Der Liederkranz am List-Denkmal

  • Daniel Friedrich List wurde am 6. August 1789 in Reutlingen geboren und entstammte einer Gerberfamilie. Nach Beendigung der Schulzeit begann er eine Lehre in der Gerberwerkstatt seines Vaters, was ihm aber von Anfang an missfiel. Er beschäftigte sich lieber mit Büchern und begann 1805 eine Verwaltungslehre. Nach einigen Stationen in württembergischen Städten wurde er 1817 Professor für Staatswirtschaft in Tübingen.

    1819 gründete er den Handels- und Gewerbeverein, der von vielen als Vorläufer des Zollvereins gesehen wird. Unzufrieden mit den Zuständen im württembergischen Staatswesen, verfasste er 1821 die Reutlinger Petition, in der er mit der Verwaltung abrechnet und verschiedene Maßnahmen fordert. Dies hatte für ihn weitreichende Folgen: Er wurde aus dem Landtag ausgeschlossen und zu 10 Monaten Festungshaft auf dem Hohenasperg verurteilt.

    Er entzog sich der Haft, indem er nach Frankreich und in die Schweiz floh.

    1824 kam er zurück und wurde auf dem Hohenasperg inhaftiert. 1825 entschloß er sich, nach Amerika auszuwandern, verzichtete damit auf sein württembergisches Bürgerrecht und wurde nach fünf Monaten seiner Haft begnadigt. In Amerika war er dann erfolgreich als Eisenbahnpionier und Redakteur diverser Zeitschriften. Dazu betätigte er sich als Unternehmer in der Kohleförderung.

    1830 bekam er das amerikanisches Staatsbürgerrecht. 1832 kehrte er nach Deutschland zurück, da er sich dort am Bau eines Eisenbahnnetzes beteiligen und seine Erfahrungen aus Amerika einbringen wollte.

    Zurück in Deutschland war er dann maßgeblich beteiligt an Bau der ersten deutschen Ferneisenbahnlinie von Leipzig nach Dresden. Er verfasste Werke zur politischen Ökonomie, war Herausgeber verschiedener Zeitungen und betätigte sich als Journalist. An seine Erfolge, die er in Amerika gemacht hatte, konnte er trotzdem nicht anknüpfen.

    Unglücklich und von vielen unverstanden und seine Ideen nicht gewürdigt, machte er sich 1846 auf zu einer Reise nach Italien. Dabei machte er Halt in Kufstein und beging dort Selbstmord.

    Friedrich List wurde nach seinem Tod in vieler Hinsicht geehrt. Zahlreiche Straßen, Plätze und Schulen in der ganzen Bundesrepublik sind nach ihm benannt und es gibt mehrere Denkmale, die an ihn erinnern. Neben dem Denkmal beim Reutlinger Bahnhof gibt es Standbilder unter anderem in Leipzig und Dresden. In Reutlingen wird durch das Listgymnasium, den Listplatz und das Listdenkmal an den berühmten Sohn der Stadt gedacht.

    In Kufstein, dem Ort an dem er starb und wo sein Grab ist, wurde im September 1906 an seinem 60. Todestag mit der Errichtung eines Denkmals an ihn erinnert. Von diesem Denkmal gibt es einige Fotografie. Diese hier wurde am 7./8- September 1906 anlässlich der Enthüllung des Denkmals gemacht. Friedrich List sitzt mittig auf einem Sockel in einem klassizistisch wirkenden Säulenhalbrund aus Kalkstein, die Figur ist aus weißem Marmor. Er hat die Beine übereinandergeschlagen, die Arme verschränkt und er schaut in die Ferne. Gefertigt wurde das Denkmal in Kufstein von dem Berliner Bildhauer Norbert Pfretzschner, der seine Wurzeln in Kufstein hatte.

    Der Fotograf, der die Enthüllung des Denkmals festhielt, war Anton Karg. Er war Fotograf und Bürgermeister in Kufstein. Da Foto zeigt das Denkmal und den Reutlinger Liederkranz, eventuell auch die Kufsteiner Liedertafel. Der Liederkranz hat seit seiner Gründung ein besonderes Verhältnis zu Friedrich List. Schon bei dem Stiftungsfest des Liederkranzes am 12.10.1850 wurde die Errichtung eines Denkmals angeregt. Der Reutlinger Liederkranz setzt sich seit jeher für die Ehrung Lists ein und war maßgeblich daran beteiligt, dass das Denkmal in Reutlingen am Bahnhof gebaut wurde. Mitglieder des Liederkranzes waren öfters in Kufstein, um das Denkmal und das Grab von Friedrich List zu ehren.

    2006 wurde das Denkmal zum 160. Todestag Friedrich Lists saniert und ist nun auch nachts beleuchtet. Von der Inntalautobahn ist es schon von Weitem zu sehen. Eine Delegation aus Reutlingen, u.a. mit Vertretern des Liederkranzes und der Stadt, waren damals vor Ort.

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