Ein Pokal für den Kommandanten Johannes Eisenlohr (1902-1926)

  • Die Reutlinger Feuerwehr kann auf eine lange, ereignisreiche Geschichte zurückblicken und ist eine der ältesten Feuerwehren in Deutschland. Spektakuläre Einsätze in der jüngeren Vergangenheit waren die Großbrände bei den Firmen Reiff und Bosch 1995 und 2006 und der Einsatz im Hochwassergebiet im Ahrtal.
    Die Feuerwehr hatte seit Beginn ihren Sitz im Feuerwehrgebäude an der Lederstraße. Im September 1897 wurde dort eine letzte Übung durchgeführt, bevor das alte Gebäude abgerissen und ab 1898 an gleicher Stelle das neue Feuerwehrmagazin gebaut wurde. Anfangs belegte die Feuer-wehr nur einen Teil des Gebäudes, den anderen Teil nutzten der städtische Bauhof und die Handelsschule. Das Gebäude wurde ab den 1960er Jahren mehrfach umgebaut, neue Ausfahrtstore eingesetzt und den wachsenden Anforderungen immer wieder angepasst. Trotzdem mussten in den folgenden Jahren Fahrzeuge und Geräte auf das ganze Stadtgebiet verteilt werden. Nach über 20 Jahren Diskussionen um eine neue Feuerwache konnte 2003 die neue Wache an der Hauffstrasse bezogen werden.
    Eine erste Gruppierung gab es schon 1826, die „Rettungsgesellschaft zum Schutz für Personen und bewegliches Eigentum“, ins Leben gerufen von Johann Jakob Fetzer. 1847 gründete der Buchdrucker, Verleger und Vorsitzender des Turnvereins, Gustav Heerbrandt, aus den Reihen des Turnvereins den Reutlinger Löschverein mit dem Ziel „Feuersnot und damit verbundene Gefahren abzuwenden“. Ab 1854 gab es eine Pflichtfeuerwehr in Reutlingen, deren Mitglieder sich auf sechs Jahre verpflich-ten mussten. 1885 wurde die Umwandlung von einer Pflichtfeuerwehr in eine freiwillige Feuerwehr vollzogen. Unter den verschiedenen Kommandanten entwickelte sich die Wehr technisch und personell weiter. Georg Welsch, Kommandant von 1935 bis 1937 hat die 1923 eingeleitete Motorisierung der Feuerwehr Reutlingen abgeschlossen. Die Umwandlung der Freiwilligen Feuerwehr in einen Löschzug musste er 1936 auf Grund der geltenden Gesetze durchführen. Der Feuerwehrkommandant von 1949 bis 1953, Gotthilf Schauwecker, leitet nach dem Krieg den Wiederaufbau und die Erneuerung der Feuerwehr ein. Federführend war er für die Durchführung des ersten Landesfeuerwehrtages 1950 in Reutlingen tätig. Wilhelm Laier, Kommandant 1953 bis 1970, modernisierte die Feuerwehr Reutlingen durch die Beschaffung neuer Fahrzeuge und Geräte. Walter Herrmann war der erste hauptberufliche Feuerwehrkommandant (1971 bis 1991) in der Geschichte der Feuerwehr Reutlingen. Er trug maßgeblich zur Integration der Feuerwehren aus den eingemeindeten Stadtteilen bei. Unter seiner Führung wurde der Grundstein zum Aufbau der ständig besetzen Feuerwache gelegt. Unter Harald Hermann, der bis 2022 die Stelle als Kommandant inne hatte, wurden 2004 eine Berufsfeuerwehr und 1999 das städtische Amt „Feuerwehr“ gegründet.
    Seit 1990 gibt es eine Jugendfeuerwehr und seit 2012 eine Kinderfeuerwehr, so dass auch der Nachwuchs gesichert ist.
    Einer der Kommandanten, der vieles bewirkt hat, war der Gasthofbesitzer und Weinhändler Johannes Eisenlohr. Er war seit 1878 Mitglied, zuerst als Zugführer und dann als Hauptmann. Von 1902 bis 1926 war er Kommandant. Auf seine Initiative hin wurde 1911 eine „Weckerlinie“, ein Alarmierungssystem, eingerichtet und er beschaffte das erste Atem-schutzgerät für die Kameraden. Für sein 40jähriges Dienstjubiläum in der Feuerwehr bekam er 1919 einen Pokal geschenkt. Vermutlich bekam er aufgrund des Ersten Weltkrieges den Pokal als Anerkennung erst ein Jahr später als im eigentlichen Jubiläumsjahr 1918. Solche Pokale gibt es für Verabschiedungen, Jubiläen oder langjährige Zugehörigkeit. Dieser Pokal wurde von der WMF in Geislingen hergestellt und ist
    aus versilbertem Metall. Er hat einen konischen Korpus, der nach oben erweitert wird. Am Fuß und im oberen Drittel wurden florale und
    ornamentale Verzierungen aus dem Metall getrieben. Im oberen Bereich sind die Worte "Freiw. Feuerwehr Reutlingen. Ihrem l. Kommandanten. Johs. Eisenlohr. 1878-1919" eingraviert.
    Johannes Eisenlohr war von 1900 bis in die 1920er Jahre Gemeinderat und bekam für seine Verdienste dort und sein Wirken in der Feuerwehr 1929 die Ehrenbürgerschaft von Reutlingen. Zudem wurde 1932 eine Straße im Storlach nach ihm benannt.

    Feuerwehr Reutlingen (Hg.): Feuer aus! Die Geschichte der Feuerwehr Reutlingen, Reutlingen 1997.
    Schäffer, Max: 1826-1926. Festschrift zur Feier des 100jährigen Jubiläums der Freiwilligen Feuerwehr Reutlingen, Reutlingen 1926.
    Schön, Theodor: Zur Geschichte der Reutlinger Feuerwehr. Festschrift zur Feier des 50jährigen Jubiläums 1847-1897, Reutlingen 1898.
    https://feuerwehr.reutlingen.de/de/Geschichte, Zugriff 19.04.2022

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