Kommt, wir spielen einkaufen!

Ein Stoff-Kaufladen

Stoff-Kaufladen

Der Stoff-Kaufladen ist ein besonderer Kaufladen in der Sammlung, weil er ein Spezialgeschäft darstellt. Die üblichen Kaufläden sind in der Regel Gemischtwarenläden.

Der Kaufladen stammt aus dem Haushalt Fauché aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und wurde vermutlich für die Kinder der Familie selbst gebaut. Wilhelm Fauché, betrieb Anfang des 20. Jahrhunderts das "Listhaus - Fachgeschäft für gediegenen Hausrat, Feinmetallwaren, Glas, Kristall und Porzellan, eiserne Bettstellen" in der Wilhelmstraße 68. Später wurde der Gebäudekomplex durch Um- und Neubauten vergrößert. Heute befindet sich dort die Buchhandlung „Osiander“.

Die Tradition des Spielzeug-Kaufmannsladen als Gemischtwaren- oder Metzgerladen geht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Im 19. Jahrhundert bekamen die Kaufläden eine immer pädagogischere Bedeutung. Das Spielzeug der Kinder spiegelt zu allen Zeiten die Wirklichkeit der Erwachsenen wider. Kaufläden sind naturgetreue, wenn auch geschönte Nachbildungen der Realität: Mit ihrer Hilfe sollten Kinder fürs Leben lernen und auf das spätere Leben vorbereitet werden. Mit Mode- oder Kurzwarenkaufläden sollten Mädchen spielerisch lernen, dass standesgemäße, modische Kleidung ein wichtiger Teil im Leben einer Dame der Gesellschaft ist. Kurzwarengeschäfte waren Geschäfte, die Dinge zum Nähen anboten, wie beispielsweise Knöpfe, Garne oder Nadeln. Diese Geschäfte boten meist auch Artikel eines „Putzgeschäftes“ wie Hüte, Schals, Fächer und Schleier an. Damit konnten die Püppchen „herausgeputzt“ werden. Diese Accessoires wurden von Frauen und Mädchen in meisterhafter Handarbeit selbst hergestellt. Oft wurden die Gehäuse und Möbel der Kaufläden selbst hergestellt oder bei einem Schreiner bestellt, man konnte sie aber auch fertig von Manufakturen beispielsweise aus dem Erzgebirge oder Thüringen kaufen.

Bei dem Kaufladen aus der Museumssammlung handelt sich um einen einfach gebauten Laden aus Holz und Pappe, der oben und vorne offen ist. Tapeziert ist er mit einer Blumentapete, auf dem Boden ist eine Tapete in Fliesenoptik. Der Kaufladen hat an der Rückwand ein eingebautes Regal mit 16 Fächern. Unter dem Regal steht ein hölzerner Verkaufstresen mit zwei Zierschubladen. Um den Tresen herum gruppiert sind vier Stoffpüppchen. Eine Dame im Kleid und mit Hut und zwei Männer, einer mit einer vornehmen Jacke, der andere mit einem weißen Verkaufskittel und ein Kind. In den Regalfächern finden sich unterschiedliche Strümpfe für Püppchen, gehäkelte Tischdeckchen, kleine verschiedenfarbige Sternzwirne, ein konischer Holzzylinder mit Aufkleber „Die beste Schappe Nähseide. Gütermann & Co. Gutach Breisgau“; Stoffbahnen und Stoffe, Garnspulen, Wollknäule, auf Pappe gewickelte Schnüre, Bänder, Spitzen, Gummibänder und eine lose Spitze. Auf dem Regal stehen kleine Schachteln „Prima Donna die Stahl-Sicherheitsnadel in höchster Vollendung“ mit verschiedenen Inhalten: Perlen, Köpfe, Druckknöpfe, Aufnäher. Die jeweiligen Knöpfe etc. sind vorne aufgeklebt. Dazu gibt es noch vier Schachteln „Sphinx Reform, Sicher-Nadeln“ mit Schnallen, Aufnähern, Haarnadeln, Ornamenten und sechs Schachteln „Prima Donna die Stahl-Sicherheitsnadel in höchster Vollendung“ mit Bändern, Ornamenten, Broschen, Aufnähern und Fächer.

Der Kaufladen stellt heutzutage auch deshalb eine Besonderheit dar, da es in der Wirklichkeit kaum noch Stoff- und Kurzwarenläden gibt. Sie sind fast überflüssig geworden oder nur noch für einen kleinen Teil interessant. Die meisten Leute stellen ihre Kleidung heute nicht mehr selbst her oder bessern sie aus, sondern kaufen Hosen, Kleider und T-Shirts im Geschäft und wenn die Kleidungsstücke Beschädigungen aufweisen, werden sie oftmals weggeworfen.

   

Literatur:
Kaufläden – Kinderwelt und Wirklichkeit. Ausstellung Schwäbisches Volkskundemuseum Oberschönfeld 1994.

Bachmann, Manfred / Wolfram Metzger: Vom Marktstand zum Supermarkt. Der Kaufladen in Puppenwelt und Wirklichkeit. Begleitpublikation zur Ausstellung im Badischen Landesmuseum Karlsruhe (20.12.1992 – 13.6.1993).

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