Oberamteistraße 28-34
Preisgericht

Urteil des Preisgerichts vom 15.12.2017 zum 1. Rang Wulf Architekten GmbH

Die Verfassenden nutzen die Aufgabenstellung, um eine überraschende, bei genauer Betrachtung aber sehr überzeugende Lösung vorzuschlagen.
 
Die beiden denkmalgeschützten Häuser sind dringend statisch zu stützen. Aus dieser Vorgabe entwickeln die Projektierenden ein hölzernes Tragwerk, welches die bestehenden Bauten sichert. Überzeugend und in sich logisch wird dieses Fachwerk zu einem die Gebäudehüllen tragenden System weiter ausgebildet.
 
Des Weiteren wird gekonnt und mit dem gleichen Konstruktionsprinzip der Vorsprung des Nachbarhauses aufgenommen. Mit dieser Geste gelingt es, das neue Haus einerseits in der bestehenden Zeile einzubinden, andererseits schafft die eigenwillige Materialisierung der Fassaden mit Glasziegeln diese Zeile entsprechend kräftig abzuschließen. Zusätzlich gelingt es mit dieser transluziden Materialisierung das prägende Thema der benachbarten Fachwerkhäuser auf eine zeitgemäße Art und Weise zu übersetzen und weiterzuführen. Das Fachwerk wird nur in seinen Umrissen sichtbar sein. Der Neubau wirkt mit diesem Erscheinungsbild fast poetisch.

Hauptidee des Entwurfes ist aber die überraschende innere Leere des  Neubaus,  die  einerseits  die geschützten  und  wertvollen vorhandenen Fundamente und Kellergewölbe inszeniert, andererseits die gegebene kleinteiligen Kammern der historischen Bausubstanz ergänzt. Damit wird der Forderung des Wettbewerbsprogramms, dass diese Häuser selber Exponat sind, entsprochen. In den bestehenden Räumen gelingt es, die Baugeschichte Reutlingens dar- und auszustellen.
 
Interessanterweise wird die Wegführung im Altbestand den Besuchenden überlassen und nicht vorgegeben. In der Erweiterung wird die Treppenanlage zusammen mit dem Lift in das Fachwerk eingewoben und so Teil des räumlichen Erlebnisses. Gleichzeitig werden die Gebäude so behindertengerecht erschlossen.
 
Denkmalpflegerisch nicht unproblematisch ist wegen der dafür notwendigen Leitungszuführung die Anordnung der Sanitäranlagen im Erdgeschoss der Oberamteistraße 28. Da sich der Eingriff aber nur auf das Erdgeschoss bezieht, sollte dieser aber trotzdem denkmalpflegerisch lösbar sein.
 
Dem Beitrag gelingt es, in der Verbindung von Alt und Neu eine neue und ideale Synthese zu präsentieren. Sowohl das Alte, als auch das Neue profitieren voneinander. Die mittelalterliche Baukunst wird mit diesem Entwurf fast didaktisch als Konstruktionsthema aufgegriffen und modern gefasst.

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