Bürgerempfang am 6. Januar 2024

- Es gilt das gesprochene Wort -

Liebe Reutlingerinnen, liebe Reutlinger!

Mit „La Réjouissance“ aus Georg-Friedrich Händels „Feuerwerksmusik“, dargeboten von Helmut und Lucas Kassner, begrüße ich Sie ganz herzlich zum ersten Bürgerempfang der Stadt Reutlingen nach dreijähriger „Zwangspause“! Die Kassners kennen Sie zumindest in musikalischer Hinsicht, wenn Sie Frühaufsteher und regelmäßige Besucherinnen und Besucher des Reutlinger Wochenmarkts sind. Als „Turmbläser“ läuten sie mit ihren Kollegen das bunte Treiben auf unserem Marktplatz ein – und zwar vom Turm der Marienkirche aus, weswegen Sie normalerweise schon schwindelfrei und gut zu Fuß sein müssen, um sie nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen. Oder Sie sparen sich die 224 Stufen und kommen einfach zur traditionell ersten städtischen Veranstaltung des Jahres, dem Bürgerempfang. Die Kassners werden wir später noch einmal wiedersehen und vor allem -hören. Ich freue mich schon darauf!

Vor allem aber freue ich mich darüber, dass Sie heute so zahlreich hier in der guten Stube unserer Stadt erschienen sind. Der städtische Bürgerempfang am Dreikönigstag, der viele Jahre lang seinen ganz selbstverständlichen Stammplatz in Ihren Kalendern hatte, liebe Bürgerinnen und Bürger, ist also offensichtlich nicht ganz in Vergessenheit geraten, nachdem er 2021 bis 2023 unter anderem der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen ist. Vieles aus dem „Krisenpaket“ der vergangenen drei Jahre wird uns leider auch in diesem Jahr weiterhin begleiten. Nicht nur international mit dem immer noch anhaltenden Krieg in der Ukraine und seit dem Herbst vergangenen Jahres mit Terror und Krieg im Nahen Osten, sondern auch hier in unserer Stadt. Die Unterbringung Geflüchteter, bekanntlich eine Pflichtaufgabe für Städte und Gemeinden, erreicht ganz neue Dimensionen und stellt uns vor immer größere Herausforderungen. Mit den städtischen Finanzen waren und sind auch weiterhin keine großen Sprünge zu machen.

Dass das knallharte Konsolidierungsprogramm, das Stadtverwaltung und Gemeinderat sich selbst auferlegt haben, auch Sie, liebe Reutlingerinnen und Reutlinger, immer wieder mal in Bereichen zu spüren bekommen, die Sie direkt betreffen, bleibt dabei nicht aus. Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass Sie gelegentlich über Ihre Verwaltung „bruddeln“. Aber glauben Sie mir: In Anbetracht der durch Wiederbesetzungssperre und Fachkräftemangel teilweise deutlich leerer geworden Amtsstuben mit ihren immer weniger Schultern, auf denen immer mehr Aufgaben verteilt werden müssen, können wir, Ihre Reutlinger Stadtverwaltung, uns im nationalen Vergleich immer noch sehen lassen!

So etwas wie die „zweifelsfrei teuerste Safari, die es je in deutschen Wäldern gegeben hat“, haben wir Ihnen auch in im vergangenen Jahr wieder erfolgreich erspart - um nur ein Beispiel zu nennen. Der Vizechef der Deutschen Polizeigewerkschaft Heiko Teggatz kommentierte mit diesem Satz die tagelange Jagd auf eine „Löwin“, die im Juli in einem Wald nahe der Berliner Stadtgrenze im brandenburgischen Kleinmachnow ihr Unwesen trieb. Das „Raubtier“ hielt ganze Hundertschaften von Polizisten sowie Experten, die Medien und nicht zuletzt auch die Bevölkerung in Atem. Liebe Bürgerinnen, liebe Bürger, wir von der Stadtverwaltung können vieles, und manches vielleicht auch nicht – oder jedenfalls nicht so, wie Sie es gerne hätten. Aber eines können wir auf jeden Fall: ein Wildschwein von einem Löwen zu unterscheiden!

Im Ernst: Tatsächlich haben wir im vergangenen Jahr trotz knapper Finanzen und löchriger Personaldecke vieles auf den Weg bringen können, das Ihre Heimatstadt nicht nur für Sie, liebe Reutlingerinnen und Reutlinger, sondern auch für Kinder und Enkel in Zukunft lebens- und liebenswerter machen wird. Vor allem für die jungen Reutlingerinnen und Reutlinger hat sich einiges getan: So haben wir unter anderem die Bauarbeiten für die Erweiterung des Kinderhauses in der Käthe-Kollwitz-Straße in Degerschlacht, der Rommelsbacher Grundschule und der Römerschanzschule eingeläutet. Den sanierten Spielplatz in der Wildbader Straße in Mittelstadt haben wir ebenso eingeweiht wie den umgebauten Schulhof der Roßbergschule in Gönningen.

Die größte Baustelle des vergangenen Jahres fand sich in der Rommelsbacher Ermstalstraße, in der für 1,8 Millionen Euro die Kanalisation erneuert und für die Erschließung des neuen Baugebiets „Gassenäcker“ – und damit für viele weitere Familien, die sich hier ansiedeln können - fit gemacht wurde. Mehr über diese und viele weitere Aktivitäten können Sie im Jahresrückblick 2023 der Stadtverwaltung nachlesen, der heute im Foyer der Stadthalle ausliegt. Unsere samt und sonders reizvollen und landschaftlich schön gelegenen Bezirksgemeinden, das hat sich im zurückliegenden Jahr einmal mehr gezeigt, liegen uns am Herzen – was sich in durchaus ansehnlichen Investitionen niedergeschlagen hat.

Ansehnliche Investitionen haben wir auch für Ihre Sicherheit getätigt, liebe Bürgerinnen und Bürger: Neben neuen Fahrzeugen für Berufs- und freiwillige Feuerwehren auch in den Stadtbezirken verfügen unsere Floriansjünger seit einigen Monaten unter anderem über sechs mobile Stromerzeuger, die dafür sorgen, dass Sie möglichst unbeschadet durch einen möglichen Blackout, also einen langanhaltenden Stromausfall kommen. Überhaupt hat sich unsere Berufs- wie auch Freiwillige Feuerwehr im vergangenen Jahr einmal mehr als moderne, leistungsstarke, motivierte und engagierte Truppe präsentiert, auf die wir alle uns rund um die Uhr verlassen konnten – und die für wirklich alle Eventualitäten einen Plan in der Schublade hatte.

Auch, als sich die Reutlinger Innenstadt mitten im Hochsommer innerhalb weniger Minuten in eine malerische „Winterlandschaft“ verwandelte. Ein lokal begrenztes Unwetter hinterließ eine 30 Zentimeter hohe Hagelschicht auf den Straßen und rief eine weitere leistungsfähige Truppe des Konzerns Stadt, die Technischen Betriebsdienste Reutlingen, auf den Plan. Schneepflüge im August – diese Bilder schafften es nicht nur in die Tagesthemen, sondern sogar in so manches internationale Medium.

Dass dieses Ereignis nicht einfach nur eine kuriose Wetterkapriole war, sondern die Existenz einiger Geschäftsleute gefährdete (und in einem Fall auch ruinierte) und obendrein zumindest für mich zweifelsfrei mit dem Klimawandel in Zusammenhang zu bringen ist, zeigt der Blick auf die Katastrophen weltweit, die im vergangenen Jahr unzählige Menschenleben und viel Geld kosteten. Kaum ein Monat verging 2023 ohne bedrohliche Wetterextreme: der Zyklon „Freddy“ mit über 1.000 Toten in Mosambik und Malawi. Die gewaltigen Waldbrände in Kanada, die alles bisher Dagewesene bei Weitem in den Schatten stellten. Die verheerenden Unwetter in Italien mit teilweise bis zu fußballgroßen Hagelkörnern, das Sturmtief „Daniel“, das große Teile Griechenlands unter Wasser setzte, die libysche Hafenstadt Derna überflutete und insgesamt 11.000 Menschenleben forderte. Und das sind noch längst nicht alle Ereignisse. Dazu gesellten sich ganz neue Hitzerekorde. Alleine in Europa wurden 48,2 Grad in Italien, 45 Grad in Spanien, 44,5 Grad in Portugal gemessen. Ganz aktuell hat das Jahr 2024 mit einer dramatischen Hochwasserlage in Niedersachsen, Bayern und Sachsen-Anhalt begonnen (Stand 4.1., ggf. am Samstag aktualisieren).

Ich muss also gar kein Prophet sein, um schon jetzt voraussagen zu können, dass uns Wetterextreme aller Art auch in diesem Jahr erhalten bleiben werden. Auch aus diesem Grund haben wir im vergangenen Jahr den Klimawandel und seine Folgen für unsere Stadt ganz oben auf unsere Agenda gesetzt. Der Klimawandel mit all seinen Folgen ist spürbar da. Manches können wir vielleicht noch aufhalten, aber in vielen Fällen können wir die Uhr nicht mehr zurückdrehen. Wir haben uns deshalb auf den Weg gemacht, unsere Stadt resilienter – also widerstandsfähiger - zu machen gegen Starkregen, Hitzestress, Wassermangel und weitere Folgen des Klimawandels. Nur ein Beispiel für diese Anstrengungen ist der „Leitfaden Regenwasser“ der Stadtentwässerung Reutlingen, der inzwischen weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist und anderen Städten von der Landesregierung zur Nachahmung empfohlen wird.

Die Resilienz gegen die Folgen des Klimawandels mit verschiedensten Maßnahmen zu stärken, ist eine gewaltige Gemeinschaftsaufgabe, die die öffentliche Hand nicht alleine stemmen kann. Wir möchten Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, ins Boot holen:  Was jede und jeder Einzelne tun kann, um sein Hab und Gut und vielleicht sogar sein Leben zu schützen, erfahren Sie unter anderem auch auf unserem „Extremwettertag“ am 20. Juli, zu dem ich Sie heute schon herzlich einladen möchte!

Natürlich haben wir aber auch nicht nachgelassen in unseren Bemühungen um eine klimafreundlichere Mobilität: Laut unserer Haushaltsbefragung im vergangenen Jahr ist der sogenannte „Modal Split“, also der Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehr von 11 Prozent im Jahr 2007 auf 21 Prozent im Jahr 2023 gestiegen. Aus meiner Sicht zeigt das, dass es uns gelungen ist, unsere Stadt für den Radverkehr attraktiver zu machen (Anmerkung der Redaktion: An der Haushaltsbefragung haben 1750 von 10.000 angeschriebenen Haushalten teilgenommen, an der dazugehörigen offenen Befragung 700 von ca. 116.000). Wir haben ferner 2023 einen Energienutzungsplan auf den Weg gebracht und bei einem Informationsabend in der Stadthalle vorgestellt, bei dem Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, auch die Gelegenheit hatten, Ihre ganz individuellen Fragen etwa zum Heizungstausch oder zum Anschluss ans Fernwärmenetz loszuwerden. In diesem Jahr wird es weitere Möglichkeiten geben, sich umfassend zu informieren.

In Sachen Windkraft sind wir ebenfalls einen ansehnlichen Schritt weitergekommen. Im Sommer entschied der Gemeinderat unter anderem, den Regionalverband Neckar-Alb beim Erreichen der Flächenziele für Wind- und Solarenergie zu unterstützen und Möglichkeiten der interkommunalen Kooperation mit Nachbarkommunen zu prüfen. Auch dazu werden Sie 2024 noch mehr erfahren. Last but not least haben wir 2023 mehrere Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden in Betrieb genommen, darunter die Grundschule Rommelsbach und das Theater die Tonne.

Eines kann ich Ihnen heute schon versprechen: An unserem gemeinsamen Ziel, den Reutlingerinnen und Reutlingern von morgen eine lebenswerte Stadt zu hinterlassen, werden wir auch 2024 tatkräftig und motiviert weiterarbeiten! Die letzte Gemeinderatssitzung des Jahres krönte ein fast einmütiger Beschluss zur Verabschiedung eines Doppelhaushaltes, mit dem sich fast alle Fraktionen zum Wohl der Stadt und ihrer Bürgerschaft zusammengerauft und so die Weichen für ein zukunftsfähiges Reutlingen gestellt haben. Zusätzlich zu den bereits begonnenen Bauarbeiten an der Römerschanzschule stehen in den kommenden Monaten und Jahren unter anderem die Sanierung und Erweiterung der Sickenhäuser Friedrich-Silcher-Schule sowie Mensaerweiterung, Umbau und Sanierung der Eduard-Spranger-Schule auf dem Programm. Alleine die Schulsanierungen machen ein gutes Drittel unseres gesamten Hochbauetats aus. Für die noch Kleineren soll unter anderem neben dem bereits erwähnten Kinderhaus in Degerschlacht in den Kitas in der Ohmenhäuser Hasenbergstraße sowie in Bronnweiler eifrig gewerkelt werden.

Unsere Straßen und Brücken stellen einen weiteren großen Posten im Doppelhaushalt. Mit der Fortsetzung der Sanierung der Rommelsbacher Straße samt Tunnel und Lärmschutzwand, der Erneuerung der Betzinger Echazbrücke in der Hoffmannstraße und der Brücke Siemensstraße ist es dabei noch lange nicht getan.

Weil der Erhalt der städtischen Infrastruktur in engem Zusammenhang mit unseren Steuereinnahmen - allen voran mit den Gewerbesteuereinnahmen - steht, haben wir das vergangene Jahr unter anderem auch genutzt, haben wir im vergangenen Jahr unter anderem neue Leitlinien zur Gewerbeflächenentwicklung auf den Weg gebracht.

Auch mit unseren modernen Industriepark 4.0 – RTunlimited – geht es voran. Der Verkauf dreier Grundstücke auf dem ehemaligen Betz-Areal ist beschlossene Sache, voraussichtlich wird es schon in diesem Jahr erste Spatenstiche geben! Einen Spatenstich gibt es für die Biosphären-Markt- und Manufakturenhalle zwar nicht, aber das liegt lediglich daran, dass das Gebäude schon steht. Die Eröffnung in der Metzgerstraße können wir vielleicht sogar schon Ende dieses Jahres, spätestens aber Anfang nächsten Jahres miteinander feiern.

Diese ganz besondere Halle soll nicht nur die Innenstadt beleben, weswegen sie mit Mitteln aus dem Bundesförderprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ (kurz ZiZ) finanziert werden kann, sie ergänzt zugleich unsere Pläne, das Biosphärengebiet Schwäbische Alb auf große Teile der Innenstadt zu erweitern.

Als Mitgliedsstadt der ersten Stunde haben wir jetzt die Chance, unsere Flächenanteile von bislang 1520 um 3430 auf 4955 Hektar zu erweitern: Die Entscheidung, welche Flächen und Kommunen neu in das 2009 von der UNESCO zertifizierte Gebiet aufgenommen werden sollen, steht noch aus – aber wir wissen schon jetzt, dass wir auf einem guten Weg sind. Wenn alles klappt, liegen ab dem zweiten Quartal 2027 nicht nur die Kernstadt mit Landratsamt und Hochschule sowie Achalm und Hofgut Alteburg, sondern auch Teile von Sondelfingen und Betzingen sowie Ohmenhausen, Bronnweiler und Gönningen im Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Der Anteil des Gebiets an der Gesamtgemarkung steigt dann von bislang 17,5 auf 56,9 Prozent.

Ich persönlich brenne für die Erweiterung! Sie ist ein Pfund, mit dem nicht nur wir als Stadtverwaltung, sondern auch unsere Unternehmen, unsere Einzelhändler und Dienstleister wuchern können – und von dem letztlich die ganze Bürgerschaft profitiert!

Imagegewinn, Tourismus, Kooperationsmöglichkeiten für Unternehmen und Fördermittel sind nur einige der Pluspunkte. Und natürlich spielt dabei auch der Klimaschutz eine ganz entscheidende Rolle, Mir ist klar, liebe Reutlingerinnen und Reutlinger, dass Sie – vor allem, wenn Sie in der Innenstadt wohnen – bislang mit dem Begriff „Biosphärengebiet Schwäbische Alb“ noch nicht so viel anfangen können. Aber das soll sich schon bald ändern: Bei unserem Informationsabend am Mittwoch, 31. Januar, 18.30 Uhr, hier in der Stadthalle, zu dem ich Sie hiermit herzlich einlade, erfahren Sie mehr!

2024 werden wir aber noch weitere zukunftsweisende Projekte voranbringen. So fällt voraussichtlich noch in diesem Jahr die Entscheidung über die Innenstadttrasse für die Regional-Stadtbahn. Vor uns liegt nun der entscheidende Schritt, die Trassenvarianten so zu untersuchen, dass wir entscheidungsfähig werden, wo genau in Reutlingen die Regional-Stadtbahn nun fahren soll. Dieses Jahrhundertprojekt ist aus meiner Sicht eine weitere großartige Chance für unsere Stadt. Schon vor fast 200 Jahren schrieb Friedrich List, Reutlingens berühmter Sohn und Eisenbahnpionier: „Der wohlfeile, schnelle, sichere und regelmäßige Transport von Personen und Gütern ist einer der mächtigsten Hebel des (…) Wohlstandes und der Civilisation“.

Deshalb wird die Bahn nicht nur den Verkehr in unserer Stadt und in der gesamten Region auf ein ganz neues Niveau heben, sondern ihr auch ein ganz neues, zeitgemäßes Gesicht verleihen, weil sie ganz neue Möglichkeiten für die Stadtentwicklung eröffnet. Nicht zuletzt überzeugt mich aber auch die Gemeinsamkeit, von der dieses Projekt lebt. Unterschiedliche Kreise und Kommunen ziehen hier an einem Strang, um die Bahn ins Rollen zu bringen. Kurz vor Weihnachten gab es eine gemeinsame Sitzung der Gemeinderäte der Echazkommunen in den Pfullinger Hallen. Als stellvertretender Zweckverbands-Vorsitzender hatte ich die Ehre, diese Sitzung zu leiten – und ich muss sagen: Was ich hier an positivem „Fahrtwind“ mitgenommen habe, würde locker für drei Stadtbahnen reichen!

Dieser kommunale Schulterschluss ist es auch, der mich optimistisch stimmt für die nächsten Schritte auf dem Weg zur Verwirklichung eines weiteren Herzensprojekts: Die Bundesgartenschau 2039. Ein Großereignis „von allen für alle“ soll es werden, das die Stadt Reutlingen gemeinsam mit den „Echaz-Nachbarn“ Lichtenstein, Pfullingen, Wannweil, Kirchentellinsfurt und Eningen ausrichten wird. Auch hier stehen im Jahr 2024 wichtige Weichenstellungen auf dem Programm. Ende des Monats werde ich gemeinsam mit meinen Bürgermeisterkollegen aus den genannten Städten und Gemeinden aus mehreren viel versprechenden Bewerbern ein Büro auszusuchen, das für uns eine Machbarkeitsstudie erstellt:  Auf dieser Grundlage wollen wir entscheiden, ob wir uns für die „BuGa 2039“ bewerben oder nicht. Wir alle, liebe Bürgerinnen und Bürger, können gemeinsam unsere liebens- und lebenswerte Region einem riesigen Publikum aus ganz Deutschland nahebringen, wenn wir an einem Strang ziehen! Eine Bundesgartenschau ist heutzutage längst keine „Blümles-Olympiade mehr: Vielmehr eröffnet auch sie ganz neue Chancen für die Stadtentwicklung von morgen.

Zugegeben: Als Oberbürgermeister werde ich eine „BuGa 2039“ vermutlich nicht mehr eröffnen. Einer meiner Neujahrsvorsätze lautete aber, ab sofort so gesund zu leben, dass ich – dann 76-jährig – putzmunter als Gast an der Eröffnung teilnehme. Im Ernst: Gerade weil ich die Schau nicht mehr selbst eröffnen werde, betrachte ich es als eine meiner ehrenvollsten Aufgaben als Oberbürgermeister, gemeinsam mit Ihnen allen über den Tellerrand hinauszublicken und Antworten auf die Frage zu finden, wie wir - und nicht zuletzt auch unsere Kinder und Enkelkinder - in Zukunft leben wollen.

Und wenn ich sage, „gemeinsam mit Ihnen“, dann meine ich das auch genauso! Alle unsere Zukunftsprojekte leben letztlich davon, dass Sie alle, liebe Bürgerinnen und Bürger, sich tatkräftig einbringen – und teilweise, wie im Falle der Regionalstadt-Bahn oder den ZiZ-Projekten zur Wiederbelebung unserer Innenstadt und zur Unterstützung unserer gebeutelten Einzelhändler und Gastronomen – im vergangenen Jahr auch bereits tatkräftig eingebracht haben.

Unsere Stadtgesellschaft lebt von Menschen, die anpacken, statt zu bruddeln, Menschen, die sich für ihre Mitmenschen engagieren, Menschen, die ihre Stärken, ihr Wissen, ihre Werte, ihre Kreativität und ihre Ideen zur Verfügung stellen, um eine lebenswertere Stadt von morgen zu mitzugestalten. Diese Menschen sind es, die uns alle voranbringen – und von denen wir alle noch etwas lernen können.

Ohne ehrenamtliches Engagement sähe unsere Stadt um einiges trostloser aus. Ohne ehrenamtliches Engagement säße vielleicht manch einer heute gar nicht hier, denn Rettungssanitäter oder freiwillige Feuerwehrkameraden gäbe es nicht. Ohne ehrenamtliches Engagement gäbe es noch viel mehr Menschen ohne Wohnsitz, Menschen in völliger Isolation oder Menschen ohne eine vernünftige Mahlzeit am Tag.

Nicht zuletzt gäbe es gerade auch auf kommunaler Ebene keine wirklich demokratischen Entscheidungen mehr, denn auch die von Ihnen gewählten Mitglieder des Reutlinger Gemeinderats sind ehrenamtlich Engagierte. Jede und jeder hier im Saal kann aktiv etwas für unsere Demokratie tun, etwa indem er als Kandidat bei den Kommunalwahlen am 9.  Juni antritt. Schon zwei Wochen vorher, am 23. Mai, feiert unser deutsches Grundgesetz – und damit unsere Demokratie – 75. Geburtstag. Egal auf welcher Ebene, egal in welchem Bereich: Tun wir alle etwas dafür, dass diese ganz besondere „Jubilarin“ gesund und munter auch noch ihren 100. Geburtstag erleben darf!

Und vielleicht lassen wir uns dabei ein wenig von den versöhnlichen Worten einer ganz besonderen Frau inspirieren, die ein bisschen älter ist als unsere Demokratie: Margot Friedländer, 102-jährige Überlebende des Holocaust, beeindruckte mich im vergangenen Jahr mit den Worten: „Es gibt kein christliches, kein muslimisches, kein jüdisches Blut. Es ist alles menschliches Blut. Wir sind alle gleich. Ich glaube, dass in jedem Menschen irgendetwas Gutes ist. Nehmt das Gute raus, und vergesst das Schlechte! Es ist so einfach, Mensch zu sein!“

Worte, mit denen unsere vier eigentlichen Hauptpersonen der heutigen Veranstaltung sicherlich viel anfangen können (eine davon vielleicht sogar noch ein bisschen mehr): Ich bin stolz darauf, Frau Galina Lerner, Herrn Prof. Dr. Werner Grüninger, Herrn Helmut Kober und Herrn Professor Dr. Roland Wolf für ihr außerordentliches ehrenamtliches Engagement mit der Verdienstmedaille der Stadt Reutlingen auszeichnen zu dürfen.

Vorher hören wir aber noch vom „Yellow String Quartet“ mit Joseph Haydns Quintenquartett und „Alla Tarantella“ von Erwin Schulhoff. Und wenn ich „Yellow String Quartet“ sage, wissen die musikalischen „Feinschmeckerinnen und Feinschmecker“ unter Ihnen natürlich sofort, wer sich dahinter verbirgt: Vier Stimmführer der Streichergruppen der Württembergischen Philharmonie Reutlingen: Viel Vergnügen!

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