Rede zum Schwörtag 2026

- Es gilt das gesprochene Wort -

Liebe Reutlingerinnen,
liebe Reutlinger,
liebe Ehrengäste und Mitwirkende!

„Gib mir nature, gib mir city, gib mir alles, was ich will;
Liebe auf den zweiten Blick, und dann Schmetterlingsgefühl;
gib mir Weindorf, gib mir Club, gib mir alles, was ich will;
Du bist wie ich: nicht perfekt, bisschen schüchtern – aber echt!“

Wenn Sie in den vergangenen Monaten häufiger in der Stadt unterwegs waren, wissen Sie natürlich, was ich hier zitiere, und Sie könnten mühelos mit mir in den Refrain einstimmen – „sehr, sehr chill und lässig“.

Falls Sie jetzt aber denken sollten, ich hätte eventuell schon zu lange in der Sonne gestanden, möchte ich Ihnen ans Herz legen, Ihre kleine Bildungslücke rasch zu schließen, denn diese melodisch gerappte Ode an unser Reutlingen ist ein echter Ohrwurm, und es gibt ein tolles Video dazu, in dem unterschiedlichste Akteurinnen und Akteure unserer Stadt ausgelassen feiern und tanzen – sehr, sehr chill und lässig, eben.

Ich selbst hätte es vielleicht nicht ganz so ausgedrückt, aber ich finde, der Song fasst sehr schön zusammen, was unser Reutlingen ausmacht, und besonders bei einer Zeile kriege ich regelmäßig Gänsehaut:

„Schatz, eine Sache bleibt für immer, das versprech ich dir:
Das Gefühl, wenn Du die Achalm siehst, bist du bald bei mir!“

Dieses Gefühl kennt doch jede Reutlingerin und jeder Reutlinger, oder nicht?

Manch eine von Ihnen hat wahrscheinlich sogar bei der Entstehung dieses Songs mitgewirkt, denn er basiert auf einer Telefon-Aktion, die unsere kreative Tochter StaRT initiiert hat. Den jungen Mann, der Reutlingen „sehr, sehr chill und lässig“ findet, gibt es wirklich! Seine telefonische Liebeserklärung ist gewissermaßen der Soundtrack für unsere neue Stadtmarke – und damit für die Weiterentwicklung unserer Marketingkampagne, die vor zwei Jahren bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hat. Ich sage nur: „Unser Herzschlag-lingen!“

Der Grundgedanke dahinter liegt auf der Hand: Reutlingen ist, was wir draus machen. Und ich finde, das, was wir draus machen, kann sich in vielen Bereichen durchaus sehen lassen. Das gilt für Sie, die Bürgerinnen und Bürger, genauso wie für unsere Stadträtinnen und Stadträte sowie für alle, die sich hier in unserer Stadt ehrenamtlich engagieren. Das gilt für die Innenstadtakteurinnen und –akteure genauso wie für alle Aktiven in unseren zwölf Stadtbezirken. Das gilt für unsere Global Player ebenso wie für unsere Hidden Champions. Nicht zuletzt gilt das auch für meine Kolleginnen und Kollegen von der Stadtverwaltung. Und ich hoffe, Sie können mir wenigstens ein bisschen zustimmen, wenn ich sage, es gilt auch für mich.

Zugegeben! Die Rahmenbedingungen für „Reutlingen ist, was wir draus machen“, waren schon mal besser. In der Chefetage des Rathauses waren es in den vergangenen sieben Jahren weniger die Macherqualitäten, die gefragt waren, sondern vor allem das Händchen fürs Krisenmanagement. Ob Finanzkrise oder Corona-Pandemie, Ukrainekrise, Flüchtlingskrise, Energiekrise – eigentlich hat es immer irgendwo „gebrannt“. Auf der Welt, in Deutschland – und damit zwangsläufig hier in unserer Stadt.

300 Jahre nach dem großen Stadtbrand von 1726 brennt es in Reutlingen wieder. Sinnbildlich, aber auch ganz handfest und mit teilweise verheerenden Folgen. Tausende saßen nach dem heimtückischen Brandanschlag aufs Umspannwerk im Industriegebiet Mark West stundenlang im Dunkeln, das Klinikum geriet in Nöte, Unternehmen waren zur mehrtägigen Zwangspause verdammt. Und die Stuttgarter Zeitung schrieb in ihrem Newsletter in Anspielung auf den Blackout in Berlin: „Die gute Nachricht bei allem Tohuwabohu: Der Reutlinger Oberbürgermeister Thomas Keck (SPD) war am Montag in der Frühe nicht Tennisspielen, während tausende seiner Mitbürger damit zurechtkommen mussten, dass die Stromzufuhr unterbrochen war. (Keck hat sich im Unterschied zu seinem Berliner Kollegen Kai Wegner (CDU) vorbildlich verhalten und den Innenminister Manuel Hagel über das Ausmaß des Debakels informiert).“ Keine zwei Wochen später war gerade beim Public Viewing in der VHS mit Delegation aus unserer Partnerstadt Bouaké, Elfenbeinküste, der Schlusspfiff beim Spiel Deutschland – Elfenbeinküste gefallen, als in der Kanzleistraße unvermittelt Flammen aus dem Dach eines Altbaus schlugen. Der erschwerte, dafür aber umso beherztere Einsatz unserer Feuerwehr in den engen und noch von den letzten Stadtfest-Schwärmern besiedelten Altstadtgassen dürfte uns allen noch lange in Erinnerung bleiben.

Noch mal eine Woche später: Großbrand in einem Recycling-Betrieb im Industriegebiet Mark West bei 42 Grad im Schatten. Die betroffene Halle lag am Ende in Schutt und Asche, der Unternehmer war am Boden zerstört, aber immerhin konnten über 140 Einsatzkräfte Schlimmeres – wie etwa ein Übergreifen der Flammen auf weitere Betriebe in der Nachbarschaft – verhindern. Als ich - selbst schweißüberströmt - vor Ort den schweißtreibenden Einsatz der Helferinnen und Helfer würdigte, erkundigte sich unser Feuerwehrkommandant nur halb im Scherz bei mir, ob unser Jahresmotto „Reutlingen brennt“ wirklich so gut gewählt war.

Besagtes Jahresmotto bezieht sich natürlich auf das Gedenkjahr des großen Stadtbrands vor 300 Jahren. Die brennende Kerze im Hause des Schusters Friedrich Dürr, die im September 1726 innerhalb von nur zwei Tagen vier Fünftel der Stadt in Schutt und Asche legte und 1200 Familien obdachlos machte, hat – wie ich finde – im kollektiven Gedächtnis unserer Stadt Spuren hinterlassen und uns, die Reutlingerinnen und Reutlinger, bis heute geprägt. Rund um die Erinnerung an diese schreckliche Katastrophe und ihre Opfer bieten wir eine Reihe von Veranstaltungen an, die ich Ihnen wärmstens an Herz legen möchte. Darunter „Feuereifer“, eine einzigartige Show von CASA MAGICA, die vom 19. September bis zum 3. Oktober in der Marienkirche zu erleben ist. Und natürlich auch „Aus der Asche - eine szenisch-multimediale Annäherung an eine Katastrophe“ am 26. September, ebenfalls in der Marienkirche. Beim gestrigen Schwörtags-Vorabend gab’s mit einer feurigen Show der Künstlergruppe Ancalima einen kleinen Vorgeschmack auf diese und weitere Stadtbrand-Events.

„Reutlingen brennt“ passt 300 Jahre nach dem Stadtbrand aber auch im übertragenen Sinne auf unsere Situation, die man durchaus mit „Reutlingen ist abgebrannt“ überschreiben könnte – jedenfalls mit Blick auf die städtischen Finanzen.

Das gilt natürlich nicht nur für uns: Mit einem Defizit von fast 32 Milliarden Euro hat sich die Haushaltskrise der Kommunen in Deutschland 2025 weiter verschärft – laut kommunalem Finanzreport der Bertelsmann-Stiftung der höchste Fehlbetrag in der Geschichte der Städte, Landkreise und Gemeinden. Die Gesamtverschuldung klettert damit auf fast 200 Milliarden Euro. Und weil das so ist, haben sich am 22. Juni rund 1.500 Kommunen mit insgesamt 2.000 Aktionen am Aktionstag „Kommunen am Limit“ beteiligt. Die Bandbreite reichte dabei von Social-Media-Posts über Fotoaktionen bis hin zu größeren Veranstaltungen und Kundgebungen. Eine der – wie ich finde – charmantesten Aktionen war übrigens in unserer Nachbargemeinde Eningen zu bestaunen, wo der Kollege Sindek im guten dunklen Anzug ins Freibadbecken stieg, um deutlich zu machen: „Unsere Kommunen gehen baden!“

Ich selbst habe mich ebenfalls mit einem Video auf meinem Instagram-Kanal „Einfach.nur.Keck“ beteiligt. Hoffen Sie gemeinsam mit mir, dass unsere Appelle beim Bund und beim Land nicht ungehört verhallen!

Erste Signale haben wir schon erhalten: Kurz nach dem Aktionstag kam die Ministerpräsidentenkonferenz mit dem Bundeskanzler zusammen. Das wichtigste Ergebnis dieser Zusammenkunft: Erstmals erkennt der Bund das Prinzip der Veranlassungkonnexität grundsätzlich an. Das bedeutet auf Deutsch: „Wer bestellt, bezahlt“, und was passiert, wenn der Besteller nicht zahlt, konnten Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, in den vergangenen Wochen sehr schön am eigenen Leib erleben. Um nur eins von vielen Beispielen zu nennen: Hundekotbeutel. Nach dem ersten Sturm der Entrüstung, der sich nach der geldmangelbedingten Abschaffung der Tüten und dem Abbau der dazu gehörigen Mülleimer unter anderem in Briefen, Social-Media-Beiträgen und Petitionen über uns ergoss, habe ich veranlasst, dass zumindest die Mülleimer wieder angebracht werden.

Sie können es mir ruhig glauben, liebe Reutlingerinnen und Reutlinger: Weder ich noch meine Kolleginnen und Kollegen von der Stadtverwaltung, haben ein Interesse daran, Ihnen oder Ihren Fellnasen das Leben zu erschweren, lieb gewonnene Standards herunterzufahren oder bislang als selbstverständlich hingenommene Dienstleistungen und Angebote abzuschaffen, die doch eigentlich dazu da sein sollten, unsere Stadt lebens- und liebenswerter zu machen – für uns alle! Ja, auch ich finde es wichtig, dass unser Nachwuchs weiterhin in unseren Lehrschwimmbecken schwimmen lernen kann, um ein weiteres Beispiel zu nennen, das in den vergangenen Wochen die Schlagzeilen bestimmte. Und trotzdem wird es weiterhin in Ihrem Alltag spürbar sein, dass Ihre Heimatstadt wie die meisten anderen auch auf dem letzten Loch pfeift. Wenn Sie das nicht wollen, wenden Sie sich doch gerne mal an jene, die seit Jahren neue Leistungs- und Rechtsansprüche schaffen, deren Finanzierung zum Großteil bei den Städten, Kreisen und Gemeinden verbleibt – einige Vertreter von Bund und Land sind ja heute da.

Selbstverständlich erkennen wir erste Bemühungen an und bedanken uns dafür: Aus dem „Sondervermögen“, aus dem wir 66 Millionen Euro, verteilt auf zwölf Jahre, erhalten, haben wir mit spitzem Bleistift und jeder Menge Hirnschmalz das Beste für unsere Schulen rausgeholt. Der Tropfen auf den heißen Stein wird aber nicht ausreichen, es bedarf tiefgreifender struktureller Veränderungen, um die kommunalen Haushalte dauerhaft auskömmlich zu finanzieren.

Wir tragen dazu bei, was wir können: Kreativität, beispielsweise. Die angestrebte Gründung einer Bildungsinfrastrukturgesellschaft – kurz BIG – etwa soll die dringend erforderlichen Sanierungen unserer teils mehr als maroden Schulen sicherstellen und wird außerhalb der Stadtgrenzen interessiert verfolgt. Wer weiß, vielleicht schaffen wir damit hier in Reutlingen ein Vorbild fürs ganze Land!

Eine deutlich kleinere, aber hoffentlich ähnlich effektive Maßnahme werden Sie schon bald in der Bahnhofsgegend erleben. Nachdem mir viele Bürgerinnen und Bürger vom Verlust des Sicherheitsgefühls berichteten, habe ich mich persönlich für die Videoüberwachung am Listplatz eingesetzt – die Unterstützung unserer hiesigen Polizei war dabei, gelinde gesagt, überschaubar. Nun kümmern wir als Stadt uns darum, dass Sie sich wieder sicherer fühlen können!

Wir haben in den vergangenen Wochen und Monaten überdies die Weichen gestellt für manch größeres Vorhaben, von dem Sie, die Bürgerinnen und Bürger, aber auch Ihre Kinder und Enkel ungemein profitieren können. Unter anderem entscheidet unser Gemeinderat am 23. Juli darüber, ob sich die Stadt Reutlingen gemeinsam mit den „Echaz-Nachbarn“ Lichtenstein, Pfullingen, Eningen, Wannweil und Kirchentellinsfurt für die Ausrichtung der Bundesgartenschau 2039 bewerben wird. Mit mir und der Stadtverwaltung sind nach der Erstellung der Machbarkeitsstudie hier bei uns im Rathaus auch viele Global Player, Hidden Champions und Institutionen wie die IHK der Auffassung, dass die BUGA eine einzigartige Chance für die Stadt und die Region darstellt! Das Land Baden-Württemberg jedenfalls hat uns ebenfalls bereits seine Unterstützung zugesagt, die neue Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat, Marion Gentges, lässt sich in der kommenden Woche von uns über die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie informieren. Sollten der Gemeinderat der Stadt Reutlingen sowie die Gemeinderäte der beteiligten Kommunen der Bewerbung zustimmen, könnten wir schon Ende dieses Jahres den Zuschlag von der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft erhalten.

Darauf, dass wir in relativ kurzer Zeit so weit gekommen sind, bin ich schon ein bisschen stolz. Diese besondere Art der interkommunalen Zusammenarbeit ist, auf gut schwäbisch gesagt, „auf meinem Mist gewachsen“. Aber dort konnte sie natürlich nur keimen und erblühen, weil meine fünf Bürgermeisterkollegen so weitsichtig und zukunftsorientiert waren, ebenfalls zu erkennen, was dieses Großereignis uns allen bringen wird. Ich bin gespannt auf die Abstimmungsergebnisse und freue mich darauf, die interkommunale Zusammenarbeit vielleicht auch in anderen Bereichen miteinander weiterzuentwickeln!

Eine zentrale Rolle bei der Bundesgartenschau 2039 wird dann auch die „Biosphärenstadt Reutlingen“ spielen. Wie Sie wissen, hat sich die Stadt Reutlingen (auf mein Betreiben) um eine Erweiterung ihrer Biosphärengebietsflächen beworben. Mit der rechtskräftigen Verordnung des Umweltministeriums Baden-Württemberg zur Änderung der Verordnung über das Biosphärengebiet „Schwäbische Alb“ vom 15. April sind die von der Reutlinger Stadtverwaltung vorgeschlagenen Flächen südlich der Bahnlinie Metzingen-Tübingen offizieller Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb. Für die Stadt Reutlingen bedeutet das: Der Anteil der Flächen im Biosphärengebiet steigt. Die Stadt Reutlingen ist Mitgliedskommune der ersten Stunde und hat im Jahr 2008 bei der Erstausweisung des Biosphärengebiets Schwäbische Alb 1.522 Hektar ihrer Gemarkungsfläche eingebracht.

Im Zuge des Erweiterungsverfahrens liegt nun der Fokus auf dem städtischen Raum. Beworben hat sich die Stadt mit einer Erweiterungsfläche von 3.433 Hektar südlich der Bahnlinie Metzingen-Tübingen: Sie umfasst die Bezirksgemeinden Bronnweiler, Gönningen und Ohmenhausen in ihrer Gänze, Teile der Bezirksgemeinden Betzingen und Sondelfingen sowie die Innenstadt.

Damit hat sich der Einsatz aller am Erweiterungsprozess beteiligten Akteurinnen und Akteure ausgezahlt! Der erfolgreiche Abschluss der Gebietserweiterung ist wichtiges Ziel und gleichzeitig Start eines noch größeren und umfassenderen Prozesses – den Biosphärengebietsgedanken einer nachhaltigen Regionalentwicklung aktiv und gemeinsam mit Leben zu füllen. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Gebietserweiterung bewirbt sich das Biosphärengebiet Schwäbische Alb für eine neue Anerkennung der gesamten Kulisse durch die UNESCO.

Perfekt zur BUGA und zur Biosphärenstadt passt das dritte Großprojekt, bei dem wir in den vergangenen Wochen und Monaten einige große Schritte weitergekommen sind. Im Dezember haben wir den – meines Erachtens historischen -  Gemeinderatsbeschluss für die Innenstadttrasse der Regional-Stadtbahn gefasst. Die Planungen für den „Heimathafen“ dieses kreis- und städteübergreifenden Mega-Infrastrukturprojekts, von dem noch unsere Kinder und Enkel profitieren werden, sind ebenfalls weit gediehen. Bekanntlich soll der Betriebshof für die Regional-Stadtbahn auf dem ehemaligen Güterbahnhof-Gelände entstehen – einem echten Reutlinger „Un-Ort“, der jahrzehntelang mehr oder weniger brachlag. Dass dies hier in unserer Stadt passiert, freut mich besonders, denn der Betriebshof wird nicht nur in optischer Hinsicht ein Hingucker, sondern er sorgt für auch zahlreiche neue Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen. Ganz zu schweigen vom Gewinn für die Unternehmen in der Region, die sowohl vom Bau als auch als Zulieferer profitieren können. Am kommenden Mittwoch, 15. Juli, 18 Uhr, laden Zweckverband und Stadt zu Info-Spaziergängen auf dem künftigen Betriebshof-Gelände ein: Sie alle sind herzlich willkommen!

Natürlich könnte ich Ihnen heute noch viel mehr positive Nachrichten aus Ihrer Heimatstadt mit auf den Weg geben: Etwa von den vielen neuen und größtenteils öffentlich geförderten Wohnungen, die unsere GWG im 75. Jahr ihres Bestehens nach der von mir initiierten Umstrukturierung baut. In die ersten der insgesamt 158 Wohneinheiten der Matthias-Erzberger-Höfe – die übrigens auf einer weiteren legendären Reutlinger Brache, dem ehemaligen Bauhof-Areal entstehen – ziehen schon bald die ersten Mieter ein. Nach der Sommerpause legen wir darüber hinaus mit der GWG den Grundstein für weitere 148 Wohneinheiten auf den Schieferterrassen, um nur zwei von vielen weiteren Beispielen zu nennen. Auch private Investoren machen von sich reden: Sage und schreibe 240 neue Wohnungen will der Investor Per Invest aus Stuttgart auf dem Mediamarkt-Areal errichten, um ebenfalls nur ein Beispiel zu nennen – das überzeugende Ergebnis des zweistufigen Wettbewerbs haben wir in der vergangenen Woche vorgestellt.

Positive Nachrichten erzeugen auch unsere Bemühungen bei der Klimafolgenanpassung, die wir in den vergangenen Jahren stark vorangetrieben haben. Erst vor wenigen Tagen haben wir das neue Regenüberlaufbecken in Oferdingen offiziell eingeweiht. Nach dem weitgehend umgesetzten Hochwasserschutzkonzept in Betzingen ein weiterer Meilenstein bei der Bekämpfung der Folgen des Klimawandels, den man zwar nicht sieht, weil er sich unter der Erde verbirgt, der aber umso effektiver ist. Sie erinnern sich sicher genauso gut wie ich an die Starkregenereignisse des Jahres 2021, die deutlich machten, dass Klimaanpassung nicht bei großen Strategiepapieren beginnt, sondern unter unseren Füßen, in Rohren, Kanälen und Becken, die Wasser zurückhalten, wenn es darauf ankommt.

Schlussendlich könnte ich Ihnen noch ausführlich berichten, dass wir seit der Veröffentlichung unserer Vulnerabilitätsanalyse „Hitzestress und menschliche Gesundheit“ 462 Stadtbäume neu gepflanzt, sieben Trinkbrunnen neu ausgewiesen und im Rahmen des im April vom Gemeinderat beschlossenen Klimawandelfolgenanpassungskonzepts einen Hitzeaktionsplan erarbeiten werden, um Ihnen künftig den Hitzestress zu ersparen.

Aber – es ist heiß! Und deshalb können Sie sich selbst und mir weiteren Hitzestress ersparen, indem Sie es so machen wie die beherzten Norweger, die ihre sympathische Nationalmannschaft bei der WM immerhin bis ins Viertelfinale (ACHTUNG: Stand 8.Juli/ nächstes Spiel am Samstag, 11. Juli) gerudert haben. „Ro!“ (gesprochen: Ruh!) lautet der Anfeuerungsruf, der mich im Zusammenspiel mit rhythmischen Ruderbewegungen garantiert ins Finale meiner Rede katapultiert - versprochen!

Danke, liebe Reutlingerinnen, liebe Reutlinger, liebe Ehrengäste! Das große Bürgerfest, das wir heute miteinander feiern, erinnert große reichsstädtisch-demokratische Tradition unserer Stadt. Es erinnert an jene Reichsstädterinnen und Reichsstädter, die den Schwörtag bis zum Jahr 1802 immer am zweiten Sonntag nach dem Ulrichstag als zentrales politisches Ereignis und als Festtag begingen. An diesem Tag wurde der Bürgermeister gewählt und vereidigt, zugleich wurde aber auch die Bürgerschaft auf die neue Stadtregierung vereidigt. Diese Reichsstädterinnen und Reichsstädter waren es auch, die unser Reutlingen nach dem großen Stadtbrand im Jahr 1726 wiederaufbauten. Ohne Geld, mit sämtlichen  Materialien, die sie ergattern konnten, manchmal sicher der Verzweiflung nahe, aber immer mit einem klaren Ziel vor Augen: Ihr Reutlingen wieder liebens- und lebenswert zu machen. Auch ich brenne nach wie vor für diese meine Heimatstadt und verfolge dieses Ziel nach wie vor mit Feuereifer. Deshalb bitte ich nun Ida Auch, Schülerin des Friedrich-List-Gymnasiums, mit dem Schwörstab zu mir auf die Bühne, damit ich den Jahrhunderte alten traditionellen Schwur ablegen kann, der für mich persönlich bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.

Spruch von Ida Auch:

„Den Schwörstab aus der Reichsstadtzeit,
den halt ich hier für Sie bereit.
Geachtet sei unsere Tradition –
zum Wohl jeder Reutlinger Generation!“

Eid von Oberbürgermeister Thomas Keck:

„Meinem befohlenem Ambt mit Treue
und Fleiß, in aller Sorgfältigkeit vor zustehen,
der Statt, dem Land und ganzem Vatterland, jeder Zeith alle
treu und wahrheit zu leisten,
deren Nuzen und Frommen zu schaffen und zu fördern,
Nachtheil und Schaden zu warnen und zu wenden,
auch gegen Reich und Arme ohne unterschied der Persohnen
ein gleicher und unpartheyischer Ambtmann
zu seyn,
und innsgemein das Beste zu thun,
nach meinem besten Verständtnuß ...“

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