Ein T-Shirt

Zum 100-jährigen Bestehen der Jos-Weiß-Schule Reutlingen

Jubiläumsshirt Jos-Weiß-Schule

Im März steht ein T-Shirt anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Jos-Weiß-Schule im Mittelpunkt. Es war als Exponat für die aktuell gezeigte Ausstellung „Garne, Stoffe, Waren - Vom Wert des Textilen“ geplant, die noch bis zum 27. April 2025 zu sehen ist. Das T-Shirt konnte sich im weiteren Planungsverlauf allerdings nicht gegen seine „Konkurrenten“ durchsetzen und schaffte es nicht in die Ausstellung.

Es wurde 1988 anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Jos-Weiß-Schule hergestellt, die 1888 ihre Eröffnung feierte. Damit ist sie die älteste Volksschule Reutlingens. Bei Gründung handelte es sich um eine Knabenvolksschule, die in dieser Form bis zum Zweiten Weltkrieg bestand. Danach ging aus ihr eine Christliche Gemeinschaftsschule hervor. Gemischte Klassen von Mädchen und Jungen wurden erstmals im Schuljahr 1955/1956 gebildet.1966 wurde aus der Schule eine reine Grundschule. Die folgenden Jahre stellten die Schule vor große Herausforderungen. Immer mehr ausländische Schülerinnen und Schüler sollten unterrichtet werden, worauf die Schule nicht vorbereitet war. Aus 37 Schulkindern mit Migrationshintergrund im Jahr 1966/67 wurden nur zwei Jahre später bereits 278. Dieser Anstieg sorgte dafür, dass die Schule innerhalb der Bevölkerung einen schlechten Ruf erhielt und als „Ausländerschule“ abgestempelt wurde. Mit dem Stichwort „Integration“ setzte sich die Jos-Weiß-Schule Ende der 1970er Jahre die Aufgabe, die Förderung sämtlicher Kinder ungeachtet ihrer Herkunft zu gewährleisten. Die Mühen trugen Früchte, so dass Mitte der 1980er Jahre eine angemessene Betreuung möglich war. Auch in den folgenden Jahren stellte die Schülerbetreuung ein zentrales Anliegen der Schule dar, bei dem 2005 ein großer Meilenstein gelang: Die Jos-Weiß-Schule wurde zur ersten Ganztagesschule im Kreis Reutlingen.
Nach Jos Weiß, dem einstigen Bürgermeister der Freien Reichstadt Reutlingen, ist die Schule seit dem 7. Februar 1929 benannt. Er war eine wichtige politische Persönlichkeit zur Zeit der Reformation. Seine Unterschrift findet sich auf der 1530 beschlossenen Augsburger Konfession und unterstreicht damit die bedeutende Rolle, die die Lehren Luthers in Reutlingen zu jener Zeit bereits spielten.

Das T-Shirt thematisiert einen ganz bestimmten Teil der Textilherstellung und schlägt so eine Brücke zur aktuellen Ausstellung: die Produktion anlassbezogener, für ein spezielles Event hergestellter Kleidungsstücke. Bekannt sind sie vor allem bei Schulabschlüssen, Geburtstagen oder Tourneen von Bands. Oftmals werden sie nur zu diesen Anlässen getragen und verschwinden danach im Kleiderschrank. Auf der einen Seite sind solche Kleidungsstücke schöne Erinnerungen an besondere Tage oder Events, auf der anderen Seite tragen sie zur Kleidungsflut bei, die jedes Jahr aufs Neue produziert wird.
Diese stellt mittlerweile eine große gesellschaftliche Herausforderung dar. Zwischen 80 und 150 Milliarden Kleidungsstücke werden pro Jahr hergestellt. Eine exakte Stückzahl zu ermitteln, ist dabei nicht möglich, da Unternehmen keine genauen Produktionszahlen veröffentlichen. Vor allem die sogenannte „fast fashion“, schnell und billig produzierte Kleidungsstücke, stellen hierbei ein großes Problem dar.
Die Europäische Umweltagentur EEA hat 2022 eine Analyse zum Konsum von Kleidungsstücken in der EU durchgeführt. Ihr Ergebnis: Ein in der EU lebender Mensch kauft jährlich circa 15 Kilogramm Kleidung, Schuhe sowie Textilien wie etwa Handtücher oder Bettwäsche. Damit einher geht ein Pro-Kopf-Verbrauch von 391 Kilogramm Rohstoffen, 9000 Liter Wasser sowie 400 Quadratmeter Landfläche. Außerdem entstehen 270 Kilogramm an CO2-Äquivalenten. Der Großteil davon, nämlich 80 %, entsteht dabei bereits während der Produktion. Circa 3 % entfallen auf den Versand und Handel, 14 % entstehen während des Tragens und Pflegens der Kleidung (waschen, trocknen, bügeln) und die restlichen 3 % beim Sammeln, Recyceln sowie Verwerten am Ende des Gebrauchs.

Der hohe Konsum an Kleidung hat starke Auswirkungen auf unsere Umwelt. Besonders der Wasserverbrauch ist eindrücklich: Allein für die Produktion von 1 Kilogramm Baumwolle werden circa 10.000 Liter Wasser benötigt. Die Herstellung eines einzelnen Baumwoll-T-Shirts benötigt rund 2700 Liter Wasser. Das entspricht der Menge, die eine einzelne Person in 2,5 Jahren trinkt. An den schweren Umweltfolgen leiden vor allem die Produktionsländer der „fast fashion“, wie etwa Bangladesch.
In der Analyse forderte die EEA, Ressourcenverbrauch sowie Abfall zu vermindern, das heißt weniger zu konsumieren und wegzuwerfen. Ebenso wichtig wäre ein Kreislauf, in dem die entsorgten Textilien zu neuen recycelt werden. Dies ist bisher nur bei einem sehr kleinen Teil der Fall. Auch die Verwendung von Ressourcen, die umweltfreundlicher angebaut und verarbeitet werden können sowie langlebiger sind, wäre ein Schritt in die richtige Richtung.


Weiterführende Literatur:
·        Köster, Uwe: 100 Seiten. Zum hundertsten Geburtstag der Jos-Weiß-Schule, Reutlingen 1988.
·        Studie der EEA (auf Englisch), abrufbar unter www.eea.europa.eu

Nach oben