Staatliches Technikum für Textilindustrie

Das Technikum im Jahr 1925

Historische und einzigartige Stoffe – Die Gewebesammlung der Hochschule

Im 19. Jahrhundert war Reutlingen mit zahlreichen Textilfirmen und der 1855 gegründeten Webschule, dem späteren Technikum, eine Hochburg der Textilindustrie.
Um 1890 wurde durch Lehrkräfte der Hochschule eine Sammlung von Modellen, Gewebemustern und Musterbüchern aufgebaut, die als Lehr- und Unterrichtsmaterial dienten. Systematisch wurden Stoffproben aus den Naturmaterialien Wolle, Leinen, Seide und Baumwolle gesammelt und archiviert. Im Laufe der Zeit wurden so 500 000 Muster und Gewebefragmente zusammengetragen.
Zu der bestehenden Sammlung in Reutlingen kamen 1932 und 1934 Bestände des ehemaligen „Musterlagers“ der „Centralstelle für Gewerbe und Handel“ in Stuttgart. Das Musterlager wurde 1850 eingerichtet. Später ging daraus das Landesgewerbemuseum hervor.
Die europäische Stoffproduktion der früheren Textilzentren Paris, London, Lyon, Wien und Brünn spiegeln sich in der Sammlung wider.
Eine Besonderheit sind indische Seidengewebe sowie altperuanische Gewebestoffe aus dem 7.-11. Jahrhundert, die ein ehemaliger Student dem Technikum vermachte.
Ein wertvoller und einzigartiger Bestand der Sammlung ist die Kollektion von rund 900 Gewebefragmenten aus Japan. Das älteste stammt aus dem Jahr 1530, das jüngste von 1880. Diese Sammlung wurde von dem aus Bietigheim stammenden Arzt Erwin Baelz zusammengetragen, der 30 Jahre lang in Japan lebte. Er lehrte an der medizinischen Akademie in Tokio und war Leibarzt des Kronprinzen und späteren Kaisers. 1881 vermachte er seine Sammlung dem Stuttgarter „Musterlager“. 1933 gingen diese Gewebefragmente an das Reutlinger Technikum.


Nach oben