Der Klassiker unter den Weihnachtssternen
Zur besinnlichen Weihnachtszeit sind sie fast überall zu sehen – die Herrnhuter Sterne. Das Heimatmuseum präsentiert aus diesem Anlass gleich zwei von ihnen, um auch einen Eindruck davon vermitteln zu können, wie der Stern beim Kauf beziehungsweise der Lieferung aussieht. Zu sehen ist ein sich noch in seinen Einzelteilen befindlicher Stern und ein fertig aufgebauter. Den nicht zusammengesetzten Stern erwarb das Heimatmuseum bereits vor knapp 30 Jahren. Er wurde in der Philadelphia-Buchhandlung August Fuhr gekauft, die in der Oberamteistraße liegt. Der fertige Stern stammt aus dem Privatbesitz einer Museumsmitarbeiterin.
Aber warum heißt dieser Adventsstern eigentlich „Herrnhuter Stern“? Diese Bezeichnung leitet sich von der Herrnhuter Brüdergemeine, lateinisch Unitas Fratrum, ab. Diese stammt aus Herrnhut, das in der Oberlausitz ein Stück östlich von Dresden liegt.
Seinen Ursprung hat der Stern in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Mathematikunterricht der Brüdergemeine. In ihren Internaten beherbergte und lehrte die Gemeine Missionarskinder, die von ihren Eltern aufgrund der schwierigen Lebensverhältnisse in den Missionsgebieten zurück in die Heimat geschickt wurden. Die durchaus komplizierte Form des Sterns und die Anordnung der Flächen sollten im Unterricht behandelt werden, um die Kinder in Geometrie zu schulen und ihr Verständnis von räumlichen Figuren zu verbessern.
Während der Schulstunden fertigten die Schulkinder diese Sterne auch an, um die Stuben der Internate damit zu schmücken. Dies markiert den Beginn der Erfolgsgeschichte der Herrnhuter Sterne, denn von da an bastelten die Kinder auch in ihren Familien zu jedem Advent die markanten Sterne.
Im Laufe der Zeit hat sich der Stern dann zu einem beliebten Dekorationselement entwickelt. Landauf und landab schmückt er vor allem die Weihnachtsmärkte oder wird zur Ausstattung von Geschäften oder im privaten Bereich verwendet. Vielleicht haben auch Sie einen Herrnhuter Stern zuhause?
Doch so schön sie auch anzuschauen sind, so kompliziert ist ihre Struktur. Der Korpus eines Herrnhuter Sterns ist dabei von den Flächen her stets gleich aufgebaut. Er besteht aus insgesamt 26 einzelnen Flächen, von denen 18 quadratisch und acht dreieckig sind. Ein solcher Körper wird in der Fachsprache als Rhombenkuboktaeder bezeichnet. Wie früher werden auch heute noch die Sterne in Handarbeit zusammengesetzt. Dies geschieht von unten nach oben. An die untere viereckige Zacke werden vier weitere Zacken mit quadratischer Grundfläche angebracht. Die dabei entstehenden Lücken werden mit vier Zacken verschlossen, die eine dreieckige Grundfläche haben. So entsteht der erste „Ring“ an Zacken. Nach diesem Schema wird auch der restliche Stern aufgebaut. Am Ende besteht ein Stern in vielen Fällen jedoch aus nur 25 Stacheln. Das liegt daran, dass oftmals die Oberseite des Sternenkorpus nicht bestückt wird, um den Stern besser aufhängen und anbringen zu können.
Alle, die ihn schon einmal selbst zusammengebastelt haben, wissen, dass der Aufbau so seine Tücken hat. Vor allem die Anbringung der letzten Zacke stellt mitunter eine größere Herausforderung dar und verlangt einiges an Fingerspitzengefühl. Doch ist der Stern dann vollständig zusammengesteckt und verbreitet zuhause sein angenehmes Licht, hat sich die Anstrengung allemal gelohnt.
Die Herrnhuter Sterne besitzen eine hohe Symbolkraft. Sie sind stark mit dem christlichen Glauben verbunden, was angesichts ihrer Herkunft nicht überraschend ist. Der Herrnhuter Stern steht stellvertretend für den Stern von Bethlehem. Dieser führte – nach den Beschreibungen der Weihnachtsgeschichte im Matthäusevangelium der Bibel – die drei Weisen aus dem Morgenland zum Geburtsort von Jesus Christus. Damit gehört der Stern zu den zentralen Symbolen des christlichen Glaubens. Auch die Farben haben eine wichtige Bedeutung. Nicht zufällig waren die ersten Sterne in Weiß und Rot gehalten. Weiß symbolisierte dabei die Reinheit, Rot stand für das Blut Christi.
Heute handelt es sich bei der Bezeichnung „Herrnhuter Stern“ um eine beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragene Marke. Die Eintragung erfolgte am 21.09.2009 durch die Herrnhuter Sterne GmbH mit Sitz in Herrnhut. Sie ist gleichzeitig auch die Heimat sämtlicher Herrnhuter Sterne, die sowohl in Deutschland als auch international viele Abnehmer finden. Am Stammsitz des Unternehmens in Herrnhut ist auch eine Schauwerkstatt eingerichtet. Hier können Besucherinnen und Besucher bei der händischen Zusammensetzung der Sterne dabei sein und ganz genau hinsehen.
Mittlerweile gibt es sie in unterschiedlichen Größen, Farben und Materialien. Neben dem Klassiker aus Papier in Weiß und Rot gibt es heute auch Sterne aus Kunststoff oder limitierte Editionen mit besonderen Farben, beispielsweise in Pink oder Türkis.
Literatur:
Vaupel, Bettina: „Licht und Freude in jedes Haus – Die lange Geschichte der Herrnhuter Sterne“, in: Monumente, 6/2019, S. 66–73.
Theile, Dorothee: … und leuchtet in die ganze Welt. Der Herrnhuter Stern und seine Geschichte, Herrnhut 2008.