Gustav Wilhelm Weizsäcker

Das Altersheim "Unter den Linden"

 Ein.Blick 04/2024

 

Das Gemälde "Altersheim 'Unter den Linden'“ wurde vom Reutlinger Maler Gustav Wilhelm Weizsäcker (1901-1941) 1924 im Alter von 23 Jahren gemalt. Zu dieser Zeit trat er auch zum ersten Mal als Künstler öffentlich in Erscheinung.
Dem Betrachter des Gemäldes springt sofort der farbenfrohe Garten ins Auge, der das Bild dominiert. Man sieht große, teils blühende Bäume, die zu groß für das Gemälde zu sein scheinen, angelegte Wege und einen blühenden Fliederbusch. Die Bildfläche dominieren die großen Parkbäume hinter dem Rondell. Das Altersheim „Unter den Linden“, zu dem der Garten gehört, ist am rechten Bildrand angeschnitten dargestellt. Es besitzt einen hellen Anstrich und grüne Fensterläden. Das Gemälde wurde mit einer flächigen, stark verwischten Malweise in kräftigen Farbtönen gemalt. Es ist in einen einfach profilierten silberfarbenen Rahmen eingefasst.

    
Das Haus in der Rommelsbacher Straße 1 wurde 1319 erstmals explizit als Siechenhaus erwähnt. Schon 1289 wird in den Quellen die Begine Irmgart Elpin genannt, die für einen Teil des Geländes um das spätere Altersheim eine frühere Schenkung an ihre Nichte erneuert. Mit der Schenkung war wohl schon die Nutzung als Unterbringung von Aussätzigen verbunden. Um die vielen Krankheiten und Seuchen einzudämmen bzw. vor den Toren der Stadt zu lassen, wurde im Mittelalter das Siechenhaus für die Kranken eingerichtet.
Anfang des 18. Jahrhunderts erfolgte ein grundlegender Umbau des Siechenhauses, 1752 wurde die Armenpflege neu geschaffen. Das Gebäudeensemble bestand aus zwei Häusern, einem Siechenhaus und einem Waisen- und Arbeitshaus. Dazu gehörten noch Küchengärten, ein Wasch- und Backhaus und diverse Schuppen. 1803 wohnte in einem der Häuser der Waisenvater und in den anderen Gebäuden 85 Erwachsene und 30 Kinder. Ab 1814 war es kein Waisenhaus mehr, sondern Armen- und Arbeitshaus sowie Altenheim.

     
Beim Luftangriff am 1. März 1945 auf Reutlingen wurde das Haus so stark beschädigt, dass die Insassen vorübergehend nach Hülben ausquartiert werden mussten. Am 1. April 1946 war der Wiederaufbau beendet und die Bewohnerinnen und Bewohner konnten wieder zurück in ihre vertraute Umgebung. Seit 1951 wurde die Einrichtung „Altersheim Unter den Linden“ genannt, der Träger war das Sozialamt der Stadt. Ende der 1960er Jahre befand sich noch ein Gemüsegarten am Haus, der von den Heimeltern bewirtschaftet wurde. Später gab es dort nur noch Blumenbeete.
1965 gab es im Haus 55 Plätze für ältere Menschen, die meist in möblierten Mehrbettzimmern lebten. Umsorgt wurden die Bewohner von den Heimeltern, die zusätzlich Unterstützung durch Haus- und Küchenpersonal hatten. Die Bewohnerinnen und Bewohner waren in den meisten Fällen noch rüstig und hatten regen Anteil am Geschehen der Stadt.

     
1983 wurde eine Pflegestation mit Pflegeplätzen eingerichtet, so dass zu den Altenheimbewohnern noch Menschen mit Pflegebedarf kamen. Im Laufe der Zeit gab es einige bauliche Veränderungen im und um das Gebäude. Ein Teil der Nebengebäude wurde abgerissen, im Inneren des Gebäudes wurde umgebaut, um dadurch mehr Platz für die Bewohnerinnen und Bewohner zu schaffen. 1996 wurden in die Hausnummer 1 der Rommelsbacher Straße Arkaden für einen Fußweg eingebaut. Bis 1998 war das Gebäude städtisches Altersheim. Nach einem Innenumbau ist es seit 2000 soziales Dienstleistungszentrum mit verschiedenen Nutzern.

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