Metalltuch- und Maschinenfabrik Hermann Wangner

Die Firma Wangner im Jahr 1925

Vom Draht zum Sieb – Die Metalltuchweberei

Schon früh wurde Draht bei der Firma Wangner in einer eigenen Zieherei und Glüherei selbst hergestellt. Das Rohmaterial wird in elektrischen Schmelzöfen geschmolzen und in Gießmaschinen vergossen. Zunächst wurde Messing, später Bronze und ab etwa 1890 Phosphorbronze, eine Legierung aus Kupfer, Zinn und Phosphor verwendet. Die so hergestellten Platten wurden kalt gewalzt und zu Draht geschnitten und gezogen. Der vorbereitete Draht wurde mittels durchbohrten Diamanten auf verschiedene Drahtstärken gezogen. Nur Diamanten sind hart und widerstandsfähig genug, den Draht in seine runde Form und den genauen Durchmesser zu bringen. Danach wurden die Drähte zu meterbreiten Sieben oder Metalltüchern verwoben, die bei der Papier- und Zellstofffabrikation zur Entwässerung des Stoffbreis benötigt wurden. Kett- und Schussdrähte bilden das Sieb. Die Kettdrähte sind die Längsdrähte, die beim Verweben auf- und abgebogen werden. Die Schussdrähte liegen quer zur Laufrichtung, sie werden beim Weben mit dem Schiffchen oder dem Schützen eingeschossen. Die Kettdrähte müssen sehr zäh und widerstandsfähig sein und dürfen bei der Papierherstellung weder vom Wasser noch von den verwendeten Chemikalien angegriffen werden. Nachdem die Metalltücher gewoben waren, wurden sie von Hand endlos zusammengenäht. Dies erforderte höchste Präzision, da die Naht ebenso fest und durchlässig sein musste wie das Sieb selbst. Es wurden immer neue Patente für Nähte erfunden, aber die Lösung brachten erst moderne Löt- und Schweißtechniken. Nach dem Nähen wurden die Siebe auf Streckmaschinen gespannt, um sie gründlich auf Gleichmäßigkeit und Glätte zu prüfen. Zum Abtransport wurden sie in Kisten verpackt. 1968 verarbeitete Wangner erstmals Kunststoffdrähte. Ab den 1980er Jahren gab es große Strukturveränderungen durch den vermehrten Einsatz von synthetischen Sieben. Ihre Herstellungskosten waren zwar doppelt so hoch wie bei Bronzesieben, aber sie hielten 3 bis 6 mal länger. Um 1990 wurden 85% aller Papiermaschinensiebe aus Kunststoff gefertigt.
Ebenfalls Anfang der 1990er Jahre wurde das automatisierte Nahten der Gewebe eingeführt, so dass das aufwendige Zusammennähen von Hand entfiel.
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