Oberamteistraße 28-34

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Sanierung und Neubau

Was passiert da eigentlich in der Oberamteistraße? Ein Konzept für den Erhalt der historischen Häuserzeile Oberamteistraße 28 bis 32 soll gefunden werden. Die Häuserzeile gilt als eine der ältesten zusammenhängenden Fachwerkhäuserzeilen Süddeutschlands aus dem frühen 14. Jahrhundert. Wir haben Ihnen Fotos, Zahlen, Daten und Fakten zusammengestellt. Klicken Sie sich einfach mal durch und machen Sie sich selbst ein Bild.

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Anfahrtsskizze

Oberamteistraße 28 bis 34

Die historische Häuserzeile Oberamteistraße 28 bis 32 und der Keller des 1972 abgebrochenen „steinernen Hauses“ auf dem Grundstück Nr. 34, gehören zum ältesten und interessantesten Baubestand der ehemaligen freien Reichsstadt Reutlingen. Sie zählen zu den ältesten Häuserzeilen Süddeutschlands.
 
Die ältesten Bauzeugnisse im Bereich der Häuser reichen zurück ins 12. und 13. Jahrhundert, der Gründungszeit der Stadt Reutlingen. Die Grundstücke gehörten zum durch König Albrecht 1308 gegründeten Königsbronner Hof (Kloster). Die Klosteranlage lässt sich noch heute im Bereich um des Heimatmuseumsgartens herum erkennen.
Häuserzeile Oberamteistraße 28 - 34
Oberamteistraße 28 bis 34

Archäologische Untersuchungen der Häuserzeile haben gezeigt, dass sich die Errichtung bzw. Umbauten auf mindestens 10 Bauphasen zurückverfolgen lassen. Die ältesten Bauteile lassen sich auf ca. 1270 datieren und befinden sich im Keller der Nr. 32 und 34.
 
Zwischen den Bauten aus Holzfachwerk wurden jeweils massive Brandwände eingezogen, welche noch heute in großen Teilen erhalten sind. Zwischen den Gebäuden 30/32 und 28 finden sich erhaltene Spitzbogenportale, durch welche die Gebäude quer erschlossen wurden.
Reste des Kellers der Oberamteistraße 34
Oberamteistraße 28 - 34

Das Ensemble Oberamteistraße 28-34 ist ein authentisch erhaltener Spiegel der Entwicklung von Bau- und Wohnkultur in der ehemaligen Reichsstadt. Auf eine rege Bautätigkeit im 13. und 14. Jahrhundert, mit stattlichen Bauten, folgt ein extrem langer Zeitraum ohne größere Veränderungen.
 
Als in der Zeit nach dem 30jährigen Krieg der Wohnraum in Reutlingen knapp zu werden scheint, richtete man in den Gebäuden weitere Wohnungen mit zeitgemäßen Wohnstuben ein. Wie auch die nachfolgenden Umbauphasen vermitteln diese aber den Eindruck von Sparzwang und muten bisweilen provisorisch oder gar ärmlich an.
Blick auf die Oberamteistraße im Jahr 1938 - In der Bildmitte ist das Heimatmuseum, dahinter die Häuserzeile 28 - 34
Oberamteistraße 28 - 34

Im 13. und 14. Jahrhundert erlebte Reutlingen einen regelrechten Boom, welcher im 15. und 16. Jahrhundert gehalten wurde. Seit dem 17. Jahrhundert ist ein allgemeiner Niedergang der Stadt zu beobachten.
 
Den Tiefpunkt dieser Entwicklung markiert der Stadtbrand von 1726, den das Gebäudeensemble unbeschadet überstanden hat und anschließend sicher als Notunterkunft diente.
Oberamteistraße im Jahr 1951 - Fotograf Näher
Oberamteistraße 28

Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die Oberamteistraße 28 mindestens weitgehend als dreigeschossiger Holzgerüstbau neu errichtet. Wahrscheinlich stammt der gut erhaltene, balkengedeckte Keller aus dem frühen 13. Jahrhundert.  Es ist davon auszugehen, dass die Fassade zur Oberamteistraße als sichtbare Fachwerkwand ausgebildet wurde.
 
Im 1. Obergeschoss befindet sich eine bauzeitliche Holzbohlenstube, welche sich in Richtung Heimatmuseumsgarten orientiert. Zur Oberamteistraße hin befand sich vermutlich ein saalartiger, unbeheizter Raum. Zugänglich waren die Räume durch das um 1320 in die Brandwand zwischen Nr. 28 und 30/32 eingebaute Spitzbogenportal, welches noch heute erhalten ist.
Oberamteistraße 28
Oberamteistraße 30 / 32

Bei den beiden Hausnummern 30 und 32 handelt es sich von außen sichtbar um ein einziges Gebäude.

Die Aufteilung in zwei Hausnummern fand in der jüngeren Zeit statt, was sich vermutlich auf die Nutzung des Gebäudes zurückführen lässt. So befand sich in der 30 im Erdgeschoss ein Ladengeschäft, in den restlichen Flächen Wohn- und Büroflächen.
Oberamteistraße 30 und 32
Oberamteistraße 30 / 32

Ursprünglich handelte es sich um ein 2-geschossiges, an der Oberamteistraße traufständiges Gebäude (Giebel wurde später gedreht).
Der gut erhaltene, langgestreckte Keller wurde mit Holzbalken gedeckt, welche vermutlich in den Jahren 1310/11 und 1317/18 geschlagen wurden.
 
Im Erdgeschoss der 32 befindet sich ein massiver Kernbau, welcher früher der Lagerung von wertvollen Waren diente, die vor Brand geschützt werden mussten.
 
Das Erdgeschoss der 30 war als offene Halle ausgebildet, welche als Durchgang zwischen Hof und Straße diente. Von dort aus konnten der Kernbau sowie die Nr. 28 über Spitzbogenportale erreicht werden.
Oberamteistraße 30 und 32
Oberamteistraße 30 / 32

Die Oberamteistraße 30 / 32 ist in seiner Mischbauweise über die Kreisgrenze hinaus einzigartig und gehört als derzeit zweitältestes erhaltenes Bürgerhaus im Kreis Reutlingen auch noch zu den am besten überlieferten Beispielen des frühen 14. Jahrhunderts.
 
Das zugleich als Durchgang und als Hauseingang dienende Erdgeschoss der 30 ist eine städtebaulich einzigartige Lösung und unterstreicht den Charakter der Bauphase als großflächige, reihenhausartige Bebauung des Areals.
Oberamteistraße 30 und 32 heute
Oberamteistraße 34

Der Neubau auf dem Grundstück 34 übernimmt in den Hauptfunktionen die statische Sicherung der Gebäude 28 – 32 sowie den Schutz des aus dem 12. Jahrhundert stammenden Kellers, in Form eines großen Holzfachwerks.
 
Über ein großzügiges Treppenhaus sowie einen Aufzug, welche sich in das Holztragwerk integrieren, lassen sich die Gebäude 28 – 32 bequem und barrierefrei erschließen.
 
Daneben besteht die Möglichkeit die Fläche für Ausstellungseröffnungen, Vorträge und kleine Konzerte zu nutzen.
Oberamteistraße 34
Oberamteistraße 34 - Das "Steinerne Haus"

Im Jahr 1972 wurde das ehemalige Gebäude der 34 abgebrochen. Aufgrund seiner Anmutung und der traufseitig stehenden massiven Brandwand, wurde das Gebäude als das „Steinerne Haus“ bezeichnet, obwohl es sich auch hier in großen Teilen um ein Holzfachwerkgebäude handelte.
 
Lediglich die aus dem 12. Jahrhundert stammende Kelleranlage ist in Teilen erhalten. Im Zuge der Ausgrabungen wurden außerdem große Kragsteine und Bogenteile aus dem ehemaligen Gebäude geborgen, welche in Teilen in die zukünftige Ausstellung einfließen können.
Oberamteistraße 34 - Das "steinerne Haus"
Baulücke Oberamteistraße 34

Durch den Abbruch des Gebäudes 34 gerieten die verbleibenden Gebäude 28-32 in Schieflage.
Zum Zeitpunkt des Abbruchs waren die Gebäude weitestgehend unerforscht und damit nicht klar, dass die vorhandene Tragkonstruktion den Wegfall nicht verkraften würde.
 
Die ursprünglich zur Oberamteistraße hin traufständigen Gebäude wurden im Zuge der Umbauten in den Jahren 1350/55 aufgestockt, die Giebelrichtung gedreht. Die Tragkonstruktion der verbleibenden Gebäude ist nicht dafür ausgelegt und kann die Lasten ohne die Stützfunktion der 34 nicht übernehmen.
 
Bereits im 17. Jahrhundert wurde mit statischen Sicherungsmaßnahmen versucht der Bewegung entgegen zu wirken.
Oberamteistraße 32 mit Stützpfeiler
Oberamteistraße 34

Der geplante Neubau wird nicht nur in seiner Funktion als Stützelement, sondern auch in seiner Größe, Form und Anmutung in engen Dialog mit den Kulturdenkmalen Oberamteistraße 28 – 32 treten.
 
Im Innenraum werden das Holzfachwerk und die Großzügigkeit des Raumes, was im Kontrast zur Kleinteiligkeit der Bestandsräume steht, erleb- und erfahrbar sein. Sitzstufen in den Keller laden zum Verweilen ein.
Blick in den zukünftigen Neubau Oberamteistraße 34

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