Schwörtag am 15. Juli 2007

- Es gilt das gesprochene Wort -

Rede von Oberbürgermeisterin Barbara Bosch

 
Werte Bürgerschaft aus Reutlingen, sehr verehrte Gäste und Freunde unserer Stadt,

hier auf diesem Gelände lag der Schwörhof der Freien Reichsstadt Reutlingen, auf dem der neugewählte Senat der Bürgerschaft verkündet und auch der frischgewählte Bürgermeister vorgestellt wurde.
Geschworen wurde hin und her. Der Bürgermeister legte seinen Amtseid ab, die Bürger schworen auf die neue Stadtregierung.
Das alles früh morgens um 5 Uhr.
Auf diese Morgenstund’ haben wir heute verzichtet - bei aller Liebe zur Tradition.
Wir freuen uns jedoch, dass wie anno dazumal in der Reichsstadtzeit die Zünfte durch die Handwerkerschaft vertreten sind, heute mit Mut zur Farbe. Damals, so berichten Chronisten, waren die Zunftvertreter mit schwarzen Mänteln angetan. Dafür flattern heute wie damals die farbenprächtigen Zunftfahnen stramm im Wind.

Die Bürgerschaft war in der Freien Reichsstadt in Zünften organisiert. Sie waren die politische und wirtschaftliche Kraft der damaligen Zeit. Nur wer in Zünften organisiert war, durfte an den Wahlen teilnehmen. Man war stolz auf die zünftisch-demokratischen Traditionen und auf die Reutlinger Verfassung, zumal diese den Bürgern mehr Freiheiten und Gestaltungsmöglichkeiten zugestand als in anderen Reichsstädten. In Ulm und Esslingen z. B. hatten Patrizierfamilien gegenüber den Bürgern noch besondere Vorrechte. Als Reichsstadt hatte Reutlingen die Hoheitsrechte über ein eigenes Territorium, eigene Gerichtsbarkeit, Sitz und Stimme im Reichstag und war so im Grunde ein eigener Stadtstaat.

Der Schwörtag, die Verkündung der neu gewählten Senatsmitglieder, die Wahl der Bürgermeister und die Vereidigung auf das Wohl der Stadt, war das zentrale Ereignis im politischen und gesellschaftlichen Leben. Er war nicht einfach ein Wahltag, sondern ein Festtag; mit pompösem Aufmarsch, vielen Fahnen und Bräuchen. Die Bürgerschaft präsentierte sich nicht als Untertanen, sondern als „staatstragende“ Öffentlichkeit.
Der letzte Schwörtag, der in der Freien Reichsstadt 1802 gefeiert wurde, fand unter dem Eindruck der unausweichlichen Besitznahme durch Württemberg statt, nach Jahren hoher Kriegsbelastungen sowie nach sechs politischen Wahlen, die alle von Vorwürfen des Wahlbetrugs begleitet waren. Politische Streitereien um die Macht im Magistrat waren an der Tagesordnung und das Wahlzeremoniell am Schwörtag 1802 wurde zum Schauplatz von Beschimpfungen, Prügeleien und Wahlanfechtungen.

Ich gehe doch sehr von Ihrer Zustimmung aus, dass wir diesem Beispiel vom Ende der Reichsstadtzeit heute nicht folgen wollen und uns an den vorausgegangenen Jahrhunderten orientieren. Früher musste übrigens bei Nichterscheinen vom Bürger Strafe gezahlt werden. Heute sind Sie alle freiwillig hier, voll Bürgerstolz über unseren Festtag.

Wir haben uns erstmals 2005 entschieden, wieder hier, am historischen Ort, die Schwörtagstradition aufzugreifen. Es gilt weiter die Zielsetzung, Tradition und moderne Elemente zusammenzuführen. Behutsam haben wir mit dem Kernprogramm am Sonntag begonnen und damals bereits angekündigt, dieses Schritt für Schritt auszubauen. Dieses Jahr sind wird erstmals mit dem Rahmenprogramm in die ehemalige Schwörwoche vorgedrungen, mit einer entsprechenden Stadtführung als Einstieg am vergangenen Sonntag und einem Vortrag vorgestern Abend im Rathaus, in Zusammenarbeit mit dem Reutlinger Geschichtsverein. Schon das ganze Wochenende also sind wir im „Schwörtagsfieber“.

Sehr positiv zu bewerten ist, dass wieder Kinder und Jugendliche beim Schwörtagsprogramm mitwirken, in Schulchören, Orchester und Bands, Volkstanz- und Theatergruppen. Erstmals steht das KuRT-Festival im Rahmen der Jugendkulturtage auf dem Bruderhausgelände unter dem Titel „Jugend schwört“ und stellt damit den Bezug zur Tradition her.

Besonders freue ich mich, dass auch in diesem Jahr junge Gäste aus unseren Partnerstädten teilnehmen und das Programm bereichern. Unsere Freunde aus den fünf europäischen und internationalen Städten haben gemeinsam mit unseren Reutlinger Schülern gestern Abend mit einer „Trommlerperformance“ unter Beweis gestellt, dass Musik grenzüberschreitend ist und Nationen und Generationen verbindet.

Passend zur damaligen herausragenden Stellung der Zünfte findet am Wochenende ein mittelalterlicher Zunftmarkt rund um das Reutlinger Heimatmuseum statt, mit Vorführungen alter Handwerkstechniken und künstlerischem Rahmenprogramm. Versäumen Sie nicht einen Besuch dort.

Beim Vorabendprogramm gestern hier beim Friedrich-List-Gymnasium fand ein Spektakulum ganz anderer Art statt. Die Stadtkapelle und das Jugendblasorchester der Musikschule Reutlingen, die interfraktionelle Reutlinger Gemeinderatsrockband und die Kultband „Wirtschaftswunder“ haben hier auf dem Platz der Stimmung mächtig eingeheizt.

Sie sehen, wir lassen uns immer wieder etwas Besonderes einfallen, um den Schwörtag in einer guten Mischung aus Tradition und Moderne zu halten.
„Tradition pflegen heißt nicht, Asche aufbewahren, sondern Glut am Glühen halten“.
Dieser Erkenntnis des Franzosen Jean Jaurès kann man nur zustimmen.
Wir versuchen den Reutlinger Schwörtag zu einem denkwürdigen Tag zu machen.
Friedrich List, der Namensgeber unseres Gymnasiums, auf dessen Schulhof wir uns befinden, erlebte als Kind Ende des 18. Jahrhunderts die letzten Schwörtage noch mit und war von ihnen positiv beeindruckt. Er war übrigens Schüler der Lateinschule, der Vorgängerin des heutigen Gymnasiums. Allen heutigen Schülerinnen und Schülern, die jetzt am Ende des Schuljahrs mit Bangen ihrem Zeugnis entgegen sehen, sei zum Trost gesagt, dass List kein besonders guter Schüler war und mit 13 Jahren die Schule verlassen musste. Vorsichtig ausgedrückt war die damalige Schule in ihrer Art, Bildung zu vermitteln, nicht die den Neigungen des jungen List angemessene Schule.

Aber heute ist das ja alles ganz anders, heißt: alles viel besser. Geändert hat sich beispielsweise, dass auf dem Schulhof kein Vieh mehr gehalten wird. Das kam im 17. Jahrhundert schon mal vor, sehr zum Ärger der Obrigkeit, weil die Lehrer wenig verdienten, die Besoldung so schlecht war, dass ein Lehrer sich etwas dazu verdienen musste, um über die Runden zu kommen. Heute muss kein Lehrer mehr Vieh auf dem Schulhof halten. Er muss höchstens auf seine Schäfchen aufpassen.

Die Räte unserer Reichsstadtzeit hatten viel mit der Lehrerschaft zu tun. Sie formulierten Mitte des 17. Jahrhunderts klare pädagogische Erwartungen an die Lehrerschaft. So sollten die Lehrer die „edle Zeit nicht mit Geschwätz, Spazierengehen und Zeitungen, sondern mit Lehren und Unterrichten“ zubringen.
Sie sehen, dass sich der Rat der Stadt Reutlingen schon in der reichsstädtischen Zeit tiefe und bedeutende Gedanken gemacht hat.
Von einem guten Schüler erwartete der Reutlinger Rat, dass er sauber angezogen ist, fleißig betet und lernt und gehorcht. Von Übel seien „Fluchen und Schreien“, das „Baden im kalten Wasser zur Sommerszeit“ und das „Werfen von Schneebällen“ im Winter. Eventuelle Jungfraubesuche der städtischen Stipendiaten wurden ebenfalls strengstens missbilligt.

Wie gut, dass wir uns darum heute seitens der Stadtverwaltung nicht mehr kümmern müssen, obwohl uns das Wohl und Wehe unserer Kinder und Jugendlichen besonders am Herzen liegt. Deswegen geben wir den größten Zuschussposten im städtischen Haushalt für Kinder und Jugendliche aus und tun viel dafür, eine familienfreundliche Stadt zu sein. Uns ist an einer guten Betreuung der Kinder gelegen, die möglich macht, dass Familie und Beruf vereinbar sind. Eltern können sich darauf verlassen, dass ihre Kinder in den Kindergärten, Horten, Krippen und Kinderhäusern gut und liebevoll versorgt sind. Das städtische Angebot der Kinderbetreuung kann sich auch im Landesvergleich sehen lassen und liegt an der Spitze. Bei der Kleinkindbetreuung liegen wir sogar deutlich besser als sowohl der Landes- wie der Bundesdurchschnitt. Wir werden uns auf den Lorbeeren nicht ausruhen, sondern weiter investieren und unsere Angebote ausbauen.
Inzwischen können auch über 80 Prozent unserer Schulen in Reutlingen Angebote zur Ganztagesbetreuung unterbreiten. Im Rahmen des IZBB-Programms haben wir 16 Schulen erweitert, umgebaut und modernisiert. Moderne Schulküchen, helle, freundliche Mensen sind entstanden, wie im ehemaligen Hausmeisterhäusle an dieser Schule, ebenso Werkstätten, Medienräume und attraktive Schulhöfe.

Diese Investitionen kommen nicht nur den Kindern und ihren Familien zugute, sondern wirken auch segensreich für die heimische Wirtschaft. 163 Firmen und Handwerksbetriebe der Region sind beim Ausbau der Ganztagesbetreuung zum Zuge gekommen und haben gezeigt, welche Qualität in ihnen steckt. Übrigens auch in den beteiligten städtischen Ämtern und den Schulen. Allen Beteiligten gilt mein Dank, auch und besonders den Fördervereinen in den Schulen, die eine Menge Arbeit stemmen und das so hervorragend machen, dass das Reutlinger Modell im ganzen Land Anerkennung findet.

Schon beim Schwörtag im letzten Jahr habe ich Ihnen von den enormen Investitionen berichtet, mit denen wir uns in Reutlingen gemeinsam für die Zukunft rüsten. Seither sind wir wieder ein Stück vorangekommen. Wir sind bei den Vorhaben im Plan - Beispiel Stadthalle. Die städtebauliche Idee des ersten Preisträgers aus dem abgeschlossenen Wettbewerb, die Stadthalle in einen Bürgerpark zu integrieren, schafft die richtige Balance für Reutlingen und ist die Lösung, die zur Großstadt Reutlingen passt. Der Gemeinderat hat mit überwältigender Mehrheit dieser Leitidee zugestimmt.
Wir werden weiter mit Hochdruck an der Realisierung unserer Stadthalle arbeiten.
Ich weiß aus vielen Gesprächen und auch aus den zahlreichen Rückmeldungen aus der Bürgerschaft beim Ideenwettbewerb, dass die Reutlinger darauf warten, endlich konkrete Vorstellungen und Pläne vorgelegt zu bekommen, die sie diskutieren können.
Wir wollen mit dem Gemeinderat in der kommenden Woche die Weichen stellen.
So soll ein Realisierungswettbewerb auf den Weg gebracht werden. In diesem Wettbewerb sind Architekten aufgefordert, Ideen zur Stadthalle zu entwickeln und Vorschläge für die konkrete Umsetzung ihrer Entwürfe zu machen.
Kurz gesagt geht es darum, wie die Stadthalle künftig aussehen soll, welche Architektur sie hat und wie die Räume im Innern gestaltet werden müssen, damit sie konzerttauglich sind und auch die sonstigen Anforderungen an eine „Halle für alle“ erfüllen.
Wir wollen diese nächsten Schritte ohne Zögern einleiten, weil wir uns davon auch Antworten auf die Fragen der Bürgerschaft versprechen. Über 3000 Bürger unserer Stadt haben sich in einer beispielhaften Öffentlichkeitsbeteiligung mit den Ergebnissen des Ideenwettbewerbs beschäftigt und auseinandergesetzt. Alle Äußerungen aus der Bürgerschaft wurden dokumentiert und an den Gemeinderat weitergeleitet. Sie werden darüber hinaus an die Teilnehmer des Realisierungswettbewerbs weitergegeben. Nicht alle Anregungen können umgesetzt werden, aber alle Äußerungen werden geprüft und bewertet, keine geht verloren. Wir werden auch in Zukunft die Öffentlichkeitsbeteiligung in bewährter Weise fortsetzen und die Bürgerschaft über den aktuellen Stand der Dinge auf dem Laufenden halten und sie umfassend informieren und einbeziehen.

Öffentlichkeitsbeteiligung wird auch bei der Gestaltung des Bürgerparks eine wichtige Rolle spielen. Wir wollen dem Gemeinderat am Dienstag vorschlagen, das Vergabeverfahren einzuleiten, um einen geeigneten Landschaftsarchitekten zu finden, der uns Entwürfe für die Parkgestaltung macht und wichtige Fragen klärt, wie zum Beispiel:
Welche Bäume sollen es sein, in welchem Abstand stehen sie, wie wollen wir das Echazufer gestalten, wie die Open-Air-Fläche, wie wollen wir den Park an die Altstadt und die anderen Stadtquartiere anbinden? Diese Fragen sind unabhängig von der Architektur der Stadthalle. Sie können deswegen auch unabhängig davon diskutiert und beantwortet werden. Ja, sie müssen es sogar. Warum? Ganz einfache Antwort: Wenn 2011 oder 2012 die Stadthalle steht und wir sie in Betrieb nehmen, dann soll auch der Park fertig sein, dann wollen wir nicht um Bagger herumkurven, über Erdhügel klettern oder in Pfützen landen. Außerdem wollen wir dem Wunsch vieler Bürger entsprechen und möglichst bald die Open-Air-Fläche bespielbar machen. Die Bürgerinnen und Bürger haben sich mit dem Bürgerentscheid klar dafür entschieden, mit den Planungen für die Stadthalle zu beginnen. Sie wollen sehen, dass es weitergeht.

Ein weiteres heißes Thema in der Stadt trägt drei Buchstaben: ECE - nicht zu verwechseln mit dem ICE, der leider nicht in unsere Stadt will, was wir gerne hätten. Ob wir ECE auch so gerne hätten, ist noch nicht raus. Darüber diskutieren wir in der Stadt und wir sollten das auch tun - in aller Ruhe und Gelassenheit.

Manche sind schon so aufgeregt, als ob Württemberger wieder die Freie Reichsstadt belagern würden. „Wie die Katze auf dem Vogelkäfig“, so empfanden damals die Reutlinger Räte, saßen die Württemberger auf der Burg über der Stadt. Nun, da sind wir doch froh, dass die ECE-Verantwortlichen aus dem flachen Hamburg kommen und unbewaffnet sind.
Nein, Spaß beiseite:
Bei diesem Thema brennt nichts an. Stadtverwaltung und Gemeinderat haben das Heft des Handelns in der Hand. Man hört ja oft, die Politik hinke den tatsächlichen Erfordernissen hinterher, sie reagiere nur und agiere nicht. Mag manchmal so sein, in diesem Fall aber gewiss nicht. Der Gemeinderat hat den Bebauungsplan City Nord, dazu gehört auch das Postgelände, schon vor geraumer Zeit auf den Weg gebracht und sich damit zum Herrn des Verfahrens gemacht. Nichts kann dort passieren ohne Zustimmung des Gemeinderates. So können wir in Ruhe klären, ob und gegebenenfalls wie viel Einzelhandel dort sein darf und welcher Einzelhandel, welches Angebot. Wir werden das prüfen im Interesse unserer Stadt. Wir wollen die Altstadt schützen, sie attraktiv erhalten und mehr noch: Wir wollen sie noch attraktiver machen. Deswegen werden wir auch keine Käseglocke über die Stadt stülpen, deswegen arbeiten wir an der Umsetzung des beschlossenen Altstadtrahmenplans. der auch die historische Bausubstanz berücksichtigt und Sanierungsmittel für private Eigentümer möglich macht. Es geht also nicht darum, Investoren hinzuhalten oder gar zu verprellen. Im Gegenteil: Wir freuen uns, dass Reutlingen für so interessant und lohnend gefunden wird, dass sich Investoren dafür interessieren. Aber es ist unser Pflicht, die Angebote aus gesamtstädtischer Sicht zu prüfen und zu klären, ob sie im Interesse Reutlingens sind. Das heißt: Wir klären zuerst, was Reutlingen braucht und dann verhandeln wir mit jenen, die dafür ein Angebot machen.
Das Ganze kann auch nicht unter dem schlichten Motto stehen: Kultur raus, Konsum rein.
Wenn uns die Ergebnisse des Gutachtens hierzu vorliegen, werden wir sie öffentlich vorstellen und diskutieren.

Sie sehen, alles ist auf einem guten Weg, wir sind im Fahrplan – und wenn keiner streikt, werden wir ihn auch einhalten.
Die Lokführer in der Stadtverwaltung werden übrigens ganz sicher nicht die Arbeit niederlegen – auch nicht kurzfristig.

„Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich“. Max Webers Definition von Politik ist nach wie vor aktuell. Es gäbe noch viele andere Projekte zu benennen, welche sich in Reutlingen derzeit in der Vorbereitung oder bereits Umsetzung befinden. Wichtig ist mir, dass wir über die großen Maßnahmen, die Schlagzeilen machen und öffentliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen, die vielen anderen Themen nicht vergessen, die zur Lebensqualität in unserem Reutlingen ebenso beitragen. Als ein Beispiel möchte ich das neue Orientierungssystem an unseren Stadtbussen und Haltestellen am ZOB nennen, welches das Busfahren für Menschen mit Behinderungen einfacher macht. Menschen mit Seh- und Leseschwäche haben Probleme, Busse ohne fremde Hilfe zu benutzen. Oft haben sie Schwierigkeiten, die richtige Haltestelle und den richtigen Bus zu finden. Dazu kommen oft Hemmungen, den Busfahrer oder andere Menschen um Hilfe zu bitten.
Die Stadt hat nun mit Behindertenverbänden Orientierungshilfen wie Piktogramme, Figuren und Farben entwickelt. Wer zum Beispiel ins Stadion fahren will, findet an der richtigen Haltestelle einen Fußball als Symbol. Der richtige Bus hat in seiner Anzeige ebenfalls einen Fußball.
Hilfe ohne Worte.
Nun können Menschen mit Behinderungen wieder alleine Bus fahren. Das ist ein Beitrag zu selbstbestimmten Leben.
Das ist wie vieles andere, was in der Stadt passiert, nicht spektakulär, aber wichtig für die, die es betrifft.

Vieles in unserer Stadt nimmt seinen normalen Gang, ohne großes Tamtam.
Das ist auch gut so. Nicht alles, was geschieht, braucht Schlagzeilen. Wir bleiben so oder so an den Themen d’ran.

So werde ich auch beim Schwörtag im nächsten Jahr wieder berichten können, was sich in unserer Stadt getan hat und noch tut.

Für heute heißt es allerdings erst einmal feiern. Mit traditionellem Fahnenflaigen durch Herrn Walker, mit den amtierenden Weltmeistern im Fahnenhochwerfen,
der Reutlinger Stadtkapelle, dem Liederkranz, der Stadtgarde und der Schützengilde, den Schulchören des Friedrich-List-Gymnasiums und vielen Akteuren mehr, denen ich allen sehr herzlich für die Mitwirkung danke.

Das Beste zu tun - das Gemeinwohl zu fördern, das war die edle Absicht derer, die einst beim Schwörtag ihren Eid ablegten. Ich bitte nun Tim Effenberger vom Chor des Friedrich-List-Gymnasiums, mir den historischen Schwörstab mit seinem Spruch zu reichen.

Ich spreche nun die Schwörformel meiner Vorgänger im Bürgermeisteramt aus der Freien Reichsstadtzeit nach:

„Meinem befohlenem Ambt mit Treue
und Fleiß, in aller Sorgfältigkeit vor zustehen,
der Statt, dem Land und ganzem Vatterland, jeder Zeith alle
treu und wahrheit zu leisten,
deren Nuzen und Frommen zu schaffen und zu fördern,
Nachtheil und Schaden zu warnen und zu wenden,
auch gegen Reich und Arme ohne unterschied der Persohnen
ein gleicher und unpartheyischer Ambtmann
zu seyn,
und innsgemein das Beste zu thun,
nach meinem besten Verständtnuß, ...“

Ich wünsche Ihnen ein schönes Schwörtagsfest 2007.
Nach oben