al­ler­dings im ver­gan­ge­nen Jahr nicht bei allen The­men in der Stadt. Ich denke hier­bei be­son­ders an un­se­re Fi­nanz­la­ge. Die Aus­wir­kun­gen der glo­ba­len Finanz-​ und Wirt­schafts­kri­se haben uns mit vol­ler Wucht ge­trof­fen. Ein Nach­trags­haus­halt muss­te im März be­schlos­sen wer­den, die Vor­be­rei­tun­gen für den Dop­pel­haus­halt 2011/2012 stan­den unter die­sen Vor­zei­chen. Ich bin dem Ge­mein­de­rat sehr dank­bar, dass er sich mit der Ver­wal­tung in zwei Klau­su­ren der Mühe un­ter­zo­gen hat, viele ein­zel­ne Haus­halts­pos­ten ab­zu­klop­fen und mög­li­che Kür­zun­gen und Strei­chun­gen zu dis­ku­tie­ren. Dabei ist sehr deut­lich ge­wor­den, dass da nicht mehr viel übrig bleibt, will man nach acht Jah­ren durch­gän­gi­ger Kon­so­li­die­rung nicht einen Sub­stanz­ver­lust in Kauf neh­men. Die Ver­wal­tung hat nach die­sen Vor­be­rei­tun­gen in der letz­ten Sit­zung des Ge­mein­de­ra­tes im De­zem­ber den Ent­wurf des Dop­pel­haus­hal­tes ein­ge­bracht, er geht nun in die Be­ra­tun­gen im Ge­mein­de­rat. Er ist un­ver­än­dert von der De­vi­se des Maß­hal­tens ge­prägt. So muss­ten alle be­rech­tig­ten Wün­sche nach Stel­len­schaf­fun­gen er­neut zu­rück­ge­wie­sen wer­den, mit Aus­nah­me des Aus­baus in der Kin­der­be­treu­ung und be­reits be­schlos­se­ner zu­sätz­li­cher Auf­ga­ben. Am 18. Ja­nu­ar wird die öf­fent­li­che Ge­ne­ral­de­bat­te hier­über statt­fin­den. Auch wenn sich in Deutsch­land er­freu­li­cher Weise wie­der ein deut­li­cher Auf­schwung ab­zeich­net, so wird dies für die Städ­te und Ge­mein­den zu­min­dest in den nächs­ten zwei bis drei Jah­ren nicht die Trend­wen­de brin­gen. Zum einen haben die deut­schen Kom­mu­nen 2010 mit einem bis­lang nie da ge­we­se­nen Re­kord­de­fi­zit ab­ge­schlos­sen. Aus die­ser hohen Ver­schul­dung müs­sen wir uns erst ein­mal her­aus­ar­bei­ten, auch in Reut­lin­gen. Au­ßer­dem kom­men ver­bes­ser­te Steu­er­ein­nah­men bei uns erst mit einer zeit­li­chen Ver­zö­ge­rung von min­des­tens zwei Jah­ren an. Noch ein­mal daran er­in­nern will ich, dass es auch ge­setz­li­che Än­de­run­gen zur Ent­las­tung unter an­de­rem der Fir­men gab, wel­che die Steu­er­ein­nah­men mas­siv re­du­ziert haben. Die­ses Geld kommt nicht wie­der. Vor allem aber, und das macht für die Zu­kunft sehr nach­denk­lich, ex­plo­die­ren die So­zi­al­aus­ga­ben der Städ­te und Ge­mein­den, eine Ver­lang­sa­mung oder gar ein Stopp ist kei­nes­wegs ab­seh­bar, im Ge­gen­teil. Es be­darf des­halb drin­gend der stär­ke­ren Un­ter­stüt­zung des Bun­des und des Lan­des bei den Auf­ga­ben, die wir schließ­lich von dort auch zu­ge­wie­sen be­kom­men. Sonst er­le­ben wir den Bank­rott der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung.

Ich bin al­ler­dings der fes­ten Über­zeu­gung, dass Kla­gen und Jam­mern ein un­brauch­ba­rer Weg wäre, um eine schwie­ri­ge Si­tua­ti­on zu meis­tern. Mit dem Dop­pel­haus­halt ver­su­chen wir, nichts zu zer­schla­gen, was für die Zu­kunft Reut­lin­gens von Be­deu­tung ist, den­noch aber einen ge­neh­mi­gungs­fä­hi­gen Haus­halt zu er­rei­chen. Ich will dabei nicht nur in der ei­ge­nen Stadt hand­lungs­fä­hig blei­ben, son­dern mich auch aktiv an der po­li­ti­schen Dis­kus­si­on über eine an­ge­mes­se­ne Be­rück­sich­ti­gung kom­mu­na­ler In­ter­es­sen ein­brin­gen. Was in den Städ­ten pas­siert, be­ein­flusst näm­lich die Le­bens­ver­hält­nis­se der Men­schen vor Ort ganz un­mit­tel­bar. Des­halb habe ich mich in schwie­ri­gen Zei­ten be­reit er­klärt, für das Amt der Prä­si­den­tin des Städ­te­ta­ges Baden-​Würt­tem­berg zur Ver­fü­gung zu ste­hen; die Wahl ist in knapp zwei Wo­chen. Ich trete damit in die Fuß­stap­fen des Reut­lin­ger Ober­bür­ger­meis­ters Kalb­fell. Er war nach dem Zwei­ten Welt­krieg nicht nur maß­geb­lich an der Grün­dung die­ser kom­mu­na­len Ver­tre­tung auf Lan­des­ebe­ne be­tei­ligt, son­dern über zwei Amts­zei­ten auch deren ers­ter Prä­si­dent. Reut­lin­gen knüpft an seine da­ma­li­ge Rolle an.

Dass es ge­lin­gen kann, den Spa­gat zwi­schen pro­ble­ma­ti­schen Fi­nan­zen und der wei­te­ren Ent­wick­lung einer Stadt zu hal­ten, haben wir auch 2010 unter Be­weis ge­stellt. Bei der Kinder-​​​​​​​​ und Schul­be­treu­ung konn­ten wir wei­ter zu­le­gen, wie zu­letzt im De­zem­ber die bei­den Ein­wei­hun­gen des Kin­der­gar­tens im Rei­chen­eck und der Hof­schu­le in Al­ten­burg au­gen­fäl­lig ge­macht haben. Das BZN in Rom­mels­bach hat ein tol­les Beach­vol­ley­ball­feld er­hal­ten. Die Pla­nun­gen für den Sport der Zu­kunft sind durch den Ab­schluss der Ar­bei­ten für die Sport­ent­wick­lung auf eine neue Basis ge­stellt wor­den. Na­tür­lich, wie immer, mit Be­tei­li­gung der Bür­ger und der Ver­ei­ne. Die neue Klet­ter­hal­le des Al­pen­ver­eins ist her­vor­ra­gend an­ge­kom­men und Si­cken­hau­sen ist stolz auf ein ge­lun­ge­nes neues Feu­er­wehr­haus. In Rom­mels­bach konn­ten wir neue Stra­ßen­ab­schnit­te ein­wei­hen, und bei der Sa­nie­rung der Alt­stadt ar­bei­ten wir uns in der Wil­helm­stra­ße Schritt für Schritt nach vorne, wenn auch die Ab­schnit­te wegen der Fi­nanz­la­ge etwas klei­ner ge­wor­den sind. Das Ziel aber las­sen wir nicht aus den Augen. Auf­trä­ge er­hält das re­gio­na­le Hand­werk auch für den Bau der neuen Stadt­hal­le, die sicht­bar aus dem Boden wächst. Aus heu­ti­ger Sicht wer­den wir unser Wort hal­ten. Die Stadt­hal­le wird nicht teu­rer wer­den als ge­plant. Und auch der Bau des Schei­ben­gip­fel­tun­nels geht plan­mä­ßig wei­ter, damit wir in der In­nen­stadt wie­der bes­ser schnau­fen kön­nen, sprich we­ni­ger Fein­staub­be­las­tung haben.

Auch der Wirt­schafts­stand­ort Reut­lin­gen hat sich im Kri­sen­jahr wa­cker prä­sen­tiert. Die Firma Bosch hat im Früh­jahr ihr Halb­lei­ter­werk im Bei­sein des da­ma­li­gen Bun­des­prä­si­den­ten Köh­ler ein­ge­weiht; die der­zeit größ­te Fir­men­in­ves­ti­ti­on in Baden-​​​​​​​​Würt­tem­berg mit der Folge der Si­che­rung von be­ste­hen­den und der Schaf­fung neuer Ar­beits­plät­ze in Reut­lin­gen. Am Ende des Jah­res war Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel zu Be­such bei Firma Manz. Auch viele an­de­re Fir­men haben sich, ge­mein­sam mit ihren Be­schäf­tig­ten, mutig und klug durch die Krise ge­schla­gen und tra­gen nun zum Auf­schwung ihren Teil bei. Ich bin den Un­ter­neh­mens­lei­tun­gen und den Be­schäf­tig­ten in den Fir­men sehr dank­bar für ihre Be­reit­schaft, ge­mein­sam den Her­aus­for­de­run­gen der schwie­rigs­ten Wirt­schafts­la­ge seit der Nach­kriegs­zeit zu be­geg­nen, um dafür jetzt gut ge­rüs­tet wie­der durch­star­ten zu kön­nen. Mit Sorge sehe ich dabei den an­ge­kün­dig­ten Ar­beits­platz­ab­bau in ein­zel­nen Fir­men und hoffe, dass das Schlimms­te ver­hü­tet wer­den kann. Mit den Fir­men sind wir im Ge­spräch.

Die Ge­scheh­nis­se um Stutt­gart 21 zei­gen, dass be­son­ders bei Groß­pro­jek­ten die be­glei­ten­de Öf­fent­lich­keits­ar­beit wich­tig ist, dass die Be­den­ken und An­re­gun­gen aus der Bür­ger­schaft ernst ge­nom­men sein wol­len. Dies macht zwar städ­ti­sche Pla­nun­gen auf­wen­dig und teu­rer, aber dafür haben wir bei der Rea­li­sie­rung dann die not­wen­di­ge Ak­zep­tanz. In Reut­lin­gen haben wir be­reits bei­des be­ob­ach­ten kön­nen: Dass eine brei­te Pro­test­be­we­gung ein Groß­pro­jekt kip­pen kann, und dass ein Groß­pro­jekt ohne brei­te Pro­test­be­we­gung mög­lich ist – wenn man offen und ehr­lich mit In­for­ma­tio­nen um­geht und die Bür­ger­schaft ein­be­zieht.

Kom­mu­nal­po­li­tik in Reut­lin­gen lebt nicht davon, punk­tu­ell zu re­agie­ren. Wir be­rei­ten die Ar­beit kon­ti­nu­ier­lich durch Pla­nun­gen vor, unter Zu­hil­fe­nah­me von Fach­leu­ten und selbst­ver­ständ­lich mit Bür­ger­be­tei­li­gung. So war es mit der Sport­ent­wick­lungs­pla­nung, über deren Um­set­zung zu dis­ku­tie­ren sein wird, ge­nau­so wie bei der Stadt­ent­wick­lung auf dem Areal rund um den Haupt­bahn­hof, be­kannt unter City Nord. Dort geht es nach der Bür­ger­be­tei­li­gung und der Über­ar­bei­tung der Preisträger-​​​​​​​​Ent­wür­fe aus dem Wett­be­werb in die nächs­te Runde. Wir haben uns vor­ge­nom­men, ab die­sem Jahr ein neues Kli­ma­schutz­kon­zept zu er­ar­bei­ten, be­glei­tet durch ein Kli­ma­schutz­fo­rum. Der Auf­trag ist be­reits er­teilt. Und das über­ra­schen­de Er­geb­nis des Wohn­raum­gut­ach­tens ver­pflich­tet uns in po­si­ti­ver Weise, wei­ter­hin so at­trak­tiv für Fa­mi­li­en zu blei­ben, dass sie nicht aus der Stadt weg­zie­hen, wie das sonst in Groß­städ­ten üb­lich ist, son­dern im Ge­gen­teil, dies be­stä­tigt die Ana­ly­se, hier­her kom­men. Das wol­len wir auch in Zu­kunft so haben.

Ar­beit steht uns also ge­nü­gend bevor. Ich freue mich, dass wir dabei auf eine Viel­zahl en­ga­gier­ter Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, auf Ver­ei­ne, Wirt­schafts­part­ner und Nach­barn rech­nen kön­nen. In Reut­lin­gen, der Stadt der Zünf­te, Fried­rich Lists und Gus­tav Wer­ners, ver­knüpft eine tat­kräf­ti­ge Bür­ger­schaft selbst­stän­di­ges Han­deln, ge­werb­li­chen Sinn und so­zia­les En­ga­ge­ment. Das ist unser Pfund, auf das wir wei­ter bauen soll­ten.

Sie sind wie immer im An­schluss bei Ge­bäck und Ge­trän­ken zu guten Ge­sprä­chen ein­ge­la­den. Fa­mi­lie Ber­ger ge­hört zu jener un­er­setz­li­chen Sorte von Bür­gern in un­se­rer Stadt, die sich mit ihr iden­ti­fi­zie­ren, sich ein­brin­gen, Gutes tun – und dies ohne Auf­he­bens darum zu ma­chen. Die Ver­kös­ti­gung bei un­se­rem Bür­ger­emp­fang er­folgt auch in die­sem Jahr aus dem ei­ge­nen Wein­berg und aus der Spen­de des ge­sam­ten le­cke­ren Ge­bäcks der Voll­korn­bä­cke­rei Ber­ger, ins­ge­samt ca. 3.700 Stück­chen. Mein auf­rich­ti­ger Dank, in unser aller Namen, an Sie, liebe Fa­mi­lie Ber­ger, für diese noble Geste, für Ihre tat­kräf­ti­ge und fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung.

Viel­leicht kön­nen Sie ja da­durch der schwä­bi­schen Klug­heit wei­ter auf die Sprün­ge hel­fen. Der le­gen­dä­re Stutt­gar­ter Ober­bür­ger­meis­ter Man­fred Rom­mel hat deren Ur­sprung klar er­kannt. Ich zi­tie­re:

„Der Schwa­ben Klug­heit ist kein Rät­sel.
Die Lö­sung heißt: die Lau­gen­bre­zel.
Schon tro­cken gibt dem Hirn sie Kraft.
Mit But­ter wirkt sie fa­bel­haft.
Er­leuch­tet mit der Weis­heit Fa­ckel,
den Ver­stand vom größ­ten Da­ckel.“

Da­ckel haben wir selbst­re­dend beim Reut­lin­ger Bür­ger­emp­fang nicht, schon gar keine, was ja viel schlim­mer wäre, Halb­da­ckel.

Und des­halb be­dür­fen Sie mei­nes Rates si­cher nicht, bei denen in die­sem Jahr statt­fin­den­den Wah­len das Rich­ti­ge zu tun – näm­lich wäh­len zu gehen. Dazu habe ich üb­ri­gens beim Bür­ger­emp­fang immer auf­ge­ru­fen, wenn Wah­len be­vor­stan­den. Wenn wir die Nach­rich­ten aus un­se­rer afri­ka­ni­schen Part­ner­stadt Bouaké an der El­fen­bein­küs­te hören, dann wis­sen wir, wie dank­bar wir sein kön­nen für eine sta­bi­le De­mo­kra­tie.

Ich be­dan­ke mich bei Ihnen für Ihre Be­glei­tung und Un­ter­stüt­zung in vie­len wich­ti­gen Fra­gen für un­se­re Stadt. Las­sen Sie uns nicht „Wut­bür­ger“ sein, das Wort des Jah­res 2010, son­dern „Mut­bür­ger“. Das steht uns in Reut­lin­gen mit sei­ner Tra­di­ti­on viel bes­ser zu Ge­sicht.

Ich wün­sche Ihnen allen be­ruf­lich wie per­sön­lich ein gutes, ein glück­li­ches und ge­sun­des neues Jahr, und freue mich auf viele wei­te­re Be­geg­nun­gen mit Ihnen. Und ver­ges­sen Sie nicht, was uns der fran­zö­si­sche Ma­the­ma­ti­ker und Phi­lo­soph Blai­se Pas­cal mit auf den Weg ge­ge­ben hat:
„Es gibt be­reits alle guten Vor­sät­ze, wir brau­chen sie nur noch an­zu­wen­den.“

Viel Er­folg dabei.
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