Einbringung des Doppelhaushaltes 2011/2012

- Es gilt das gesprochene Wort -

Rede Oberbürgermeisterin Barbara Bosch


Ein­brin­gung des Haus­halts­ent­wurf 2011 / 2012 in der Ge­mein­de­rats­sit­zung am 16. De­zem­ber 2010

Sehr ge­ehr­te Damen und Her­ren,

„Euer Herz er­schre­cke nicht!“ (Joh. 14,1)

Die Jah­res­lo­sung 2010 der christ­li­chen Kir­chen hätte in die­sem Jahr nicht tref­fen­der aus­fal­len kön­nen. Der Zu­spruch war, lässt man die Er­eig­nis­se und die fi­nan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen der Krise auch in Reut­lin­gen Revue pas­sie­ren, so nötig wie noch nie.

Der letz­te Dop­pel­haus­halt 2009/2010 wurde im Sep­tem­ber 2008 ein­ge­bracht. Das liegt ge­ra­de ein­mal gut zwei Jahre zu­rück. Aber diese bei­den Jahre hat­ten es wahr­lich in sich. Die welt­wei­te Finanz-​ und Wirt­schafts­kri­se führ­te in Deutsch­land zur tiefs­ten Re­zes­si­on der Nach­kriegs­zeit, wel­che be­son­ders die In­dus­trie ge­trof­fen hat. Der Staat muss­te in einem Um­fang ret­tend ein­grei­fen, wie sich dies Ver­tre­ter weder von Po­li­tik noch von Wirt­schaft zuvor hät­ten vor­stel­len kön­nen. Das Brut­to­in­lands­pro­dukt, die Wirt­schafts­leis­tung des Lan­des, brach im Ver­gleich zu 2008 um real 5 % ein. Be­son­ders die Steu­er­ein­nah­men aller Ge­biets­kör­per­schaf­ten, also von Bund, Län­dern und Kom­mu­nen sowie der EU, gin­gen dra­ma­tisch zu­rück, wobei in Deutsch­land al­ler­dings ein er­heb­li­cher Teil auch durch zeit­gleich erst­mals ihre Wir­kung ent­fal­ten­de Steu­er­rechts­än­de­run­gen be­dingt war.

In die­sen zwei Jah­ren hat die Welt ge­lernt, dass in einer glo­ba­li­sier­ten Welt­wirt­schaft, in wel­cher in­ner­halb von Se­kun­den Milliarden-​Transaktionen durch­ge­führt wer­den, ein­zel­ne Per­so­nen über sol­che un­vor­stell­bar gro­ßen Fi­nanz­mit­tel ver­fü­gen, dass ganze Wirt­schafts­sys­te­me dabei in die Knie gehen kön­nen. Das Fi­nanz­ge­ba­ren, das die Krise aus­ge­löst hat, hat zu einem nach­hal­ti­gen Ver­trau­ens­ver­lust ge­führt, der sich auch in der lo­ka­len Po­li­tik nie­der­schlägt. Aus vir­tu­el­len und un­durch­sich­tig ver­floch­te­nen Fi­nanz­trans­ak­tio­nen konn­te eine ganz reale, welt­wei­te exis­tenz­be­dro­hen­de Wirt­schafts­kri­se wer­den. Die Wer­te­ver­nich­tung war ka­ta­stro­phal, und in vie­len Län­dern lei­den die Men­schen durch die hohe Ar­beits­lo­sig­keit immer noch an den Fol­gen die­ses ver­ant­wor­tungs­lo­sen Han­delns. Die Asi­en­kri­se 1998 und das Plat­zen der In­ter­net­bla­se an den Bör­sen nach 2000 waren nichts da­ge­gen. Da­mals be­ka­men die öf­fent­li­chen Haus­hal­te, so auch in Reut­lin­gen, mit zwei- bis drei­jäh­ri­ger Ver­zö­ge­rung die Fol­gen zu spü­ren. Wir star­te­ten dar­auf hin einen um­fang­rei­chen Haus­halts­kon­so­li­die­rungs­pro­zess, der alle Haus­hal­te seit­her ge­prägt hat. Nach dem Motto: „Läch­le, denn es könn­te schlim­mer kom­men.“ Wir lä­chel­ten und kon­so­li­dier­ten – und es kam schlim­mer. In der Zwi­schen­zeit konn­ten wir al­ler­dings seit An­fang 2006 wegen un­se­rer er­folg­rei­chen Spar­maß­nah­men und einer sich ver­bes­sern­den Wirt­schafts­la­ge den städ­ti­schen Schul­den­stand um 25 Mio. € ab­bau­en.

Im Sep­tem­ber 2008 dann die In­sol­venz der In­vest­ment­bank Leh­man Bro­thers, die eine Welt­kri­se aus­ge­löst hat. Reut­lin­gen mit sei­nen in­dus­tri­el­len Schwer­punk­ten im Ma­schi­nen­bau und in der Au­to­ma­ti­on hat die Aus­wir­kun­gen der glo­ba­len Krise be­son­ders stark zu spü­ren be­kom­men. Die Steu­er­ein­nah­men sack­ten in 2009 ab, wir muss­ten mit einer Haus­halts­sper­re re­agie­ren und Schul­den ma­chen – wie die meis­ten Städ­te. Doch es soll­te noch di­cker kom­men. Auf­grund der wei­te­ren dra­ma­ti­schen Ein­brü­che ver­lor der Haus­halt 2010 seine Ge­neh­mi­gungs­fä­hig­keit und muss­te in einem Nach­trag im Mai d. J. neu jus­tiert wer­den, wobei das Ge­wer­be­steu­er­soll auf einen Tief­stand fest­ge­setzt wurde. Er­freu­li­cher­wei­se zog die Kon­junk­tur in­zwi­schen wie­der an, so dass wir mit einem hö­he­ren Ab­schluss rech­nen kön­nen – aber immer noch weit unter dem Durch­schnitt in der Lang­zeit­be­trach­tung lie­gen wer­den.

Das welt­weit be­lä­chel­te, weil als an­ti­quiert gel­ten­de Mo­dell der so­zia­len Markt­wirt­schaft in Deutsch­land hat in der Krise seine Stär­ken be­wie­sen. In­stru­men­te wie die Kurz­ar­beit und das um­sich­ti­ge Ver­hal­ten von Wirt­schafts­füh­rern und Ge­werk­schaf­ten ver­hin­der­ten große Ent­las­sungs­wel­len. Dies hat die Un­ter­neh­men in den letz­ten Mo­na­ten in die Lage ver­setzt, wie­der mas­siv durch­zu­star­ten. Die Lek­ti­on, dass her­vor­ra­gend aus­ge­bil­de­te Ar­beit­neh­mer zum höchs­ten Gut un­se­rer hei­mi­schen Wirt­schaft ge­hö­ren, war an­ge­kom­men. Die Welt staunt über das neue deut­sche Wirt­schafts­wun­der und die Au­to­mo­bil­in­dus­trie ver­mel­de­te kürz­lich Zah­len, die an das Vor­kri­sen­jahr 2008 an­knüp­fen.

Reut­lin­gen hat trotz der Krise in den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren in­ves­tiert und damit sei­nen Teil zur Si­che­rung von Ar­beits­plät­zen bei­getra­gen – in die Stadt­ent­wick­lung, in den Sport, in Schu­len, in die Kul­tur und an­de­res mehr. Al­lein 14 Ein­zel­maß­nah­men be­fin­den sich, ge­för­dert durch das Kon­junk­tur­pro­gramm des Bun­des, in der en­er­ge­ti­schen Sa­nie­rung oder im Neu­bau, näm­lich 12 Schu­len, das Kinder-​ und Fa­mi­li­en­zen­trum im Rin­gel­bach und die Sa­nie­rung des Rats­ge­bäu­des, das wir mit der Sit­zung am Diens­tag wie­der in Be­trieb ge­nom­men haben.

Die po­si­ti­ven Si­gna­le aus der Wirt­schaft sind lei­der keine Ent­war­nung für die städ­ti­schen Fi­nan­zen, zu­min­dest nicht in den nächs­ten bei­den Jah­ren des Dop­pel­haus­hal­tes. Dies hat im we­sent­li­chen drei Grün­de. Zum einen kommt der Auf­schwung in der hei­mi­schen Wirt­schaft in Form von Steu­er­zah­lun­gen auf­grund der Fi­nan­zie­rungs­sys­te­ma­tik frü­hes­tens mit zwei­jäh­ri­ger Ver­zö­ge­rung bei uns an. Zum Zwei­ten darf nicht ver­ges­sen wer­den, dass über 40 % un­se­rer Ge­wer­be­steu­er­aus­fäl­le eben nicht kri­sen­be­dingt sind, son­dern ihre Ur­sa­che in Steu­er­rechts­än­de­run­gen haben, also in po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen, die be­son­ders zu Las­ten der Kom­mu­nen gehen. Die­ses Geld kommt nicht wie­der. Und zum Drit­ten kom­men auf die Kom­mu­nen er­heb­li­che Mehr­aus­ga­ben für neue Auf­ga­ben zu, über die an an­de­rer Stel­le ent­schie­den wird, für die wir aber die Zeche zah­len. Diese Ent­wick­lung be­ob­ach­ten wir seit vie­len Jah­ren. Die Ganz­tags­be­treu­ung an den Schu­len läuft in­zwi­schen an na­he­zu 1400 Schu­len in Baden-​Württemberg immer noch als Mo­dell­ver­such mit der Folge, dass die Kom­mu­nen dies fi­nan­zie­ren müs­sen. Die Lan­des­re­gie­rung wei­gert sich bis­lang, die­ses un­be­strit­te­ne und von den El­tern mehr­heit­lich ge­wünsch­te An­ge­bot in das Schul­ge­setz zu über­neh­men, weil das Land dann in der Pflicht wäre. Von der Fi­nan­zie­rung der Schul­so­zi­al­ar­beit hat es sich in­zwi­schen gänz­lich zu­rück ge­zo­gen. Der Land­kreis als zu­stän­di­ger Ju­gend­hil­fe­trä­ger fi­nan­ziert 40 % davon. Vor er­heb­li­che fi­nan­zi­el­le Her­aus­for­de­run­gen wer­den die Kom­mu­nen beim er­for­der­li­chen Aus­bau der Klein­kind­be­treu­ung ge­stellt. Sie sind nach dem baden-​württembergischen Kin­der­ta­ges­be­treu­ungs­ge­setz zum Aus­bau ver­pflich­tet, al­ler­dings ohne dass das Land einen Aus­gleich der fi­nan­zi­el­len Mehr­be­las­tun­gen vor­sieht. Das Land wei­gert sich, das in der Lan­des­ver­fas­sung ver­an­ker­te Kon­ne­xi­täts­prin­zip an­zu­wen­den, weil die er­wei­ter­te Ver­pflich­tung zur Klein­kind­be­treu­ung ehe­mals durch Bun­des­recht ver­an­lasst wor­den sei. Eine Auf­fas­sung, der die Kom­mu­na­len Lan­des­ver­bän­de ve­he­ment wi­der­spre­chen. Und die In­klu­si­on, also die ge­mein­sa­me Er­zie­hung und Teil­ha­be von be­hin­der­ten und nicht be­hin­der­ten Kin­dern in Kin­der­gär­ten und Schu­len, wird den Kom­mu­nen noch­mals gra­vie­ren­de fi­nan­zi­el­le Be­ein­träch­ti­gun­gen be­sche­ren.

Die Aus­ga­ben­sei­te wird, durch Leis­tungs­ge­set­ze be­dingt, also wei­ter­hin sehr dy­na­misch wach­sen, ohne dass die Kom­mu­nen daran etwas än­dern könn­ten. Es darf be­zwei­felt wer­den, ob der wirt­schaft­li­che Auf­schwung eine sol­che Kraft und Ste­tig­keit ge­winnt, um die not­wen­di­gen Fi­nanz­mit­tel hier­für dau­er­haft be­reit zu stel­len. Dies wird nur dann ge­lin­gen, wenn Bund und Land die Kom­mu­nen bei der Über­tra­gung neuer Auf­ga­ben auch mit der dafür not­wen­di­gen Fi­nanz­aus­stat­tung ver­se­hen. Die So­zi­al­aus­ga­ben der Städ­te stei­gen deut­lich stär­ker als die pro­gnos­ti­zier­ten Steu­er­ein­nah­men. Des­halb brau­chen die Städ­te drin­gend eine nach­hal­ti­ge Ent­las­tung hier­bei. Die An­kün­di­gung des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ters, die Kom­mu­nen mit 4 Mrd. € zu ent­las­ten, indem der Bund die Grund­si­che­rung im Alter voll­stän­dig über­nimmt, soll­te rasch ver­wirk­licht wer­den. Neue Be­las­tun­gen der Kom­mu­nen durch Bund und Län­der darf es ohne fi­nan­zi­el­len Aus­gleich künf­tig nicht mehr geben. Au­ßer­dem müs­sen die kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­de ver­läss­lich an der Ge­setz­ge­bung und an der Schät­zung der Kos­ten­fol­gen von Ge­set­zen be­tei­ligt wer­den. Diese For­de­rung ist nicht neu, aber in An­be­tracht der wach­sen­den Auf­ga­ben­fül­le dring­li­cher denn je. Steu­er­ge­schen­ke ver­bie­ten sich in die­ser Lage oh­ne­hin. Die Ver­schul­dung der Kom­mu­nen in Deutsch­land be­fin­det sich auf Re­kord­ni­veau. Wenn wir über Schul­den Kin­der­be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen fi­nan­zie­ren, dann bür­den wir genau jenen Ge­nera­tio­nen die fi­nan­zi­el­len Las­ten auf, für wel­che wir diese Ein­rich­tun­gen schaf­fen. Wenn sich an der bis­he­ri­gen Si­tua­ti­on, dass den Letz­ten die Hunde bei­ßen, und das sind wir Kom­mu­nen, nichts än­dert, wer­den auch blü­hen­de Städ­te wie Reut­lin­gen rui­nö­sen Zei­ten ent­ge­gen gehen. In an­de­ren Bun­des­län­dern kann die­ser Trend be­reits be­ob­ach­tet wer­den. Das wäre das Ende der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung, dem deut­schen Er­folgs­mo­dell in Eu­ro­pa.

Wir wer­den in Reut­lin­gen wei­ter­hin auf Sicht fah­ren müs­sen, kön­nen uns keine Son­der­wün­sche leis­ten. Wir haben in den zu­rück­lie­gen­den Jah­ren in einem gro­ßen Kraft­akt der Haus­halts­kon­so­li­die­rung viele Kür­zun­gen und Stel­len­strei­chun­gen vor­ge­nom­men, Mit­tel ein­ge­fro­ren und ge­wünsch­te Vor­ha­ben nicht ver­wirk­licht. Die Aus­wir­kun­gen der Finanz-​ und Wirt­schafts­kri­se tref­fen uns nun vor die­sem Hin­ter­grund be­son­ders. Vie­les, was in an­de­ren Städ­ten als ak­tu­el­le Kon­so­li­die­rungs­maß­nah­men er­grif­fen wird, haben wir in Reut­lin­gen längst hin­ter uns. Das macht es umso schwie­ri­ger. Ge­mein­de­rat und Stadt­ver­wal­tung haben sich den­noch die­ser Auf­ga­be früh­zei­tig und ver­ant­wor­tungs­be­wusst ge­stellt. Wis­send, dass wei­te­re Ein­spar­be­mü­hun­gen nicht mehr ohne wei­te­res zu er­rei­chen sein wer­den, haben wir uns in zwei Klau­sur­ta­gun­gen als Vor­be­rei­tung auf die­sen Dop­pel­haus­halt in­ten­siv mit Mög­lich­kei­ten aus­ein­an­der­ge­setzt, das Schiff der städ­ti­schen Fi­nan­zen zu steu­ern, ohne den kom­mu­nal­po­li­ti­schen Kurs zu ver­lie­ren. Diese Vor­ge­hens­wei­se ist ein Novum in Reut­lin­gen. Wir haben den Haus­halt im De­tail durch­ge­fors­tet, um­fang­rei­che Ma­te­ria­li­en ge­wälzt, Ana­ly­sen und Sze­na­ri­en dis­ku­tiert. Ich be­dan­ke mich auf­rich­tig bei den Mit­glie­dern des Ge­mein­de­rats für die in­ten­si­ve und of­fe­ne Dis­kus­si­on ohne Tabus, eben­so wie bei den Äm­tern in un­se­rem Haus, wel­che die auf­wen­di­ge Vor­ar­beit für diese Klau­su­ren en­ga­giert ge­leis­tet haben. Die­ses Jahr ist in die­ser Hin­sicht für uns alle ein be­son­ders ar­beits­in­ten­si­ves. Erst ein Nach­trags­haus­halt, dann zwei Klau­su­ren, dann nach einer ver­kürz­ten Vor­be­rei­tungs­zeit heute die Ein­brin­gung des Dop­pel­haus­halts, dem sich eine ge­straff­te Be­ra­tung im Ge­mein­de­rat und Ver­ab­schie­dung am 24. Fe­bru­ar an­schlie­ßen wird. Die No­vem­ber­steu­er­schät­zung spie­gelt das An­zie­hen der Kon­junk­tur wie­der. Das ret­ten­de Ufer ist aber noch längst nicht er­reicht, das Rie­sen­loch, die Fi­nan­zie­rungs­lü­cke, ist nur etwas klei­ner ge­wor­den – aber wei­ter­hin ein Loch. Das lässt sich am vor­lie­gen­den Haus­halts­ent­wurf für 2011 ab­le­sen. Wir müs­sen von un­se­rem Ver­mö­gen 3,8 Mio. € in den lau­fen­den Be­trieb ste­cken, leben als noch ein­mal von der Sub­stanz. Ab 2012 rech­nen wir mit einem bes­se­ren Er­geb­nis. Die Wende schaf­fen wir al­ler­dings nach Plan erst 2014. Des­halb gilt es, vor­läu­fig wei­ter­hin Maß zu hal­ten.

Mit dem Nach­trags­haus­halt haben wir die Brem­se be­tä­tigt, viele Pro­jek­te und Vor­ha­ben auf Eis ge­legt. Uns bleibt für den kom­men­den Dop­pel­haus­halt nichts an­de­res übrig, als vor­läu­fig bei die­ser Si­tua­ti­on zu blei­ben. Das be­deu­tet: Keine neuen Pro­jek­te, keine zu­sätz­li­chen Stel­len. Zu letz­te­rem gleich noch mehr. Der Haus­halt lebt auch vom Prin­zip Hoff­nung und ent­hält wei­ter­hin Ri­si­ken. Wir haben aber, so meine ich, ein Gleich­ge­wicht ge­fun­den zwi­schen Kür­zun­gen und In­ves­ti­tio­nen, um uns wie die Wirt­schafts­un­ter­neh­men in der Krise zu ver­hal­ten: Ohren an­le­gen, beim Steu­ern durch die Krise das Ziel nicht aus den Augen ver­lie­ren und keine wich­ti­gen Struk­tu­ren zer­schla­gen. Dabei wer­den wir die so­zia­le Ba­lan­ce ach­ten, wie unser Be­schluss im Ge­mein­de­rat zur Mit­tag­essens­ver­sor­gung am letz­ten Diens­tag un­ter­streicht.

Diese De­vi­se des Maß­hal­tens gilt zu­nächst ein­mal na­tür­lich vor allem auch ins Haus hin­ein. Nach den Jah­ren der fort­wäh­ren­den Kon­so­li­die­rung wur­den für die­sen Haus­halt viele be­rech­tig­te, zum Teil auch schon lange zu­rück­ge­stell­te Wün­sche zum Stel­len­aus­bau vor­ge­legt. Sie sind durch­weg im Auf­ga­ben­zu­wachs bei uns Kom­mu­nen be­grün­det, auf den ich mehr­fach an an­de­rer Stel­le schon hin­ge­wie­sen habe. Die Tal­soh­le, in der wir uns al­ler­dings noch be­fin­den, er­laubt es aus mei­ner Sicht nicht, in­ner­halb die­ses Dop­pel­haus­halts Stel­len­meh­run­gen vor­zu­se­hen. Alle Aus­bau­wün­sche sind des­halb zu­rück­ge­wie­sen wor­den. Mit zwei Aus­nah­men: der Fort­set­zung un­se­rer Reut­lin­ger Fa­mi­li­en­of­fen­si­ve mit 22,5 Stel­len für die Kin­der­be­treu­ung (bspw. geht das Kinder-​ und Fa­mi­li­en­zen­trum Rin­gel­bach bald in Be­trieb) und jene fünf Stel­len, die auf­grund von Ge­mein­de­rats­be­schlüs­sen bei Ver­gnü­gungs­steu­er, Kon­trol­len bei Waf­fen­be­sit­zern und zur Über­wa­chung der Park­raum­be­wirt­schaf­tung not­wen­dig wer­den, ein­schließ­lich einer Stel­le im En­er­gie­ma­nage­ment, weil ich mir davon Ein­spa­run­gen bei die­ser wich­ti­gen Auf­ga­be er­hof­fe.

Mehr geht nicht. Bei zu­sätz­li­chen Auf­ga­ben, wie die elek­tro­ni­sche Steu­er­ak­te oder der neue Per­so­nal­aus­weis, müs­sen sich die Ämter ohne zu­sätz­li­che per­so­nel­le oder fi­nan­zi­el­len Res­sour­cen be­hel­fen. Die drin­gend er­for­der­li­che Ver­stär­kung an vie­len Stel­len im Haus muss sich al­ler­dings im nächs­ten Haus­halt im Stel­len­plan ab­bil­den, das sind wir un­se­rer Mann­schaft schul­dig, der ich für ihre Ge­duld und ihr Mit­wir­ken in die­ser Frage dank­bar bin. Sie ist es, wel­che die Be­las­tun­gen aus die­ser Vor­ge­hens­wei­se trägt.

Die Dis­kus­sio­nen in un­se­ren Klau­su­ren mit dem Ge­mein­de­rat haben ge­zeigt, dass viele ver­meint­lich na­he­lie­gen­den Ideen in der Pra­xis daran schei­tern, dass die mög­li­chen Kür­zun­gen be­reits vor­ge­nom­men wur­den und wei­te­re Ein­schnit­te Sub­stanz­ver­lust be­deu­ten wür­den. Ein Bei­spiel. Wir haben 14 Aus­seg­nungs­hal­len im Stadt­ge­biet. Im Hin­blick auf un­se­re Be­völ­ke­rungs­grö­ße eine sehr gute Aus­stat­tung. Ei­ni­ge wer­den nur we­ni­ge Male im Jahr ge­nutzt, ver­ur­sa­chen aber das ganze Jahr Ge­bäu­de­un­ter­halts­kos­ten. Wir haben in der Klau­sur offen dis­ku­tiert, ob eine Re­du­zie­rung der Hal­len mög­lich ist. Schließ­lich wäre es nicht damit getan, ein­fach den Schlüs­sel herum zu dre­hen und die Hal­len dem Ver­fall zu über­las­sen. Eine an­de­re Nut­zung schei­det auf­grund der Ört­lich­keit aus. Er­geb­nis: Eine Schlie­ßung ist nur dann sinn­voll, wenn wir auch die Fried­hö­fe in der Zahl re­du­zie­ren. Kann dies der Be­völ­ke­rung in den Stadt­be­zir­ken zu­ge­mu­tet wer­den? Vor dem Hin­ter­grund der sich er­ho­len­den Kon­junk­tur mit der Aus­sicht auf mit­tel­fris­ti­ge Bes­se­rung? Eine Schlie­ßung wäre dau­er­haft und ir­rever­si­bel.

Wir haben uns ent­schie­den, jene Struk­tu­ren, die wir bis­lang trotz mehr­jäh­ri­ger Kon­so­li­die­rung be­grün­det er­hal­ten haben, in die­ser Lage nicht zu zer­schla­gen. Auch aus die­sem Grund kann im Ge­gen­zug die an­ge­zo­ge­ne Hand­brem­se, die den Nach­trags­haus­halt ge­prägt hat, noch nicht ge­lo­ckert wer­den.

Ich will bei­spiel­haft die Sa­nie­rung der Wil­helm­stra­ße nen­nen, wel­che wir erst in 2012 wie­der fort­set­zen wol­len. Für den Bür­ger­park, in wel­chen die Stadt­hal­le ein­ge­bet­tet sein soll, haben wir bis­lang nur das Entrée vor­ge­se­hen. Ei­ni­ge In­sti­tu­tio­nen, die wir mit Zu­schüs­sen un­ter­stüt­zen, müs­sen ihre Per­so­nal­kos­ten­stei­ge­run­gen im ei­ge­nen Bud­get auf­fan­gen bzw. durch Rück­la­gen­ent­nah­me fi­nan­zie­ren. Das Stadt­fest wird mit we­ni­ger Geld aus­kom­men müs­sen. Die auch auf­grund der Be­schluss­fas­sung des Ge­mein­de­ra­tes im Nach­trags­haus­halt er­neut ab­ge­senk­ten Pla­nungs­mit­tel für die Stadt­ent­wick­lung be­deu­ten für die Ar­beit un­se­rer Ämter eine er­heb­li­che Be­schwer­nis. Weil wir Reut­lin­gen für die Zu­kunft gut auf­stel­len wol­len, kommt noch mehr Ar­beit auf uns zu, bei der Ak­ti­vie­rung von Bau­lü­cken (In­nen­ent­wick­lung vor Au­ßen­ent­wick­lung), bei der Um­set­zung der Er­geb­nis­se des Empirica-​Gutachtens (mehr Wohn­raum für junge Fa­mi­li­en und von den Fir­men drin­gen­de ge­such­te qua­li­fi­zier­te Ar­beits­kräf­te), bei der Fort­füh­rung von Rah­men­plä­nen usw. Nicht un­ter­schätzt wer­den darf, wel­chen per­so­nel­len und fi­nan­zi­el­len Auf­wand un­se­re um­fang­rei­chen Be­tei­li­gungs­pro­zes­se ver­ur­sa­chen. Mit der selbst­ver­ständ­li­chen Be­tei­li­gung der Bür­ger­schaft bei vie­len Vor­ha­ben in un­se­rer Stadt sind wir bei­spiel­ge­bend in Baden-​Württemberg – und wol­len die­ses her­vor­ra­gen­de Ni­veau aus guten Grün­den hal­ten. Im Dop­pel­haus­halt er­war­ten wir, dass die Ämter dies über­wie­gend aus ihren Bord­mit­teln rea­li­sie­ren. Al­lein die Pla­nungs­mit­tel beim Stadt­pla­nungs­amt sind al­ler­dings ge­gen­über dem letz­ten Dop­pel­haus­halt um 40 % ge­kürzt wor­den. Auch hier wer­den wir nach­bes­sern müs­sen, so­bald die wirt­schaft­li­che Lage uns dies er­mög­licht. In den Stadt­be­zir­ken konn­te na­tur­ge­mäß nicht allen Wün­schen nach­ge­ge­ben wer­den. Den­noch stel­len wir ins­ge­samt den Reg­ler kei­nes­wegs auf Null, die Ent­wick­lung geht in der ge­sam­ten Stadt wei­ter.

In allen Stadt­be­zir­ken sind Maß­nah­men vor­ge­se­hen, wenn­gleich in un­ter­schied­li­cher Höhe. Dies hängt nicht nur mit der Größe des je­wei­li­gen Stadt­be­zirks, son­dern auch mit der Tat­sa­che zu­sam­men, dass in man­chen Stadt­be­zir­ken erst kürz­lich um­fang­rei­che Vor­ha­ben rea­li­siert wer­den konn­ten, wie der Umbau der Hof­schu­le in Al­ten­burg, die Ein­wei­hung des Kin­der­gar­tens in Rei­chen­eck und des Feu­er­wehr­hau­ses in Si­cken­hau­sen, die Neu­ge­stal­tung der Orts­mit­te in Mit­tel­stadt und Rom­mels­bach. Auf et­li­chen Spiel­plät­zen sind neue Spiel­ge­rä­te vor­ge­se­hen, ei­ni­ge Feu­er­wehr­ab­tei­lun­gen er­hal­ten eine bes­se­re Aus­stat­tung, Sport­plät­ze bei­spiels­wei­se in Bet­zin­gen, in Gön­nin­gen und in Rom­mels­bach sind be­rück­sich­tigt, die Turn- und Fest­hal­le in Son­del­fin­gen er­hält neue Stüh­le und der Stadt­be­zirk sei­nen heiß­ersehn­ten Bus­cup, für Orts­ent­wick­lungs­kon­zep­te sowie für die mit eh­ren­amt­li­chem En­ga­ge­ment ge­plan­ten Ver­bes­se­run­gen der je­wei­li­gen Orts­mit­te gibt es Haus­halts­an­sät­ze. Der Kin­der­gar­ten im Dir­nä­cker­weg in Oh­men­hau­sen ist eta­ti­siert, der Kin­der­gar­ten An der Halde in Son­del­fin­gen soll durch die GWG rea­li­siert wer­den.

Nicht nur die Stadt­be­zir­ke pro­fi­tie­ren von einem er­höh­ten Mit­tel­an­satz für die Er­neue­rung von Stra­ßen, Geh­we­gen und Brü­cken in Höhe von über 1,4 Mio. € in Verwaltungs-​ und Ver­mö­gens­haus­halt, damit die not­wen­di­gen Instandhaltungs-​ und Er­hal­tungs­maß­nah­men durch­ge­führt wer­den könne. Der Aus­bau der Klein­kind­be­treu­ung schlägt al­lein im Ver­mö­gens­haus­halt, also der bau­li­chen Seite, mit 2,4 Mio. € zu Buche. Ins­ge­samt ent­hält der Haus­halts­ent­wurf bis 2011/2012 Bau­in­ves­ti­tio­nen von knapp 65 Mio. €, ein­schließ­lich der Stadt­hal­le. Das sind Auf­trä­ge, die Ar­beits­plät­ze über­wie­gend in un­se­rer Re­gi­on si­chern.

Der Sport pro­fi­tiert von den Haus­halts­mit­teln für den be­reits im Bau be­find­li­chen Er­satz für die Carl-​Diem-Halle sowie Mit­teln für die wei­te­re Be­glei­tung der Um­set­zung des Sport­ent­wick­lungs­pla­nes, wenn auch in be­schei­de­nem Um­fang. Eine erste Kon­se­quenz hier­aus ist die ge­plan­te be­we­gungs­freund­li­che Um­ge­stal­tung von drei Schul­hö­fen. Die im Nach­trag 2010 ge­stri­che­ne Sa­nie­rung der Du­schen und Um­klei­den im Sport­park haben wir vor­ge­merkt. Für Si­cher­heit an Schu­len ist ein jähr­li­cher Be­trag vor­ge­se­hen, der Aus­bau der Schil­ler­schu­le zur Ganz­ta­ges­schu­le sowie der Aus­gleich von Ta­rif­stei­ge­run­gen in den Ju­gend­ein­rich­tun­gen sind be­rück­sich­tigt. Auch die vhs er­hält eine Be­stands­si­che­rung durch den Aus­gleich ihrer Tarif-​, Miet- und Ne­ben­kos­ten­stei­ge­run­gen. Der Jazz­club in der Mitte be­kommt einen Zu­schuss für das Lan­des­jazz­fes­ti­val an­läss­lich des 50-​jährigen Be­stehens in 2012. Der Kon­so­li­die­rungs­bei­trag von Sei­ten der Stadt­bi­blio­thek wird hof­fent­lich nach die­sem Haus­halt nicht mehr not­wen­dig sein. Für die drit­te Reut­lin­ger Kul­tur­nacht und das fünf­te Fes­ti­val Kul­tur vom Rande, bei­des in 2011, sind wie­der Zu­schüs­se ein­ge­stellt. Mit den Zu­schüs­sen an kul­tu­rel­le In­sti­tu­tio­nen si­chern wir unser hohes Ni­veau und deren Be­stand.

Auch den Kli­ma­schutz ver­lie­ren wir nicht aus den Augen. Mit­tels eines Pro­gramms für ef­fi­zi­en­te Stra­ßen­be­leuch­tung soll diese In­ves­ti­ti­on im Er­geb­nis zu einer Re­du­zie­rung der Strom­kos­ten und des CO₂-​Ausstoßes sor­gen. Den Bezug von Öko­strom für alle städ­ti­schen Ge­bäu­de, ein Al­lein­stel­lungs­merk­mal un­se­rer Stadt, set­zen wir trotz schwie­ri­ger Fi­nanz­la­ge fort. Und wir tun noch mehr: Wir haben bis 2014 ins­ge­samt 2 Mio. € ein­ge­stellt für En­er­gie­spar­maß­nah­men in städ­ti­schen Ge­bäu­den. Das ist ein kla­res Be­kennt­nis zu Umwelt-​ und Kli­ma­schutz, eine der ganz gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen des 21. Jahr­hun­derts. Weil wir uns trotz einer sehr guten Bi­lanz, die der Öf­fent­lich­keit kürz­lich vor­ge­stellt wer­den konn­te, nicht zu­rück­leh­nen wol­len, haben wir ein in­te­grier­tes Kli­ma­schutz­kon­zept in Auf­trag ge­ge­ben, um uns wei­te­re Ziele zu set­zen. Der BVUA hat heute die­ser Aus­schrei­bung zu­ge­stimmt.

Die aus Kos­ten­grün­den ab­ge­schaff­te Sonn­tags­rei­ni­gung in der In­nen­stadt soll, auf viel­fa­chen nach­voll­zieh­ba­ren Wunsch, in Tei­len wie­der ein­ge­führt wer­den.

Die größ­ten Zu­schüs­se im Ver­wal­tungs­haus­halt flie­ßen wei­ter­hin in die Kin­der­be­treu­ung, deren Aus­bau immer hö­he­re Aus­ga­ben nach sich zieht. Diese Prio­ri­tä­ten­set­zung wird bei­be­hal­ten und er­fährt da­durch auch in die­sem Haus­halts­ent­wurf eine hohe Kon­ti­nui­tät. Die kürz­lich dem Ge­mein­de­rat vor­ge­stell­te Be­darfs­pla­nung hat auf­ge­zeigt, wie wir den be­reits er­reich­ten hohen Aus­bau­stand noch wei­ter ver­bes­sern kön­nen, um die für 2013 ge­setz­ten Ziel­mar­ge zu er­rei­chen. Über 350.000 zu­sätz­li­cher Mit­tel in bei­den Haus­halts­jah­ren an den Ta­ges­müt­ter­ver­ein sol­len zu­sätz­lich An­rei­ze schaf­fen, um das An­ge­bot der Ta­ges­müt­ter als wich­ti­ge Säule in der Be­treu­ung noch fle­xi­bler aus­bau­en zu kön­nen. Wir haben uns vor­ge­nom­men, die Be­darfs­de­ckung für Klein­kind­be­treu­ung Ende 2012 auf 34 % und bei der Ganz­ta­ges­be­treu­ung auf 20 % zu stei­gern. Bil­dung und Schu­len blei­ben auf Platz 2 un­se­rer Prio­ri­tä­ten­lis­te.

Eine struk­tu­rel­le Neu­aus­rich­tung er­hält die­ser Haus­halts­ent­wurf durch den Ein­stieg der städ­ti­schen Woh­nungs­ge­sell­schaft GWG in das Quar­tiers­ma­nage­ment. Wir dis­ku­tie­ren der­zeit in den Gre­mi­en der GWG und der Woh­nungs­ge­nos­sen­schaft über ein ver­stärk­tes Dienst­leis­tungs­an­ge­bot in den Wohn­quar­tie­ren durch z. B. Be­ra­tungs­an­ge­bo­te für Äl­te­re, Be­geg­nungs­mög­lich­kei­ten, Kin­der­be­treu­ung und Ge­stal­tung des Um­fel­des. Der Ge­sell­schafts­ver­trag der GWG lässt ein sol­ches En­ga­ge­ment schon lange zu. Bis­lang lag der Schwer­punkt je­doch bei der Be­reit­stel­lung von so­zi­al­ver­träg­li­chem Wohn­raum. Dies soll nun durch eine zeit­ge­mä­ße Er­wei­te­rung des An­ge­bots­spek­trums er­gänzt werde, wie dies in an­de­ren Städ­ten be­reits prak­ti­ziert wird. Durch eine en­ge­re Ver­zah­nung im Wohn­quar­tier er­war­ten wir eine qua­li­ta­ti­ve Ver­bes­se­rung für die Be­woh­ner. Gleich­zei­tig ent­las­tet die Über­nah­me von bei­spiels­wei­se Kin­der­be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen den städ­ti­schen Haus­halt.

Im Nach­trags­haus­halt haben wir im Mai die­sen Jah­res die aus mei­ner Sicht längst über­fäl­li­ge An­pas­sung des Ge­wer­be­steu­er­he­be­sat­zes und die An­he­bung des Grund­steu­er­he­be­sat­zes be­schlos­sen. Letz­te­res, um die In­ves­ti­tio­nen in die In­fra­struk­tur auf alle Schul­tern zu ver­tei­len. Dass wir uns diese Ent­schei­dung nicht leicht ge­macht haben, das be­le­gen die da­ma­li­gen kon­tro­ver­sen Dis­kus­sio­nen. Ein ent­schei­den­des Ar­gu­ment war, das für eine groß­städ­ti­sche In­fra­struk­tur eben auch groß­städ­ti­sche Prei­se ge­zahlt wer­den müs­sen. Wir wis­sen al­ler­dings auch um die Be­las­tun­gen für die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in un­se­rem Land, die in den Zei­ten der Krise an­ge­wach­sen sind. Die Ei­ni­gung auf den hö­he­ren Ge­wer­be­steu­er­he­be­satz er­folg­te in der Über­zeu­gung, dass damit das zarte Pflänz­chen der Kon­junk­tur nicht nach­tei­lig be­ein­flusst wird. Die bis­he­ri­ge Ent­wick­lung hat diese Ein­schät­zung voll­auf be­stä­tigt. Weil wir aber in­ner­halb kür­zes­ter Zeit weder auf Bür­ger noch auf Un­ter­neh­men mit wei­te­ren Be­las­tun­gen zu­ge­hen wol­len, ver­zich­tet der vor­ge­leg­te Haus­halts­ent­wurf auf Er­hö­hun­gen der He­be­sät­ze für die Grund-​ und Ge­wer­be­steu­er, wie auf wei­te­re Ge­büh­ren­er­hö­hun­gen für un­se­re Bür­ger.

Meine sehr ver­ehr­ten Damen und Her­ren, die Stadt­ver­wal­tung legt Ihnen heute den Ent­wurf des Dop­pel­haus­halts 2011/2012 vor. Wir haben uns im Ge­mein­de­rat dar­auf ver­stän­digt, be­reits jetzt im De­zem­ber einen Ent­wurf zu prä­sen­tie­ren, ob­wohl in die­sem Jahr be­reits ein Nach­trags­haus­halt be­ra­ten und ver­ab­schie­det wer­den muss­te. Für die Ver­wal­tung be­deu­te­te dies eine Straf­fung der Vor­be­rei­tun­gen auf ein, ge­mes­sen am Um­fang des Haus­halts­ent­wur­fes, bis­lang nicht ge­kann­tes Maß. Ein Kraft­akt oh­ne­glei­chen! Wir bit­ten schon jetzt um Ver­ständ­nis, wenn die Fein­zi­se­lie­rung in­ner­halb die­ses gro­ßen Werks an der einen oder an­de­ren Stel­le nicht wie ge­wohnt aus­fällt. Auch für die Be­ra­tun­gen im Ge­mein­de­rat haben wir uns ein hohes Tempo vor­ge­nom­men. Ziel bleibt es laut Be­schluss­fas­sung des Ge­mein­de­ra­tes, die Ver­ab­schie­dung des Haus­hal­tes im Fe­bru­ar zu er­rei­chen.

Im An­schluss an die Ein­brin­gung des Haus­halts­plan­ent­wur­fes steht die Ver­wal­tung, wie in den Vor­jah­ren, der in­ter­es­sier­ten Bür­ger­schaft für erste Fra­gen im Foyer, drau­ßen vor dem Saal, zur Ver­fü­gung. Wie es seit ei­ni­gen Jah­ren in Reut­lin­gen guter Brauch ist, in­for­mie­ren wir die Bür­ger­schaft in einer Haus­halts­bro­schü­re über we­sent­li­che Daten und Fak­ten rund um den Dop­pel­haus­halt. Diese Bro­schü­re liegt seit heute druck­frisch vor. Die nächs­te in­halt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung wird dann in der Ge­ne­ral­de­bat­te am 18. Ja­nu­ar 2011 ge­führt wer­den.

Ich danke allen Be­schäf­tig­ten der Stadt­ver­wal­tung Reut­lin­gen, dass sie Tag für Tag eine gute Ar­beit für die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger un­se­rer Stadt leis­ten. Die Bür­ger wis­sen das zu schät­zen. Ich danke allen Be­tei­lig­ten für den enor­men Ein­satz, den die Auf­stel­lung des Haus­halts­ent­wur­fes uns in ver­kürz­ter Zeit ab­ver­langt hat.

Meine sehr ge­ehr­ten Damen und Her­ren des Ge­mein­de­ra­tes,
Herr Bür­ger­meis­ter Rist, der jetzt im An­schluss spre­chen wird, und ich über­ge­ben den Haus­halts­plan­ent­wurf 2011/2012 heute in Ihre Hände.

Ich schlie­ße mit Se­ne­ca. Er be­fand:

„Voll­stän­di­ge Sorg­lo­sig­keit und eine un­er­schüt­ter­li­che Zu­ver­sicht sind das we­sent­li­che eines glück­li­chen Le­bens.“

Nun wer­den wir als Man­dats­trä­ger nicht dafür ge­wählt, glück­lich zu sein. Sorg­lo­sig­keit be­hin­dert oh­ne­hin eine gute Kom­mu­nal­po­li­tik. Zu­ver­sicht hin­ge­gen ist dafür eine zwin­gen­de Vor­aus­set­zung. Denn Zu­ver­sicht ist Ein­sicht in Aus­sicht.

Ich danke Ihnen für Ihre Auf­merk­sam­keit.
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