Bürgerempfang am 6. Januar 2018

- Es gilt das gesprochene Wort -


Ansprache Oberbürgermeisterin Barbara Bosch


Liebe Bürgerinnen und Bürger, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste aus der Stadt und ihrer Nachbarschaft,

herzlich willkommen in unserer festlich geschmückten Stadthalle. Das Bläserquintett der Württembergischen Philharmonie Reutlingen hat den Staub des alten Jahres weggeblasen und uns fröhlich auf das neue Jahr eingestimmt. Wir hörten Musik der Renaissance des flämisch-deutschen Komponisten Tilmann Susato. Renaissance bezeichnet die Zeit des Umbruchs, des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit und vielleicht ist heute auch wieder so eine Zeit des Übergangs, diesmal von der analogen zur digitalen Welt. Ob dies eine schöne neue Welt ist, wird sich noch herausstellen, es liegt auch an uns. Sie haben es sicher schon gehört: Reutlingen ist Modellstadt als Smart City, wir wollen uns den Herausforderungen und Möglichkeiten der wachsenden Digitalisierung stellen. Es gibt keinen Lebensbereich, der davon unberührt bleiben wird, und die Digitalisierung wird in rasanten Schritten voranschreiten, ob wir wollen oder nicht. Denken Sie nur daran, wie selbstverständlich Smartphones für uns alle geworden sind, und das innerhalb weniger Jahre. Wir können und wollen als Stadt uns diesem Trend nicht widersetzen, sondern wollen herausarbeiten, wo die Vorteile für uns liegen. Ich denke da beispielsweise auch an die digitale Vernetzung des Verkehrsgeschehens, wovon letzten Endes jeder einzelne Verkehrsteilnehmer und die Umwelt profitieren können.

Eine Stadt als Gesamtgebilde ist aber mehr als ihre technischen Möglichkeiten. Stellen Sie sich einmal vor, wir würden den Bürgerempfang per Videokonferenz ausrichten – es wäre kein angemessener Ersatz für die vielen persönlichen Begegnungen, um gemeinsam in das neue kommunalpolitische Jahr zu starten. Ein Viertele Wein lässt sich eben virtuell nicht schlotzen, Obstsaft auch nicht, vom Verzicht auf die Leckereien der Bio-Bäckerei Berger aus Reutlingen ganz zu schweigen. Familie Berger pflegt auch in der nächsten Generation die Tradition, am 6. Januar früh morgens in ihrer Bäckerei bereits tausende von Gebäckstücken frisch zu produzieren und diese dem Bürgerempfang der Stadt Reutlingen zu spenden, auf dass wir es uns nach dem offiziellen Teil gut gehen lassen können. Erneut ein herzliches großes Dankeschön an Familie Berger und deren Bio-Bäckerei hier in Reutlingen!

Vermutlich hat jeder von uns ein Bündel Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen an dieses neue Jahr und hofft natürlich darauf, dass wenigsten die zentralen Wünsche in Erfüllung gehen. Allerdings wird es auch Wünsche geben, die nicht einmal höhere Mächte wie der Weihnachtsmann erfüllen kann, obwohl er sich sicher vor wenigen Wochen viel Mühe gegeben hat. Die Wochenzeitung DIE ZEIT hat kürzlich Kinder gefragt, was sie sie für ihr Leben gerne hätten und ich finde die Antworten ausgesprochen sympathisch. Ronny, 7 Jahre, hätte gerne eine Süßigkeitenmaschine, die aus Rosenkohl Gummibärchen macht. Oscar, 8 Jahre, aus Dettingen wünscht sich einen Garten-Vergrößerer, damit ein echtes Fußballtor Platz hat. Und ein Leuchtfußball zum Kicken im Dunkeln wäre auch toll. Ben, 11 Jahre, träumt von einer Weltreise mit seinen vier besten Kumpels, natürlich mit schulfrei. „Wir Kinder“, sagt Ben, „würden aussehen wie Erwachsene, damit wir überall hinkommen und alles allein entscheiden dürfen.“

Stefanie, 7 Jahre, hätte zu gerne eine Brille, mit der man in die Zukunft sehen kann. Die hätten wir wahrscheinlich alle ganz gerne, wenigstens gelegentlich. Vielleicht ist es aber ganz gut, nicht alles genau zu wissen, was kommt. „Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht“, sagt Joachim Ringelnatz. Im Schwäbischen geht’s noch kürzer: „‘s isch, wie‘s isch“.

Und ganz schlecht ist es ja auch nicht. Zumindest nicht bei uns in Reutlingen. Wir haben eine farbenfrohe Kommunalpolitik, da sind bei sieben Gruppierungen im Gemeinderat Farben der deutschen Ampel ebenso dabei wie die Landesfarben von Jamaika. Was in Reutlingen farbenprächtig gedeiht, ist in Berlin schon vor der Aussaat verkümmert. So wundert es nicht, dass „Jamaika-Aus“ das Wort des Jahres ist und wir noch auf eine neue Regierung warten müssen, was wir in Deutschland gar nicht gewohnt sind. Aber wie sagte der Bundespräsident in seiner Weihnachtsansprache: „Wären wir Menschen nicht auch offen und mutig für das Unerwartete, dann wären schon die Hirten von Bethlehem auseinander gelaufen. Und schließlich muss nicht alles Unerwartete uns das Fürchten lehren. Das gilt auch für Regierungsbildungen, die in ungewohnter Weise auf sich warten lassen.“ Vielleicht hätten die Berliner Jamaika-Unterhändler jamaikanische Sprichwörter und Weisheiten beherzigen sollen. In Jamaika heißt es: „Zwischen Spinne und Fliege kann es keinen Kompromiss geben“ oder eine andere Erkenntnis: „Eine Frau hat Zähne und ihr Biss ist gefährlich“. Möglicherweise hat das auch Christian Lindner am Ende so gesehen… Eine andere jamaikanische Weisheit könnte auch von der Bundeskanzlerin stammen: „Nicht wer rennen kann, gewinnt das Rennen, sondern wer bis zum Ende rennen kann“. Ich finde, das beschreibt den langen Atem, den man in der Politik braucht, ziemlich gut. Kommen wir von Jamaika wieder zurück in heimische Gefilde, so sehen wir, dass wieder einiges geschafft wurde im vergangenen Jahr. Vor allem aber freue ich mich, dass wir noch vor Jahreswechsel mit dem Abschluss des Planungswettbewerbs zum Ensemble in der Oberamteistraße einen wichtigen Schritt zum Erhalt der denkmalgeschützten Gebäude und Ergänzung durch einen modernen Neubau getan haben. Der geniale Entwurf wird in unserer Stadt sicher noch viele Diskussionen auslösen, wie dies bei modernen Bauvorhaben immer der Fall ist und auch so sein darf. Wer sich näher informieren will, kann das noch in den nächsten Wochen tun. In der Eingangshalle des Rathauses sind die Entwürfe für die historische Häuserzeile Oberamteistraße ausgestellt, noch bis 26. Januar 2018.

Eine Auswahl dessen, was sich 2017 in Reutlingen getan hat, sehen Sie im neuen Jahresrückblick, der im Foyer ausliegt und den Sie gerne mit nach Hause nehmen dürfen. Wie schön, dass auch 2017 wieder einiges gut wurde, was lange währte. Nach 50 Jahren des Hoffens und Bangens, des Planens und Prüfens, der Diskussionen und Proteste konnten wir endlich den Scheibengipfeltunnel einweihen, der uns auch in Sachen Luftreinhaltung voranbringt. Es wird einige Monate dauern, bis sich die neue verkehrliche Situation gefestigt hat, dann können wir Aussagen über den Umfang der entlastenden Wirkung treffen. Dass der Scheibengipfeltunnel Entlastung bringt, spürt man schon jetzt.
Die Erarbeitung eines Luftreinhalteplanes durch das Land war in Reutlingen, wie in anderen baden-württembergischen und deutschen Städten auch, 2017 ein großes Thema – und wird es 2018 bleiben. Hinsichtlich der Situation in der Landeshauptstadt Stuttgart hat das Verwaltungsgericht im Dezember ein Urteil gesprochen, in dessen Konsequenz Fahrverbote drohen können. Der Aufreger für dieses Jahr ist also schon absehbar und verständlich. Reutlingen ist nicht der Verursacher der hohen autobedingten Stickoxid-Werte, ebenso wenig wie die anderen deutschen Städte. Wir können nicht richten, was die Autohersteller uns eingebrockt haben. Wir stellen keine Katalysatoren her und wir manipulieren sie auch nicht. Ich war schon zweimal beim sogenannten Dieselgipfel in Berlin. Ich sehe auch danach keine nennenswerte, angemessene Beteiligung der Verursacher an den immensen Kosten für saubere Luft. Auch die von der Bundesregierung in Aussicht gestellte finanzielle Unterstützung wird uns in den Kommunen nur partiell voranbringen. Eine Milliarde hört sich gut an und jeder im Saal könnte damit etwas anfangen, aber bundesweit gesehen, auf alle betroffenen Städte verteilt, ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein, von dem wir zum überwiegenden Teil noch gar nicht wissen, wann er auf welchem Weg ankommt. „Die Letzten beißen die Hunde“, heißt es in einem leider sehr wahren Sprichwort. Wir werden deswegen in Reutlingen nicht umhin kommen, Einschränkungen im Autoverkehr zu beschließen, um auch Vorgaben des Verwaltungsgerichts Sigmaringen umzusetzen. Das, was eine Stadt aus eigener Kraft tun kann, werden wir in Reutlingen tun. Dazu zählen der Masterplan Radverkehr, die Regional-Stadtbahn, Temporeduzierungen, der Aufbau einer Mobilitätszentrale und anderes mehr. Dazu gehören auch ungewohnte Dinge wie die veganen Fetthennen in der Lederstraße, die probehalber Abgase aus der Luft picken sollen, was sie nur mäßig gut machen, aber wir sind noch im Versuchsstadium. Wer glaubt, nur Reutlingen käme auf ausgefallene Ideen, der schaue sich um. Fast alle Städte probieren aus, was geht oder was nicht geht. In Stuttgart und Tübingen stellt man Moos auf, und in London fahren Doppeldeckerbusse mit Kaffeesatz, der dem Dieselöl beigemischt ist. Von den 200 Tausend Tonnen Kaffeesatz, die jährlich in London anfallen, konnten laut Zeitungsbericht schon 50 Tausend Tonnen verarbeitet werden. Ich halte das für eine sinnvolle Verwendung. Besser jedenfalls als aus dem Kaffeesatz zu lesen, was ja viele gerne tun.

Für einen herausragenden Baustein im Reutlinger Mobilitätskonzept konnte jetzt die Voraussetzung geschaffen werden. Wir haben im Dezember im Gemeinderat mit überwältigender Mehrheit den Grundsatzbeschluss für das neue Stadtbusnetz getroffen, mit Radialverbindungen, 100 neuen Haltestellen und neun neuen Buslinien. Das ist ein Riesenschritt hin zu einem attraktiven, großstädtischen Busangebot, von dem Innenstadt und Stadtbezirke gleichermaßen profitieren werden, und zu dessen Umsetzung noch einiges an Arbeit zu leisten sein wird. Aber wir wissen ja, dass wir in der Politik einen langen Atem brauchen.

Das gilt auch beim Thema Wohnungsbau. Wir lassen nichts unversucht, um mehr und preiswerten Wohnraum in unserer Stadt für unsere insgesamt wachsende Einwohnerzahl zu schaffen. Eine wichtige Weichenstellung ist mit den letzten Beschlüssen zur Wohnbauoffensive gelungen, die wir schon 2012 gestartet haben, aber mit den zunächst lang diskutierten Vorgaben zur Sozialbindung bei der Schaffung von neuem Wohnraum noch einmal deutlich Fahrt aufgenommen hat. Wer die Tagesordnungen unserer politischen Gremien anschaut, wird unschwer erkennen, in welcher hohen Taktzahl Bebauungspläne auf den Weg geschickt worden sind, um dieses Ziel zu erreichen. Bei allen Anstrengungen der Beteiligten in Reutlingen bleibt trotzdem die Erkenntnis: Es fehlen Wohnungen in großer Zahl, vor allem bezahlbare Wohnungen. Es rächt sich, dass sich Bund und Land viele Jahre aus der Förderung von Mietwohnungen zurückgezogen hatten; trotz dramatischer Appelle, unter anderem auch vom Städtetag, ist lange Zeit wenig, zu wenig passiert. Mich erreichen teilweise verzweifelte Briefe von Wohnungssuchenden, und sie lassen mich nicht unberührt. Ich halte den Wohnungsmangel besonders bei preiswerten Mieten für politischen Sprengstoff und bin mit dieser Sorge um den gesellschaftlichen Frieden nicht allein. Die Deutsche Presseagentur zitierte vor Kurzem den Kölner Kardinal Rainer Woelki, der sagte: „Wie soll denn ein Gemeinwesen funktionieren, wenn sich Durchschnittsverdiener wie eine Krankenschwester, wie der Mann von der Müllabfuhr, der Busfahrer oder der Polizist Wohnen nicht mehr leisten können?“ Wir haben in Reutlingen kein Mietpreisniveau wie in Köln, München oder Stuttgart, aber wir spüren den Mangel, der sich zudem auf die Suche nach Fachkräften auswirkt.

Deutschland ist eine reiche Nation, in ganz Europa sind wir das Land, das am besten durch die Krisen der letzten Jahre gekommen ist, teilweise sogar Nutznießer war.
Die Wirtschaft brummt, den meisten von uns geht es gut, manchen sehr gut, zumindest wirtschaftlich. Doch genug ist offenbar nicht für alle genug. Knapp die Hälfte der Deutschen möchten in diesem Jahr mehr Geld verdienen. Sicher, wer möchte das nicht. Auf der anderen Seite geben rund 60 Prozent der Deutschen in Umfragen an, Stress abbauen und mehr Zeit mit der Familie verbringen zu wollen. Stress abbauen und mehr Geld verdienen, das sind zwei Wünsche, die nicht leicht zu vereinbaren sein werden.

Bei allem Wohlstand, und erst recht bei wachsendem Wohlstand, dürfen wir jene nicht vergessen und nicht alleine lassen, die im Schatten stehen und nicht wissen, wie sie über die Runden kommen. Ich habe erneut mit Besorgnis an Heilig Abend die große Besucherzahl an der Weihnachtsfeier von Arbeiterwohlfahrt und Arbeitskreis Obdachlose wahrgenommen, ebenso wie dass anscheinend immer mehr Rentnerinnen und Rentner bei den Tafeln wegen Lebensmitteln nachfragen. Altersarmut ist noch keine Massenerscheinung in Deutschland, aber ein „sichtbares Warnzeichen“, wie die Südwestpresse unlängst titelte.

Der Freiburger Bundesligatrainer Christian Streich hat vor einigen Monaten eine Einschätzung zum Thema Leistungsgesellschaft und Solidarität formuliert, die ich zitieren möchte: „Das Bewusstsein, dass Ausgleich und Solidarität dieses Land nach dem Krieg 60, 70 Jahre starkgemacht haben, dass es im Interesse aller ist, wenn der Starke dem Schwachen etwas abgibt, das wird gerade über Bord geworfen. Es geht da gar nicht mehr um die Frage links oder rechts, sondern um die Frage, ob Demokratie und Partizipation weiter möglich sind, oder ob Geld endgültig ein Wert an sich wird. Dabei gibt es ja so viel Solidarität von so vielen Leuten, die sich aus Überzeugung und Freude für Schwächere einsetzen.“
Soweit Christian Streich, der jetzt vom „Kicker“ zum Mann des Jahres gewählt wurde; vielleicht, weil er nicht nur vom Fußball etwas versteht.

Ich bin froh, dass wir in Reutlingen, kontinuierlich übers ganze Jahr wie durch die Reutlinger Tafel oder zeitlich befristet wie bei der demnächst wieder beginnenden Vesperkirche, ein überaus großes Engagement vieler hauptamtlicher und ehrenamtlicher Kräfte haben, die solidarisch Hilfe und Unterstützung anbieten. Überhaupt haben wir in Reutlingen das große Glück so vieler engagierter Menschen, die sich in ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen für das Wohl und Wehe ihrer Mitmenschen und das Wohl der Stadt einsetzen. Wir werden nachher einige bei der Verleihung der Verdienstmedaille der Stadt Reutlingen kennenlernen. Ich möchte mich an dieser Stelle sehr herzlich bei allen ehrenamtlichen Kräften bedanken, die sich in den Dienst einer guten Sache stellen. 

Wir können in Reutlingen zuversichtlich in das neue Jahr schauen, ich bin sicher, es wird uns keine Minute langweilig. In zwei Wochen steht gleich ein Höhepunkt an. Allen Unkenrufen zum Trotz wird der Theaterneubau pünktlich am 19. Januar eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben, die da heißt: Kein Theater machen, sondern Theater spielen! Sie wissen, es gab im vergangenen Jahr einige Aufreger, zu denen auch die gestiegenen Kosten des Theaters gehörten – und  dann noch die Schnurbäume im Bürgerpark. Sie erinnern sich sicher und vielleicht hat sich der eine oder andere darüber geärgert, wie ich übrigens auch, wenn etwas schief läuft. Aber ein Skandal, wie manchmal zu hören oder zu lesen war, sind solche Dinge nicht.  Alles hat sich inzwischen beruhigt: Der Theatervorhang geht auf, die Knospen der Bäume auch – allerdings erst im Frühjahr, wofür die Stadt nicht verantwortlich ist. Unterm Strich lässt sich die Empfehlung ableiten, bei manchem Vorgang eine größere Gelassenheit zu zeigen und nicht immer gleich den Weltuntergang oder zumindest den Untergang Reutlingens zu befürchten. In der ZEIT habe ich dieser Tage eine Schlagzeile für Pessimisten gelesen: „Hiob, lass gut sein!“

Bei allem, was noch besser werden kann, freuen wir uns also an dem, was wir haben. Wir haben die Möglichkeit zu gestalten, unser Leben in die Hand zu nehmen, Verantwortung zu übernehmen und das wollen wir auch in diesem Jahr tun. Wie in den Vorjahren legen wir nach der Weihnachtspause mit Vollgas los. Wenn das dann endlich mit dem Stadtkreis klappt und die Stuttgarter in die Puschen kommen, dann legen wir noch eine Schippe drauf. Es gibt viel zu tun, wir lassen es nicht liegen. Das gilt auch für die Verbesserung der Darstellung Reutlingens nach innen und außen. Was macht unsere Stadt heute aus – und was schätzen die Menschen an Reutlingen? Das sind einige der Fragen, auf die wir in den nächsten Monaten Antworten finden wollen. 
Eine Stadt muss Marketing betreiben; hierüber, so nehme ich an, besteht Konsens. Dann muss aber konsequenterweise auch gesagt werden, was denn genau beworben sein will. Dazu fragen wir niemand von außerhalb, sondern gezielt die Reutlinger Bevölkerung und jene, die mit Reutlingen zu tun haben. Wir möchten wissen, wo der Puls schlägt in dieser Stadt, wie Reutlingen von den Menschen wahrgenommen wird. Im Frühjahr wird, unterstützt durch eine Fachfirma, eine große Befragung starten, an der alle Menschen in der Stadt und in der Region teilnehmen können – bitte auch Sie.
Ich lade Sie schon heute herzlich ein zur Auftaktveranstaltung am übernächsten Dienstag, 16. Januar 2018, in dieser Halle, Beginn ist um 18:30 Uhr. Dieser Abend bietet neben Unterhaltung auch umfangreiche Informationen zu diesem Markenbildungsprozess, und damit eine gute Chance, eine auf Fakten basierende eigene Meinung zum Thema zu entwickeln. Wen noch keine Einladung erreicht hat, kann sich am Ausgang eine der roten Einladungskarten mitnehmen oder sich gleich anmelden. Der Eintritt für diesen informativen und unterhaltsamen Abend ist selbstverständlich frei. Sie dürfen auch gerne Freunde mitbringen. Zur besseren Planung bitten wir um Anmeldung.

Ich freue mich, Sie dann alle wieder zu sehen. Jetzt aber geht erst einmal der Bürgerempfang zum Auftakt des kommunalpolitischen Jahres musikalisch schmissig weiter. Es folgt die Degerschlachter Blasmusik unter der Leitung von Norbert Reiff. Die Kapelle gehört als Blasmusikorchester zu den Aushängeschildern unserer Stadt. Ich bin sicher, dass Sie von ihrem Vortrag und dem Sound genauso begeistert sein werden, wie ich es schon oft war. Das erste Stück unserer Blasmusiker lautet: "Highland Cathedral". Diese Melodie hat eine bewegte Geschichte: Sie war u.a. die Hymne der königlichen Polizei in Hongkong in der britischen Regierungszeit; Madonna wählte das Stück für ihre kirchliche Hochzeitszeremonie in Schottland aus und nun der Höhepunkt – Sie bemerken die dramaturgische Steigerung – :
Highland Cathedral in der Stadthalle Reutlingen!

Für unsere Welt wünsche ich mir, dass unseren Sorgen hinsichtlich der vielen Krisen und Kriege der Boden entzogen wird, jedenfalls teilweise. Über die Frage, wer denn nun den größeren roten Knopf hat, könnte man ob der pubertären Sichtweise vielleicht noch milde amüsiert hinwegsehen. Und man muss auch nicht alles, was bei Twitter oder anderen sozialen Netzwerken steht, ernst nehmen. Es bleibt aber das ungute Gefühl, dass an der Spitze der Staaten von Nordkorea und den USA, bei aller Unterschiedlichkeit der Systeme, Männer im Amt sind, deren Unberechenbarkeit und weltpolitische Blasiertheit sie einmal das Falsche tun lassen könnten.

Da sind mir die roten und andersfarbigen Rechtecke, die derzeit in der Ausstellung VOLL KONKRET in der Sammlung für Konkrete Kunst in Reutlingen zu sehen sind, wesentlich sympathischer. Ich habe die Fotografie dieser Arbeiten aus der Ausstellung für die Einladungskarte unseres heutigen Bürgerempfangs ausgewählt, weil ich mich freue, dass wir kürzlich, Dank auch großzügiger Schenkungen, dieses außerhalb Reutlingens weitaus bekanntere kulturelle Aushängeschild dauerhaft für unsere Stadt sichern konnten.

Mögen Reutlingen und die Welt 2018 verschont bleiben von Katastrophen jeglicher Art. Vor 75 Jahren ist der goldene Engel auf der Spitze der Marienkirche bei einem starken Erdbeben abgestürzt. Auch davor mögen der Engel und wir verschont bleiben. Ich lade Sie im Anschluss an den offiziellen Teil unseres Bürgerempfangs auch nicht wegen drohenden Hochwassers, sondern schlicht aus organisatorischen Gründen in das Obergeschoss unserer Stadthalle ein, wo man mit der Bewirtung auf Sie warten wird.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein frohes, gesundes und glückliches neues Jahr 2018.
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