Stadtführung für alle - das erweitert Ihre Sinne!

Stadtführungen sind ein wichtiger Bestandteil der kultur-historischen Erkundung einer jeden Stadt. In Reutlingen werden Stadtführungen über das Kulturamt der Stadtverwaltung angeboten. Bei der Stadtführung werden bis zu 22 Sehenswürdigkeiten im Innenstadtbereich besichtigt.
Für Menschen mit einer Hör- oder Sehbehinderung ist die Teilnahme an den Stadtführungen nur unter Erschwernissen möglich. Individuell könnte zum Beispiel ein Gebärdendolmetscher hinzugezogen werden, dies bedeutet jedoch einen vorherigen und insbesondere rechtzeitigen Planungsprozess und ist deshalb nicht inklusiv sondern eher exklusiv. Mit der “Stadtführung für alle“ wird die Art und Weise der Stadtführung in Reutlingen flexibilisiert und innovativ fortentwickelt. Mithilfe der in der App integrierten VideoGuides kann bspw. zu jeder Zeit eine Stadtführung unternommen werden. Die Videos sind einzeln abrufbar und interaktiv nutzbar (bspw. Navigation zu den jeweiligen Sehenswürdigkeiten via elektronischem Stadtplan). Jedes Video enthält Informationen zu einer Sehenswürdigkeit. Die Informationen - welche sonst mündlich durch den Stadtführer gegeben werden - sind durch eine Gebärdensprachdolmetscherin übersetzt worden. Die Informationen werden in den Videos  akustisch, als Gebärde sowie als Text wiedergegeben und sind somit für eine größtmögliche Anzahl an Benutzern nutzbar.
 
Blinden und seheingeschränkten Personen ist es meist verwehrt Kunst zu erleben – selten ist es in Ausstellungen erlaubt die Ausstellungsstücke bspw. anzufassen. Durch die Aufstellung von taktilen Glasstelen und Tableaus, auf welchen ein spezieller Druck aufgebracht ist, ist es blinden Menschen möglich, das Bedruckte zu erfühlen. So entsteht eine weitere visuell schöne und inklusive Komponente der „Stadtführung für alle“.
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Wie kam es zu diesem Projekt?

Herr Steuer (Experte für gehörlose Menschen) und Mitglied des Gehörlosenvereins Reutlingen e. V.  schlug beim „Runden Tisch Barrierefreies Reutlingen“ am 9. März 2018 vor, eine Stadtführung für gehörlose Menschen in Reutlingen zu entwickeln.
Er schlug vor, Videos mit Gebärdensprache für gehörlose Menschen anzubieten. So können gehörlose Menschen unabhängig und ganz spontan eine Stadtführung machen.
Die Idee von Herrn Steuer wurde seitens des Teams des Behindertenbeauftragten der Stadt Reutlingen aufgenommen. Von Anfang an war es dem Team dabei wichtig, dass die Stadtführung allen interessierten Menschen zur Verfügung stehen kann - nicht nur Menschen mit Behinderung. Deshalb entstand die Projektidee zur „Stadtführung für alle“.
Das Projekt wurde in drei Teilprojekte aufgeteilt:
  • VideoGuides
  • App
  • Taktile Glasstelen

VideoGuides

Um ein Video in Gebärdensprache umzusetzen, bedarf es mehrerer Faktoren. Ein Video in Gebärdensprache beinhaltet immer:
  • Ein Foto der Sehenswürdigkeit
  • Ein/-e Gebärdensprachübersetzer/-in
  • Einen Untertitel
Zudem sollten die Videos auch akustisch unterlegt sein.

Das Team des Behindertenbeauftragten hat an einer Stadtführung mit dem Stadtführer Herrn Föll (Kulturamt der Stadt Reutlingen) teilgenommen. Das von Herrn Föll Erzählte wurde komplett auf Tonband aufgenommen. Die Aufnahmen wurden anschließend vom Schreibzentrum der Stadt Reutlingen in Texte umgewandelt.

Die Reutlinger Fotografin Gaby Höss hat Fotos aller Sehenswürdigkeiten der Stadtführung aufgenommen.

Das Video wurde über die Firma fishsigns in Berlin (Frau Fischer) gefertigt. Frau Fischer ist selbst gehörlos - eine sogenannte „native speakerin“ - somit erhielten die Übersetzungen eine weitere inklusive Qualität.

Die Vertonung erfolgte durch Herrn Dominik Kuhn – besser bekannt als „dodokay“. Wir haben uns - in Absprache mit Herrn Kuhn - für zwei Vertonungen entschieden - eine auf schwäbisch und eine auf hochdeutsch. So sind die Videos auch ein schwäbisches Erlebnis.

Außerdem wurden die gesamten Informationen zu den Sehenswürdigkeiten vom Team des Behindertenbeauftragten in Leichte Sprache übersetzt. Auch diese wird sich im Gesamtprojekt wiederfinden.

Sie möchten einen kleinen Einblick hinter die Kulissen?
Hier können Sie vorab ein Video auf Hochdeutsch und hier auf Schwäbisch anschauen.


App

Die erstellten Videos sollen auf der Internetseite der Stadt Reutlingen abrufbar sein und darüber hinaus auch weitere neue technische Möglichkeiten genutzt werden. Die Stadtführung soll auch bequem über das Smartphone oder Tablet abrufbar sein. Hierzu ist die Verwendung einer App das Mittel der Wahl.
 
Das Team des Behindertenbeauftragen war zu diesem Zeitpunkt mit einem Startup-Unternehmen aus Mannheim (Firma contagt) im Austausch. Die Firma ist spezialisiert auf barrierefreie Leitsysteme und kooperiert unter anderem mit der ESA (European Space Agency). Durch den Kontakt konnte die ESA als Projektpartner gewonnen werden. Contagt erstellte gemeinsam mit der ESA (kostenneutral für die Stadt Reutlingen) die App für das Projekt und sicherte die Einbindung von modernen technischen Möglichkeiten (beispielsweise Satellitennavigation zu den Sehenswürdigkeiten mit dem neuen Satellitensystem Galileo).
 
Außerdem wurden 360° Aufnahmen der Sehenswürdigkeiten angefertigt und in der App zur Verfügung gestellt.

Taktile Glasstelen

Das Projekt gewann zu den Videos und der App einen neuen Aspekt hinzu:
Während der Konzeption des Projekts hat Frau Langhammer (Firma glass44 GmbH) dem Team des Behindertenbeauftragten eine weitere Ergänzungsidee vorgeschlagen. Sie hat eine Drucktechnik entwickelt, die es möglich macht, dass blinde Menschen Kunst erfühlen und ertasten können.
 
Bei der Druckmethode wird Farbe in mehreren Schichten auf Glas gedruckt. Blinde Menschen können die Haptik und Konturen des Druckes spüren und können sich so ein „Bild“ des Gedruckten machen. Diese Technik lässt sich auch für den Druck von Fotos der Sehenswürdigkeiten anwenden. Die Idee entstand, an ausgewählten Sehenswürdigkeiten eine Glasstele und ein Tableau zu aufzustellen. So können blinde Menschen erspüren und erfahren, wie bspw. das Tübinger Tor aussieht.
 
Die Stelen werden gemeinsam mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Württemberg e. V. und sehbehinderten Menschen entwickelt.

Bundesteilhabepreis

Gemeinsam mit der Firma contagt hat das Team des Behindertenbeauftragten im Sommer 2020 eine Bewerbung für den Bundesteilhabepreis eingereicht. Ende Oktober 2020 wurde bekannt, dass das Projekt „Stadtführung für alle“ in das Finale des Bundesteilhabepreises eingezogen ist und einen Preis erhält.

Am 30. November 2020 hätte in Berlin die Preisverleihung durch Herrn Bundesminister Hubertus Heil stattfinden sollen. Aufgrund der angespannten Lage der Corona-Pandemie musste diese Veranstaltung leider ausfallen. Das Gratulationsvideo sowie das Projektvideo können Sie hier abrufen: https://www.bmas.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/bundesteilhabepreis-2020-verliehen.html

Das Projekt „Stadtführung für alle“ hat den 2. Platz beim Bundesteilhabepreis erreicht und ist somit auf dem Podium!

Veröffentlichung der App

Aktuell befindet sich die App noch in den letzten Zügen der Abstimmung innerhalb der Verwaltung. Mit einer Veröffentlichung der App und somit der Reutlinger „Stadtführung für alle“ ist in Kürze zu rechnen.
 
Wenn Sie wissen möchten, wann die App und die Reutlinger „Stadtführung für alle“ an den Start geht, füllen Sie bitte dieses Formular aus:

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Kontakt

Herr Michael Embery

Abteilungsleiter Finanzcontrolling, Behindertenbeauftragter und Sonderaufgaben

Telefon: 07121 303-2470

Fax: 07121 303-2149

E-Mail: michael.embery@reutlingen.de

Michael Embery - Behindertenbeauftragter

Frau Meike Scholz

Projektleitung, Sachbearbeiterin und Assistentin des Behindertenbeauftragten

Telefon: 07121 303-5950

Fax: 07121 303-2149

E-Mail: meike.scholz@reutlingen.de

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