Auftaktveranstaltung "Auf dem Weg zur Marke Reutlingen"

- Es gilt das gesprochene Wort -


Begrüßung Oberbürgermeisterin Barbara Bosch


Liebe Bürgerinnen. liebe Bürger,
liebe Gäste, sehr geehrte Damen und Herren,
 
welch‘ furioser Auftakt mit Helge Thun und Dominik Kuhn. Letzterer übrigens ein waschechter Reutlinger; der andere, Helge Thun, ein gebürtiger Kieler, ist im Herzen ohnehin längst Reutlinger, das merken wir ja.
Mit unserer Veranstaltung heute Abend begeben wir uns auf den Weg zur Marke Reutlingen. Wir wollen Sie auf diesem Weg mitnehmen, Sie spielen als Menschen, die in Reutlingen und der Region leben, die wichtigste Rolle. Ich freue mich, dass so viele unserer Einladung zu dieser Auftaktveranstaltung gefolgt sind. Wir sind 730 Personen heute Abend in der Stadthalle.
Ich heiße Sie alle herzlich willkommen. Ihre Teilnahme zeigt, dass Ihr Interesse an Reutlingen groß ist. Was immer Sie auch über Reutlingen denken, wie Sie persönlich zu Reutlingen stehen, gleichgültig ist Ihnen diese Stadt nicht, sonst wären Sie nicht hier – und das ist gut so.
 
Warum machen wir uns überhaupt Gedanken über die Marke Reutlingen? Manche verstehen das nicht. Reutlingen sei eben, wie es ist. Aber wie ist Reutlingen denn? Freie Reichsstadt war Reutlingen einmal, das Ende ist aber schon ein paar Jährchen her, genau 216 Jahre. Auch wenn das Erbe dieser Zeit bedeutend ist, es taugt wenig zur zeitgemäßen Darstellung der Stadt nach innen und außen und es spielt in der Wahrnehmung der Bevölkerung im Jahre 2018 kaum eine Rolle. Aber gerade um die Wahrnehmung der Menschen geht es bei diesem Prozess der Markenbildung. Es zählt der subjektive Faktor. Es geht um das Bild, das sich die Menschen von Reutlingen machen, das sich in den Köpfen abbildet. Dieses Bild wollen wir herausfinden: Was denken die Menschen über Reutlingen? Für was steht diese Stadt?
 
Was erzählen Sie beispielsweise jemanden, der Reutlingen nicht kennt, über diese Stadt? Welches Profil Reutlingens, welches Image transportieren Sie?
Es soll Menschen geben, denen bei dieser Aufgabe nach einigem Nachdenken nur einfällt, dass Reutlingen die Stadt zwischen Metzingen und Tübingen ist. Andere erzählen die Geschichte von der Stadt der Millionäre. Das stimmt übrigens in seiner Absolutheit ebenso wenig wie, dass Tübingen die Stadt des Geistes ist. Oder die Reutlinger Millionäre leben so versteckt, dass niemand davon weiß. Der Spruch soll übrigens schon 100 Jahre alt sein. In der Stadt kommt jedenfalls von eventuellen Millionen nichts an, auch nicht vom Goldschatz der Bundesbank, die hier eine Filiale hat. Was also ist das Profil unserer Stadt? Es muss eines geben, denn Reutlingen gibt es wirklich. Es hat immerhin nicht den Ruf von Bielefeld, das es angeblich gar nicht geben soll. Zur Klarstellung: Das ist ein Gerücht. Bielefeld gibt es wirklich, spätestens seit dem auch dort durchgeführten Markenbildungsprozess. Nun im Ernst, zurück zu Reutlingen: Die Stadt wächst, die Menschen wohnen und leben gerne hier. Warum zieht jemand nach Reutlingen, warum wohnt und lebt er hier als Neubürger oder auch als Ur-Reutlinger. Warum kommt jemand gerne von außerhalb in diese Stadt? Das passiert doch freiwillig. Hoffe ich zumindest. Also muss Reutlingen etwas haben, was es attraktiv macht, was lebenswert ist, auch liebenswert, was die Stadt besonders macht, was es so woanders nicht gibt. Wie nehmen die Menschen Reutlingen wahr, was ist für sie das Besondere? Was verkörpert diese Stadt, wie tickt sie? Wir wollen das in den nächsten Wochen herausfinden, weil wir überzeugt sind, dass Reutlingen weitaus mehr Potenziale hat, als innerhalb und außerhalb unserer Stadt wahrgenommen wird.
Und dafür brauchen wir Sie alle, die hier im Saal sind, und die Bürgerschaft draußen. Sie sind die Experten, die wir hinzuziehen wollen. Deswegen steht eine große Bürgerbefragung ab März im Zentrum der Markenanalyse. Bevor wir diskutieren, natürlich auch mit den repräsentativen Vertreterinnen und Vertretern der Bürgerschaft, unserem Gemeinderat, wie wir die gewonnenen Erkenntnisse umsetzen, müssen wir solche Erkenntnisse erst gewinnen. Anders ausgedrückt: erst die Analyse, dann die Strategie. Ich habe einige Stimmen im Vorfeld dieser Veranstaltung gehört, die befürchten, dass der Stadt eine Marke aufgezwungen und ihr dabei jeder Freiraum genommen werde, eine eigene Identität und einen eigenen Charme zu entwickeln. Es sei absurd, wenn man ein Hamburger Unternehmen beauftrage, welches die Eigenschaften von Reutlingen herausfinden soll, wenn man diese selbst nicht mal erkennt. Diese Befürchtungen sind unbegründet. Nichts wird fremdbestimmt, kein Werbekonzept der Stadt von außen übergestülpt, keine Fassade blank poliert. Die Experten auf unserem Weg zur Marke Reutlingens sind die Reutlingerinnen und Reutlinger und die Menschen aus der Region. Sie kennen die Stadt am besten. Deswegen fragen wir Sie nach Ihrer Wahrnehmung. Wir bitten Sie ganz konkret ab März einen Fragebogen auszufüllen, der Aussagen über Reutlingen enthält, die übrigens von Reutlingerinnen und Reutlingern stammen. Diese Aussagen sollen Sie bitte bewerten, inwieweit Sie ihnen zustimmen oder nicht. Das ist eine Abstimmung, in der jede Stimme zählt und wichtig ist. Der gesamte Markenbildungsprozess ist unabhängig, neutral und objektiv. Es ist der Prozess einer ganzen Stadt und nicht der einzelner Akteure und Interessengruppen. Keine Aussage ist wichtiger als die andere. Wir Reutlingerinnen und Reutlinger bestimmen das Profil unserer Stadt, wir alle sagen, wie wir ihre Stadt sehen und was wir an ihr schätzen. Auf dem Weg zur Marke Reutlingen brauchen wir aber auch Unterstützung von Fachleuten für die wissenschaftliche Begleitung, für die richtige Methodik, für den sachgerechten Umgang bei der Datenerhebung sowie der Auswertung der Daten. Die Stadtverwaltung hat gründlich den Markt der Beratungsfirmen für diese Aufgabe studiert und bei Städten, die einen Markungsbildungsprozess durchlaufen haben, nachgefragt und dabei auch die Referenzen überprüft. Es hat sich gezeigt, dass es nur wenige Beratungsfirmen gibt, die eine auf breiter Basis angelegte Markenanalyse anbieten und begleiten können. Wesentlichstes Auswahlkriterium war, dass die angebotene Methodik eine umfassende Beteiligung und Einbeziehung der Reutlinger Bürgerschaft garantiert.
 
Die Markenberatung Brandmeyer erfüllt diese Vorgaben, so dass wir frohen Mutes und großer Zuversicht auf diesen Weg zur Marke Reutlingen aufbrechen. Mehr Informationen und Erklärungen, wie das genau geschehen soll, wird Ihnen der Gesellschafter der Firma Brandmeyer, Herr Peter Pirck liefern, der gleich zu uns sprechen wird. Die Firma hat ihren Sitz in Hamburg, was manche in Reutlingen zu der Frage veranlasst, was denn Hamburger in Reutlingen zu suchen haben.
Ach du liebe Zeit! In unserer Stadt leben so viele Menschen unterschiedlicher Herkunft, ich bin absolut sicher, wir vertragen auch ein paar Hamburger – nicht nur bei McDonald‘s.
Am heutigen Auftaktabend werden viele Themen angesprochen, die Sie interessieren, aber einige Fragen werden erst im Laufe der nächsten Monate beantwortet werden können. Ein solcher Markenbildungsprozess wird auch nicht die „eierlegende Wollmilchsau“ hervor bringen können. Das heißt, dass nicht alle Themen und Fragestellungen in einen solchen Prozess integriert werden können und sich auf dem Weg dahin erledigen lassen. Es bleiben viele Aufgaben für die Kommunalpolitik und die Stadtgesellschaft übrig. Uns braucht’s alle also auch danach noch.
 
Aber jetzt, heute Abend, geht es vorrangig um die Marke Reutlingen. Wir sind auf der ersten Etappe des Weges, bei der Bestandsaufnahme, bei der Analyse. Ich hoffe, Sie sind mit mir neugierig, was die Analyse ergibt. Wir rechnen mit einem Ergebnis im Sommer. Selbstverständlich werden wir die Ergebnisse der Markenanalyse öffentlich machen. Ich habe in den letzten Wochen, wie erwähnt, einige skeptische Stimmen gehört, aber noch mehr Zustimmung erfahren. Nicht zuletzt haben sich vor einigen Monaten Reutlingerinnen und Reutlinger zusammengetan, um als „Köpfe für Reutlingen“ die Wahrnehmung der Stadt zu verbessern.
 
Ich setze voraus, dass wir alle, in welcher Funktion auch immer, das Beste für Reutlingen wollen, gerne in dieser Stadt leben und auch Botschafter dieser Stadt sein wollen. Kritik bleibt selbstverständlich unverzichtbar, weil das Bessere immer der Feind des Guten ist. Wir sollten nur aufpassen, dass das „Biotop der Bruddler“, diese Bezeichnung war kürzlich in Facebook zu lesen, in Reutlingen nicht zu groß wird. Reutlingen hat viele Vorzüge, wir sollten sie selbstbewusst herausstellen, und ja, auch damit werben. Nach innen und nach außen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass manche Leute Marketing für etwas Anrüchiges halten. Stadtmarketing sei so etwas wie auf Hochglanz polierte Lügen oder substanzlose Angeberei. Nichts tun geht aber nicht, und hätte auch seine Wirkung, allerdings eine negative. Bei aller Bescheidenheit, die wir in Reutlingen an den Tag legen, wir haben etwas zu bieten und wir müssen das auch, weil die Stadt im Wettbewerb mit anderen Städten bestehen muss. Insofern ist schon der Prozess, sich mit den Stärken Reutlingens zu befassen und sie in den Mittelpunkt des Bemühens zu stellen, ein Gewinn für uns und unsere Stadt.
 
Bevor ich nun das Wort weitergebe, möchte ich mich noch einmal bei Ihnen für Ihr Kommen und vorab für Ihr Mittun bedanken. Ich freue mich, dass Helge Thun sich sofort bereit erklärt hat, die Moderation des Abends zu übernehmen. Bernd Kohlhepp und Uli Böttcher werden nachher Reutlingen in die Wundertüte ihrer  Improvisations-Show verpacken. Herzlichen Dank auch an Dominik Kuhn, der uns zur Eröffnung die schwäbische Talkrunde mit der Bundeskanzlerin beschert hat. Ich finde es richtig, dass sich auch Frau Merkel, nachdem die Sondierungsgespräche zur GroKo beendet sind, den wichtigen Themen der Großstadt Reutlingen widmet.
 
Ich wünsche nun uns allen einen anregenden, informativen und unterhaltsamen Abend. Nach dem Programm hier im Saal sehen wir uns hoffentlich im Foyer der Stadthalle im 1. OG bei guten Gesprächen und einem kleinen Imbiss. Dort werden Sie auch mich finden, zusammen mit dem Rathaus-Markenteam und Vertretern der Firma Brandmeyer.
Ich lade Sie jetzt schon dazu ein und freue mich darauf!
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