- Es gilt das gesprochene Wort -
Liebe Reutlinger Bürgerschaft,
verehrte Gäste!
Mit „Sway“ in der Version von Michael Bublé wiegt uns das Bosch Swing and Dance Orchestra unter der Leitung von Magnus Mehl schwungvoll ins noch junge Jahr, und wenn ich Sie nun getreu dem Liedtext auffordere: „bieg dich mit mir wie eine Blume im Wind“, wird sich so mancher unter Ihnen sicherlich sofort ans zurückliegende Jahr 2024 erinnert fühlen, in dem uns der – sprichwörtliche – Wind aus verschiedensten Richtungen mit unterschiedlichsten Stärken um die Ohren pfiff und uns so manches Mal zwang, uns stärker zu biegen und zu verrenken, als es uns lieb war.
Aber so hat das der Schöpfer dieses romantischen Stücks natürlich nicht gemeint, weswegen ich mich herzlich bei unseren Musikerinnen und Musikern für diesen stimmungsvollen Auftakt bedanke – wir dürfen später noch weitere Stücke von Ihnen genießen – und Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, ebenso herzlich zu unserem städtischen Bürgerempfang 2025 willkommen heiße!
Ich freue mich sehr über diese feierliche Gelegenheit, alljährlich am Dreikönigstag gemeinsam mit Ihnen, liebe Reutlingerinnen und Reutlinger, in ein neues Jahr aufzubrechen. Ein Jahr, von dem wir noch nicht viel wissen – außer, dass es mit ähnlich großen Herausforderungen aufwarten wird wie das vorangegangene! Herausforderungen, die wir nur gemeinsam meistern können. Herausforderungen, die wir zu einem großen Teil gar nicht beeinflussen können, sondern die uns aufgebürdet, die von außen an uns herangetragen und nichtsdestotrotz gemeistert werden wollen.
Natürlich ist es reiner Zufall, dass ich an dieser Stelle unsere heutigen Ehrengäste von Bund und Land begrüße:
Die Mitglieder des Bundestages: Herr Michael Donth und Frau Beate Müller-Gemmecke aus dem Wahlkreis Reutlingen.
Frau Staatsrätin und Oberbürgermeisterin a.D. Frau Barbara Bosch.
Das Mitglied des Landtages, Herrn Thomas Poreski aus dem Wahlkreis Reutlingen.
Die Stadträtinnen und Stadträte mit den Fraktionsvorsitzenden: Frau Gabriele Gaiser, Frau Katharina Ernst und Herrn Karsten Amann, Herrn Georg Leitenberger, Herrn Hans-Jörg Schrade, Herrn Helmut Treutlein (Geburtstag) sowie Herrn Rüdiger Weckmann und mit Ihnen alle weiteren gewählten Vertreterinnen und Vertreter in den Stadtbezirken einschließlich der Damen und Herren Bezirksbürgermeisterinnen und Bezirksbürgermeister.
Ich begrüße die Kolleginnen und Kollegen des Integrationsrats und des Jugendgemeinderats sowie die Mitglieder des Reutlinger Kreistags.
Aus unserer Nachbarschaft freue ich mich besonders über:
Herrn Oberbürgermeister Boris Palmer aus Tübingen, Frau Oberbürgermeisterin Carmen Haberstroh aus Metzingen, Herrn Oberbürgermeister Michael Bulander aus Mössingen, Herrn Bürgermeister Stefan Wörner aus Pfullingen, Herrn Bürgermeister Uwe Morgenstern aus Sonnenbühl, Herrn Bürgermeister Bernd Haug aus Kirchentellinsfurt, sowie Frau Bürgermeisterin Ulrike Holzbrecher aus Hayingen.
Ich begrüße sehr herzlich die Vertreter des Landkreises Reutlingen: Frau Erste Landesbeamtin Greta Schirmer-Förster sowie Herrn Verwaltungsdezernent Marius Pawlak
Und abschließend für die Abteilung Politik: Meine drei Bürgermeisterkollegen
Herrn Erster Bürgermeister Robert Hahn, Frau Bürgermeisterin Angela Weiskopf und Herrn Bürgermeister Roland Wintzen mit der gesamten Rathausmannschaft.
Als besonderen Gast begrüße ich den ehemaligen Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Herrn Prof. Dr. Ferdinand Kirchhof.
Als Vertreter der Kirchen: Herrn Dekan Hermann Friedl von der katholischen Kirche sowie die Vorsitzende der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Reutlingen Frau Dr. Heike von Raven.
Alle Vertretungen unserer breiten Bildungslandschaft, von den Schulen in städtischer Trägerschaft zu den berufsbildenden Schulen, über die Fachschulen und Hochschulen, vhs und Fachseminare; Stellvertretend für alle:
- Den Rektor der Theologischen Hochschule Reutlingen, Herrn Prof. Christof Voigt,
- Den Geschäftsführenden Schulleiter der Reutlinger Gymnasien, Herr Dr. Günther Ernst sowie
- Den Geschäftsführenden Schulleiter für die Sekundarstufe, Herr Stefan Hochgreve
Ich begrüße alle Vertretungen der Reutlingen Unternehmen, weiteren Behörden und der Gewerkschaften - stellvertretend:
- Den neu gewählten Präsidenten der Handwerkskammer Herr Alexander Wälde
- Den Kreishandwerksmeister Steffen Mohl
- Die Leitende Regierungsdirektorin des Finanzamtes Reutlingen, Frau Sigrid Hilberath
- Den Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Reutlingen, Herrn Markus Nill sowie
- Den Regionssekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Herr Tobias Kaphegyi sowie den Bezirksgeschäftsführer von ver.di Bezirk Neckar-Fils, Herrn Benjamin Stein
und mit ihnen die Geschäftsführer/-innen unserer städtischen Tochterunternehmen.
Besonders begrüßen möchte ich von der IHK, Herrn Prof. Dr. Markus Nawroth, den Geschäftsführer der Standortagentur Tübingen Reutlingen Zollernalb.
Bankinstitute sind aus unserer Stadtgesellschaft nicht wegzudenken. Ich begrüße
- Herrn Michael Bläsius von der Kreissparkasse Reutlingen,
- Herrn Thomas Krätschmer und Herrn Holger Hummel von der Vereinigte Volksbanken eG sowie
- Herrn Mario Schimanke von der Deutschen Bank
Stellvertretend für alle, die auf die öffentliche Sicherheit achten und im Notfall für uns da sind begrüße ich: Den Präsidenten des Poizeipräsidiums Reutlingen Herr Udo Vogel und den Leitenden Kriminaldirektor des Polizeipräsidiums Herr Michael Simmendinger sowie alle Vertreterinnen und Vertreter unserer Sicherheits- und Rettungsorganisationen.
Als weiteren besonderen Gast begrüße ich den Präsidenten des Schwäbischen Albvereins, Herrn Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß.
Ich begrüße alle Vertreterinnen und Vertreter der Medien und besonders begrüßen möchte ich die Familie Berger von der Vollkornbäckerei Berger, die es sich auch dieses Jahr nicht hat nehmen lassen, uns die vielen tausend Stückchen Backwaren zu spenden, die wir im Anschluss genießen dürfen. Herzlichen Dank, Familie Berger!
Zu guter Letzt geht mein herzlicher Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung und der Stadthalle Reutlingen GmbH, ohne deren Einsatz dieser heutige Bürgerempfang nicht möglich gewesen wäre.
Meine Damen und Herren, die eigentlichen Hauptpersonen des heutigen Tages sind ebenfalls Reutlingerinnen (1) und Reutlinger (2), darüber hinaus haben sie sich aber durch jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement für ihre Stadt und ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger verdient gemacht: Herzlich willkommen, Birgit Groner, Otto Haug und Ira Wallet, von Ihnen hören wir später noch mehr!
Menschen wie Sie haben unser Reutlingen zu dem gemacht, was es heute ist. Und wenn nun einige von Ihnen grummeln, insgesamt sei das Ergebnis doch wohl überschaubar, dann entgegne ich freundlich, aber bestimmt: Herzlich willkommen in „Mein Bruddel-lingen!“
Wie Sie wissen, haben wir die ganz besondere, bisweilen durchaus an Hassliebe grenzende Einstellung der Reutlingerinnen und Reutlinger im vergangenen Jahr zum Gegenstand einer Marketingkampagne gemacht – mit bundesweiter Aufmerksamkeit. Über das große überregionale Interesse hinaus hat es mich persönlich tief berührt, dass inzwischen weit über 400 Menschen ihre individuellen Liebesgeschichten auf der zur Kampagne gehörenden Internetseite hinterlassen haben. „Reutlingen kann nicht mögen. Nur lieben!“ hat einen Nerv getroffen. In diesem Jahr werden Sie noch mehr davon hören!
„Das Reu in Reutlingen steht für bereuen“, lautete einer der äußerst provokanten Sprüche der Plakatkampagne. Nun, für mich gilt das ganz sicher nicht. Ich bereue nicht, dass ich im mittlerweile sechsten Jahr Ihr Oberbürgermeister bin. Als Oberhaupt der einzigen Stadt, deren Oberhaupt ich jemals sein wollte und immer noch will, weil sie meine Heimatstadt ist, habe ich zwar keine einfachen Aufgaben. Aber es ist das einzige Amt, das ich ausfüllen will.
Zusammen haben wir im vergangenen Jahr vieles erreicht. Und wenn ich „zusammen“ sage, meine ich immer Sie, die Bürgerschaft, den Gemeinderat und die Stadtverwaltung. Wir haben in vielen Bereichen an einem Strang gezogen. Wenn wir nun gemeinsam in das neue Jahr aufbrechen, dann wünsche ich mir von Herzen, dass wir das auch weiterhin tun!
Beim Blick zurück auf das Jahr 2024 drängen sich einige Punkte auf, in die wir, die Stadtverwaltung Reutlingen, in den zurückliegenden zwölf Monaten viel Zeit, Kreativität, Herzblut - und nicht zuletzt auch Geld investiert haben. Alle diese Themen, das kann ich jetzt schon voraussagen, werden uns natürlich auch im neuen Jahr auf Trab halten, denn aktuelle Entwicklungen scheren sich bekanntlich nicht darum, dass der Kalender 2024 vor sechs Tagen im Altpapier gelandet ist.
Ganz oben auf unserer Agenda des vergangenen und auch des kommenden Jahres: die Transformation unserer Innenstadt. Schon vor der Corona-Pandemie zeichnete sich ein folgenschwerer Trend ab: Immer mehr Menschen bestellten Waren per Mausklick von der heimischen Couch aus, unsere Einzelhändler hatten das Nachsehen. Während der Pandemie verstärkte sich dieser Trend. Unserer Innenstadt ging es dennoch vergleichsweise gut: 2023 strömten 7,9 Millionen Menschen in die Fußgängerzone – 300.000 mehr als 2019, dem Jahr vor der Pandemie. 2024 waren es sogar noch einmal mehr.
Als innerhalb kürzester Zeit die Nachricht von der Galeria-Kaufhof-Schließung sowie das angekündigte Breuninger-Aus die Stadtgesellschaft und das Rathaus erschütterten, haben wir dennoch rasch reagiert. Viele Maßnahmen aus unserem 16-Punkte-Programm zur Stärkung der Innenstadt haben wir zum Jahresende 2024 bereits umgesetzt.
Zu unseren „16 Vitaminen“ – wie wir die Maßnahmen gerne nennen – zählen beispielsweise der Gratis-Busverkehr und die neue Ringbuslinie um die Altstadt an den Samstagen, die kostenlose zweite Stunde Parken in unseren städtischen Tiefgaragen sowie mehr Sauberkeit und mehr Sicherheit in der Innenstadt. Ein gutes Dreivierteljahr nach dem Start unseres Maßnahmenpakets kann ich bilanzieren: Es sind nicht nur die nackten Zahlen, die unser Vorgehen bestätigen.
Oft werde ich auch persönlich aus der Bürgerschaft heraus und von verschiedenen Innenstadt-Akteuren darauf angesprochen, wie gut die einzelnen „Vitamine“ unserem Reutlingen tun. Ich kann Ihnen versichern: Wir bleiben dran!
Eine weitere große Herausforderung des zurückliegenden Jahres – die uns auch in den kommenden Jahren ordentlich auf Trab halten wird – war die Klimafolgenanpassung. Was es mit dieser etwas sperrigen Formulierung auf sich hat, hat sicherlich jeder von uns schon einmal am eigenen Leib erfahren müssen: Riesige Regenwassermengen oder überdimensionale Hagelkörner, die alles bedrohen, was uns lieb und teuer ist, sind nur zwei von vielen erschreckenden Begleiterscheinungen des Klimawandels.
Klar ist: Wir werden diesen Wandel nicht mehr aufhalten können, aber wir können einiges tun, um unsere Stadt und die Menschen darin besser davor schützen zu können. Und das tun wir auch bereits:
Bei unserem „ersten Reutlinger Extremwettertag“ im Juli haben wir umfassend darüber informiert, wie wir unsere Bürgerinnen und Bürger sowie deren Hab und Gut schützen – aber auch darüber, was jede und jeder selbst tun kann, um sich und seine Lieben vor schlimmeren Schäden zu bewahren. Drangeblieben sind wir überdies an der Umsetzung unseres Hochwasserschutzkonzeptes, im vergangenen Jahr etwa mit dem Baubeginn der neuen Echazbrücke in Betzingen. Und wie sich bei dem Starkregen gezeigt hat, der kurz vor dem feierlichen Baggerbiss vom Himmel stürzte, können wir mit den vorangegangenen Maßnahmen entlang der Echaz auch schon erste Erfolge verbuchen!
Natürlich haben wir weitere Ideen, um dem Klimawandel entschieden entgegenzutreten, soweit es eben in unserer Macht liegt. Die zunehmende Überhitzung, auch unserer Reutlinger Innenstadt, versuchen wir mit einem deutlichen Mehr an „Grün“ entgegenzuwirken.
Dazu gehört unter anderem das im vergangenen Jahr erarbeitete Baumkonzept, das vorsieht, zahlreiche leere Baumquartiere im gesamten Stadtgebiet neu zu bepflanzen, aber auch neue zu schaffen. Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, können sich aktiv daran beteiligen: Mehr dazu erfahren Sie im Internet unter www.reutlingen.de/baumspende.
Im September vergangenen Jahres haben wir einen ersten Spendenbaum in Oferdingen gepflanzt, der 80-jährige Spender (Dr. Reinhard Müth) gab mir damals eindrückliche Worte mit auf den Weg, die ich gerne zitiere: „Wir alle sollten sämtliche Anstrengungen unternehmen, um unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten und unserer Verantwortung für die nachfolgenden Generationen gerecht zu werden“. Dem ist von meiner Seite aus nur wenig hinzuzufügen, außer: Wir werden definitiv viele weitere Bäume pflanzen. Auch auf dem Marktplatz - und auch, wenn das dem einen oder anderen nicht so gut gefällt. Der Marktplatz gehört der Reutlinger Bürgerschaft, dabei bleibe ich auch in diesem Jahr!
Darüber hinaus haben uns viele andere Themen beschäftigt, die unsere Stadt wie ein Räderwerk am Laufen hielten und in den kommenden Jahren am Laufen halten werden. Auf dem Weg zu einer interkommunalen Bundesgartenschau 2039, zur Erweiterung unseres Anteils im Biosphärengebiet, zur Realisierung der Regional-Stadtbahn und zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums – einem meiner großen persönlichen Herzanliegen - sind wir in den vergangenen zwölf Monaten so manchen großen Schritt vorangekommen. So viele Spatenstiche wie in diesem Jahre hatte ich noch nie in meinem Terminkalender stehen! Wenn Sie diese und viele andere Ereignisse des Jahres 2024 noch einmal in Ruhe Revue passieren lassen möchten, können Sie das gerne tun: Der Jahresrückblick unseres städtischen Amts für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit liegt heute im neuen, frischen „nurlieben“-Design in der Stadthalle erstmals öffentlich aus – nehmen Sie sich gerne ein Exemplar mit nach Hause!
Dass es auch den einen oder anderen Rückschlag gegeben hat, will ich gar nicht verhehlen. Gewissermaßen auf den letzten Metern des Jahres 2024 mussten unsere ohnehin schon nicht gerade rosigen städtischen Finanzen einen erneuten Tiefschlag hinnehmen:
Wir waren und sind auf einem guten Weg, was die Konsolidierung der städtischen Finanzen anbelangt, dies hat uns sogar der Regierungspräsident bescheinigt und mittlerweile fragen uns andere Kommunen um Rat, wie erfolgreich konsolidiert werden kann.
Die letzte Steuerschätzung und der Haushaltserlass des Landes zwingen die allermeisten Städte und Gemeinden im Land, so auch die Reutlinger Stadtverwaltung und den Gemeinderat aber, sich künftig noch stärker darauf zu konzentrieren, „dringlich“ und „wichtig“ nicht zu verwechseln, wenn es um die Planung von Investitionen geht. Statt sich über die vielen kleinen und manches große erreichte Ziel zu freuen, die gemeinsam erreicht werden konnten, sah sich der Gemeinderat gezwungen, in der letzten Sitzung dieses ereignisreichen Jahres eine Haushaltssperre zu beschließen. Und statt unbeschwert ins neue Jahr zu starten, werden sich die Stadträtinnen und Stadträte in den kommenden Wochen wenig vergnügungssteuerpflichtig erst einmal einem Nachtragshaushalt widmen müssen.
Darauf, dass uns rund 13 Millionen Euro vor allem an Schlüsselzuweisungen des Bundes und des Landes fehlen werden, haben wir ebenso wenig Einfluss wie auf die Grundsteuerreform und speziell das baden-württembergische „modifizierte Bodenwertmodell“ – das in der letzten Gemeinderatssitzung des Jahres durchaus auch unflätigere Beinamen erntete, denen ich gar nicht allzu laut widersprechen kann.
Der haarsträubenden Idee unserer Landesregierung, rund 2,5 Millionen baden-württembergische Hausbesitzer kurzerhand zu unfreiwilligen Feierabend-Finanzbeamten zu ernennen, folgte – um es diplomatisch auszudrücken – ein mehr als unbefriedigendes Ergebnis.
Doch wir, die Städte und Gemeinden, dürfen die Folgen am Ende ausbaden. Durch die erwartete Aufkommensneutralität haben wir keinen Cent mehr in der Stadtkasse, dafür aber den Aufwand und den Ärger. Wenn Sie, liebe Reutlinger Häuslebesitzerinnen und Häuslebesitzer, also in einigen Wochen Ihren Grundsteuerbescheid aus dem Briefkasten holen, denken Sie bitte daran: Diese Reform hat nicht die Stadt Reutlingen verbrochen!
Auch wenn wir die zusätzlichen Mittel, die wir durch eine moderate Erhöhung der Grundsteuer B erwirtschaftet hätten, durchaus gut hätten gebrauchen können. Die Löcher, die pikanterweise oftmals auch durch von Bund und Land auferlegte Pflichtaufgaben in die kommunalen Finanzen gerissen werden, auf diese Weise zu stopfen – die eine oder andere Kommune hat die Gelegenheit genutzt. Reutlingen nicht: Auf einen großen Teil der Bürgerschaft wollten wir unsere finanziellen Probleme nicht abwälzen, da war sich die Mehrheit des Gemeinderats mit der Verwaltungsspitze einig.
Und so bleibt uns eben nur ein neuerlicher schmerzhafter Konsolidierungskurs, dem wir uns gemeinsam stellen werden: zugunsten unserer Stadt, unserer Bürgerschaft und der vielen Generationen von Reutlingerinnen und Reutlingern, die nach uns kommen!
Ebenfalls auf den letzten Metern des alten Jahres hat uns die Hiobsbotschaft erreicht, dass die Manz AG Insolvenz beantragen musste. Die Notlage des börsennotierten Global Players mit weltweit rund 1.200 Arbeitsplätzen - davon 417 in Reutlingen und Tübingen - trifft uns hart. Dennoch glaube ich weiterhin an den Wirtschaftsstandort Reutlingen. In unserem modernen Dienstleistungspark RT-Unlimited tut sich derzeit einiges: Ich bin überzeugt, dass ich Ihnen noch in diesem Jahr Näheres berichten kann. Und auch die gewaltigen Summen, die die Porsche AG in die hier ansässige Cell Force Group investiert, stimmen mich hoffnungsfroh.
Über eine städtische Investition, für die wir uns in Anbetracht der Höhe gewiss nicht leichtfertig entschieden haben, bin ich spätestens seit dem 20. Dezember ebenfalls froh. Die entsetzliche Nachricht vom Attentat auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt mit sechs Toten und über 200 Verletzten ereilte uns bei der Jahresschlussfeier mit den amtierenden und ehemaligen Gemeinderats- und Bezirksgemeinderatsmitgliedern in der Rommelsbacher Wittumhalle. Die Stadtverwaltung hat erstmals im vergangenen Jahr an verschiedenen Stellen auf dem Weihnachtsmarkt mobile Sperren aufgestellt. Die Anschaffung dieses Sicherheitssystems, das Ihnen sicherlich beim Weihnachtsmarktbummel aufgefallen ist, war nicht ganz billig und wird in diesem Jahr noch durch weitere Elemente ergänzt. Aber wir mussten leider einmal mehr zur Kenntnis nehmen, dass solche Investitionen in die Sicherheit unserer Bürgerschaft auch weiterhin dringend erforderlich bleiben. Meine Anteilnahme gilt den Angehörigen der Magdeburger Opfer und auch den Kolleginnen und Kollegen der dortigen Stadtverwaltung.
Liebe Bürgerinnen und Bürger, Nachrichten wie diese tragen sicherlich nicht dazu bei, dass das Jahr 2024 in guter Erinnerung bleibt. Viele Deutsche, so habe ich kürzlich gelesen, hatten von den vergangenen zwölf Monaten derart die Nase voll, dass sie sich nicht einmal mehr die normalerweise recht beliebten Jahresrückblicke im Fernsehen anschauen wollten. Unter anderem zog das geneigte Fernseh-Publikum den „Zürich-Krimi“ im Ersten dem Jahresrückblick von „Markus Lanz“ bei Weitem vor, und auch den RTL-Rückblick wollten lediglich bescheidene 1,8 Millionen sehen. Größeren Zulaufs erfreute sich einzig die Rückschau des Satirikers Dieter Nuhr. Das sagt schon einiges aus. 2024 – in den Augen vieler Menschen ein Jahr zum Abhaken?
Sich in diesem „Bruddel“-Modus einzurichten, bringt uns mit Blick auf die Herausforderungen der kommenden zwölf Monate nicht weiter. Zuversicht ist in diesen Tagen ein viel strapaziertes Wort. Dennoch sollten wir uns auf das Gute besinnen, das wir hier – speziell in Baden-Württemberg und auch in Reutlingen – immer noch haben: frei nach der Jahreslosung der Evangelischen Kirche, „Prüft alles und behaltet das Gute!“ (1. Thessalonicher 5,21).
Nicht nur angesichts von Desinformationskampangen und populistischen Zuspitzungen ist es doch wichtiger denn je, Informationen und Meinungen auf den Prüfstand zu stellen und auch im Hinblick auf die eigene Lebensgestaltung könnte diese Jahreslosung einen Impuls geben.
Es wird in diesem Jahr viele Neuanfänge geben – angefangen mit der vorgezogenen Bundestagswahl am 23. Februar. Vieles wird sich verändern, nicht alles unbedingt zum Guten. Doch wir alle haben einen Einfluss auf diese Veränderungen. Wir alle können uns engagieren für die Anliegen, die uns am Herzen liegen. Wir alle können die Ärmel hochkrempeln und anpacken, um Veränderungen herbeizuführen. Wir alle können Lust machen auf die Zukunft unseres Landes und unserer Stadt. Und wir können: zusammenhalten. Solidarisch sein, uns einsetzen für jene, die unsere Hilfe brauchen, für unsere Umgebung und für unsere Lebensgrundlagen. So wie die Frau und die beiden Männer, die ich nach dem nächsten Musikstück auszeichnen werde. Nehmen wir uns ein Beispiel und halten wir es im Übrigen wie Albert Einstein: „Wenn’s alte Jahr erfolgreich war, dann freue dich aufs Neue. Und war es schlecht, ja dann erst recht.“
Ich wünsche Ihnen ein gutes, gesundes und friedvolles neue Jahr 2025 und freue mich nun auf „Mack the Knife“ mit dem Bosch Swing & Dance Orchestra unter der Leitung von Magnus Mehl!
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!