Weihnachtsansprache 2020 von Oberbürgermeister Thomas Keck

Oberbürgermeister Thomas Keck richtet sich in einer Videobotschaft zu Weihnachten an alle Reutlingerinnen und Reutlinger.

Weihnachtsanssprache Oberbürgermeister Keck 2020

  • Liebe Reutlingerinnen,
    liebe Reutlinger,
     

    kürzlich habe ich gelesen, dass Menschen in Polen, die positiv auf Corona getestet werden, mehrmals am Tag in ihrer Wohnung ein Selfie schießen und dieses dann mittels einer App an die Behörden übermitteln müssen. Die Daten sind dann offenbar dauerhaft gespeichert, auch nachdem man die App gelöscht hat. In Wuhan, der chinesischen Stadt, in der die Pandemie ihren Lauf genommen hat, waren sechs Millionen Einwohnerinnen und Einwohner über zehn Wochen lang in ihren Wohnungen eingesperrt. Bei solchen Nachrichten wird mir schon ein wenig mulmig.
    Zugegeben! Auch ich bin nicht vor gelegentlichen Anfällen von Pandemiemüdigkeit gefeit. Doch beim Blick über den Reutlinger Tellerrand stelle ich fest: Im internationalen Vergleich ist der harte Lockdown, indem wir uns seit vergangener Woche wieder befinden, noch lange nicht der härteste. Sicher, unser Bewegungsspielraum ist eingeschränkt, aber wir haben immer noch die Freiheit, an Heiligabend einen Baum zu schmücken, ein leckeres Essen zu kreieren, uns mit einigen Verwandten zu treffen und lange Spaziergänge zu unternehmen.
     
    „Die letzte der menschlichen Freiheiten besteht in der Wahl der Einstellung zu den Dingen“, fand der österreichische Neurologe und Psychiater Viktor Frankl (1905-1997). Ich kann Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, nur ermutigen, sich diese Freiheit zu nehmen und das Beste aus dem zu machen, was uns in Pandemiezeiten möglich ist!
    Meine Familie und ich jedenfalls halten es mit dem Schauspieler Paul Hörbiger, der einmal sagte: „Für angenehme Erinnerungen muss man im Voraus sorgen.“ Wir tun das an Heiligabend mit einem guten Essen, und wir tun es im allerkleinsten Kreis. Wir müssen nicht alle „Weihnachtslockerungen“ ausreizen, nur, weil es erlaubt ist. Ja, die
    „stille Nacht“ wird auch bei uns noch ein bisschen stiller werden als sonst. Vielleicht gelingt es uns allen aber auch, diese Stille als „Verschnaufpause“ nach einem absolut verrückten Jahr willkommen zu heißen?
     
    In unzähligen Familien auf der ganzen Welt werden die stillen Tage noch viel stiller sein: Über 25.000 Menschen alleine in Deutschland können Weihnachten und den Jahreswechsel gar nicht mehr im Kreise ihrer
    Liebsten feiern, weil sie an einer Viruserkrankung verstorben sind, die
    wir vor einem Jahr um diese Zeit noch nicht einmal kannten.
    Ich denke, wenn man sich diese Dimensionen einmal vergegenwärtigt, sollte jeder verstehen, dass der „harte“ Lockdown seinen Sinn hat.
    Wir alle haben es in der Hand, möglichst viele weitere Todesfälle zu vermeiden, indem wir uns und unsere Angehörigen so gut wie möglich vor einer Infektion schützen, indem wir uns an Abstands- und Hygieneregeln halten, unsere Kontakte einschränken – und eben auch mal auf Weihnachten im ganz großen Kreis und die rauschende Silvesterparty verzichten.
    Weihnachten gilt ja nicht zuletzt auch als Fest der Liebe, und für mich ist es ein Zeichen der Liebe und der Wertschätzung, die Menschen, die mir am Herzen liegen, bestmöglichst vor einer Infektion zu schützen.
     
    Es gibt einen Silberstreifen am Horizont: Noch in diesem Jahr sollen in Deutschland die ersten Menschen geimpft werden. Ich finde, das ist eine sehr gute Nachricht, die uns da in der vergangenen Woche unter den Tannenbaum gelegt worden ist! Wir hier in Reutlingen sind bestens vorbereitet: Unter anderen haben unsere städtische Feuerwehr und unsere Technischen Betriebsdienste in den vergangenen Wochen viel Arbeit und Herzblut in das Impfzentrum im Stadion Kreuzeiche investiert, das den Bewohnerinnen und Bewohnern des gesamten Landkreises nun fix und fertig zur Verfügung steht.
    Fehlt nur noch der Impfstoff, doch ich bin zuversichtlich, dass es schon bald losgehen kann!
     
    Halten wir also noch ein bisschen durch – und halten wir vor allem weiterhin zusammen! Freuen wir uns darauf, dass es in nicht allzu ferner Zukunft wieder möglich sein wird, ein „normales“ Leben zu führen!
     
    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes und hoffnungsvolles Weihnachtsfest, passen Sie auf sich und Ihre Lieben auf - und bitte bleiben Sie gesund!
     
    Herzlichst

    Ihr
    Thomas Keck


    - Es gilt das gesprochene Wort -
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