Bauphysik

Drei Fragen an die projektbeteiligten Kurz und Fischer Beratende Ingenieure GmbH

Wofür und seit wann sind Sie in dem Projekt tätig?

Unser Büro war von Frühjahr 2018 beteiligt. Bauphysikalische Aspekte sind essenziell für den Erhalt von Baudenkmälern. Kernaufgabe ist die sensible Abstimmung zwischen den Anforderungen einer künftigen Nutzung und dem, was ein historisches Gebäude zu leisten vermag. Lufttemperaturen und Feuchtigkeit über die Jahreszeiten, Schlagregen, Lufthaushalt, Schallschutz, Raumakustik und Aspekte von Abdichtung und Bautenschutz sind zu beachten. Die denkmalverträgliche technische Umsetzung ist unsere Aufgabe. Klimaschutz und CO2-emissionsarmer Betrieb sind eine weitere zentrale Herausforderung, der wir uns in dem Jahrhunderte alten Gebäudeensemble stellen. Die CO2-Emissionsminderung wird im Lebenszyklus betrachtet.

Was ist für Sie das Besondere an dem Projekt?

Es gibt eine Reihe von Besonderheiten! Die künftige Ausstellung soll das Leben und die Raumeindrücke verschiedener vergangener Epochen erlebbar machen. Wie lebten unsere Urgroßeltern in solchen Räumen? Wo sind die Unterschiede zum heutigen Wohnen und Arbeiten? Wie kann man die Anforderungen an eine museale Nutzung mit der alten Bausubstanz vereinbaren, ohne ihr zu schaden?

Der gläserne Neubau ist einzigartig und verleiht dem Ensemble den ganz besonderen Reiz. Auch hier besteht die Herausforderung, Nutzungsanforderungen und Gebäudeperformance zu harmonisieren. Spannend ist die Anmutung der traditionellen Bauweise des Holzskelettbaus mit ihrer Biberschwanzdeckung. Tatsächlich handelt es sich aber um technische Neuentwicklungen, die speziell für das neue Gebäude geschaffen und optimiert werden.

Wie ist Ihre Arbeitsweise, welche Werkzeuge setzen Sie ein?

Basis der Raumklimakonzepte sind thermische Gebäudesimulationen sowie thermisch-hygrische Gebäude- und ggf. Bauteilsimulationen, basierend auf stündlichen Klimadaten. Der Umgang mit alter Bausubstanz erfordert umfassende Erfahrung, die in die Modellierung und die Bewertung der Ergebnisse einfließt.

Der energiesparende Wärmeschutz wird unter Berücksichtigung der haustechnischen Anlagen nach einem Zonenmodell basierend auf V DIN 18599 berechnet. Ertüchtigungen der Gebäudehülle auf aktuelle Standards werden an Neubauteilen umgesetzt. Auf den Substanzerhalt der Bestandsbauteile wird Rücksicht genommen.

Für den Schallimmissionsschutz nutzen wir Simulationsprogramme zur Berechnung der Schallausbreitung in Abhängigkeit vom Nutzergeschehen und den Eigenschaften der Gebäudehülle.

Eingangsgrößen für Simulationsrechnungen und baurechtlich geforderte Nachweisführungen des Neubaus waren eigene Laboruntersuchungen zum Strömungswiderstand, der Luftdurchlässigkeit, der Regensicherheit und des Schallschutzes der Fassade aus Glasbiberschwänzen.

Bauphysik-Messwerte

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