Drei Fragen an die projektbeteiligte Frau Dr. Julia Feldtkeller M.A.
Wofür und seit wann sind Sie in dem Projekt tätig?
Mein Tätigkeitsfeld sind die Achitekturoberflächen der Häuserzeile in ihrer Außen- und Innenansicht. Dabei geht es um das Erscheinungsbild der Gebäude im Wandel der Epochen, ausgehend vom Mittelalter bis in unsere Gegenwart. Mithilfe restauratorischer Untersuchungen werden die Oberflächen von Stein und Putz mit Anstrichen, Fassungen, Malereien oder auch Fliesen und Tapeten bestimmt und als Ausdruck von Nutzungsanforderungen und Gestaltungsvorstellungen interpretiert. Auf dieser Basis gilt es, ein Konzept für die künftige Präsentation von Fassaden und Raumschalen zu
entwerfen. Daraus sind die Maßnahmen für eine Konservierung und Restaurierung des überlieferten Bestands abzuleiten. Für das Projekt Oberamteistraße bin ich seit Anfang des Jahres 2022 tätig.
Was ist für Sie das Besondere an dem Projekt?
Zu den faszinierenden Dingen gehört für mich, dass die 700jährige Geschichte der Häuser an den Oberflächen von Decken, Wänden, Böden oder auch von Türen, Wandtäfern und Fenstern bis heute ablesbar ist. Diese besondere Situation ist der Dauerhaftigkeit und Reparaturfähigkeit der historischen Materialien zu verdanken, hängt aber auch mit der manchmal erzwungenen Sparsamkeit der Besitzer und Bewohner zusammen. Ein beeindruckendes Beispiel dafür ist die einfachste aller denkbaren Reparaturen. So wurde im frühen 20. Jahrhundert ein Schaden in einer damals tatsächlich noch sichtbaren mittelalterlichen Wandverputzung mit einem Blatt Papier überklebt. In der Befassung mit solchen Befunden stehen auch unsere eigenen Vorstellungen von Hausbau und -erhaltung auf dem Prüfstand.
Was ist Ihre Arbeitsweise, welche Werkzeuge setzen Sie ein?
Ab und zu ein Skalpell oder ein kleiner Meißel, außerdem die Augen und der eigene Kopf: das sind die wichtigsten Werkzeuge, um sich in die historischen Schichten der Oberflächengestaltungen hineinzuarbeiten und um das, was man antrifft, zu bewerten und zu deuten. Die gewonnenen Erkenntnisse werden schriftlich und fotografisch dokumentiert. Auch die mündliche Wissensvermittlung und die Diskussion mit anderen Projektbeteiligten sind wesentliche Bestandteile der Arbeitsweise.